In der Weltspitze wird geschluckt, was das Zeug hergibt

Regensburg, 13. März 2016 (Ring) – Beim Nachrichten-Kanal N24 kann man am 9. März folgende Schlagzeile nachlesen: „490 Meldonium-Verdachtsfälle bei Europaspielen“. Darunter sollen sich 13 Medaillengewinner befinden. Dies geht aus einer Untersuchung des britischen Journals Sports Medicine hervor. Aufgetaucht sei das Mittel in 15 von 21 Sportarten. Das Herz-Medikament wurde vor allem in den osteuropäischen Ländern als leistungssteigerndes Präparat  eingesetzt, weil es bis Anfang 2016 nicht auf der Dopingliste stand und dort auch ohne Rezept frei verkäuflich erwerbbar war. Viele der nun erwischten Athleten sind wohl in die Dopingfalle getappt, weil sie die dazu erscheinende WADA-Mitteilung übersehen hatten.

„Meldonium wird in Russland und in baltischen Staaten unter dem Handelsnamen Mildronate in Form von Kapseln und Ampullen vertrieben. In Deutschland und den USA, wo die Weltklasse-Tennisspielerin Scharapowa lebt, ist das Präparat nicht zugelassen. Die Substanz soll durchblutungsfördernd und kardioprotektiv wirken. Daher wird sie unter anderem bei Angina pectoris, nach Herzinfarkt, bei Herzinsuffizienz aber auch bei anderen Durchblutungsstörungen eingesetzt. Bei Gesunden soll Meldonium zu gesteigerter Ausdauer und schnellerer Rehabilitation nach Belastungen führen“, führt die Deutsche Apotheker Zeitung aus.

Festzuhalten ist, dass Meldonium ein Medikament vor allem für Herzkranke ist. Dass 490 Athleten im letzten Sommer bei den Europaspielen in Baku herzkrank an den Start gegangen wären und somit auf das Medikament angewiesen gewesen wären, davon ist nicht auszugehen. Der eigentliche Grund für die Einnahme muss wohl im Bereich der Leistungssteigerung für den Wettkampf gesucht werden. Die fehlende Anti-Doping-Moral ist klar erkennbar. Es wird geschluckt auf Teufel komm raus. Alles, was nicht auf der Dopingliste steht und nur den Anschein auf eine weitere Leistungssteigerung hindeutet und auch alles, was bei Dopingkontrollen nicht erwischt werden kann, wie die französische Presse im letzten Sommer über Mini-Doping berichtete. Das ist richtig krank, was in den Gehirnen der Weltklasseathleten abgeht.

Oder sollen wir vielleicht sagen, „in den Denkstrukturen der für diese Athleten zuständigen Systeme“. Man bezeichnet solches Vorgehen in Insiderkreisen meist als „professionell“. Beim zweiten Hinsehen und einer gewissen Reflexion ist es aber kriminell. Einsicht auf Grund der drastischen jüngsten Vorfälle ist nicht zu erwarten, wie der letzte ARD-Beitrag von Hajo Seppelt über sogenanntes russisches Reformgebaren nachweist. In den Mikrosystemen wird weitergemacht, als wäre nichts gewesen. Der Leistungssport muss sich wohl ganz neu aufstellen, will er den Übergang ins nächste Jahrhundert glaubwürdig schaffen. Die Olympischen Spiele der Antike lassen grüßen. Auch sie scheiterten langfristig an unlauteren Machenschaften.