DOSB und BMI planen im Stillen den neuen deutschen Spitzensport
    
Regensburg, 14. April 2016 (Ring) – Der deutsche Sport wird von je her in Olympiazyklen abgerechnet. Im September 2016 ist es wieder einmal so weit. Dann sind die Olympischen Spiele von Rio Geschichte und man wird in Büchern  und Artikel nachlesen können, wie voll die schwarz-rot-goldene Medaillenscheune geworden ist. BMI-Boss Thomas de Maizière glaubt indessen jetzt schon zu wissen, dass es wohl weiterhin bergab gegangen sein wird, was internationale Erfolge anbelangt. Eine Reform muss her. Daran bastelt er mit seinem Stab in Zusammenarbeit mit dem DOSB seit geraumer Zeit im Hinterstübchen. „Koste es, was es wolle“ ist längst nicht seine Devise, bei gleicher zukünftiger Förderung will er ein Drittel mehr Edelmetall sehen. „Das sei die Währung des modernen Spitzensports“, sagt de Maizière.

Umkrempeln, Hin- und Herschieben, mächtige Worte und Konzepte sollen im kommenden Herbst folgen. Politiker- und Funktionärsgepolter eben. Wie sehr solche theoretischen Luftschlösser ins Leere zielen, zeigt ein ganz einfaches Beispiel. Der Olympiastützpunkt München verfügt über eine der modernsten Leichtathletikhallen Deutschlands nebst Physiotherapie und sonstigem Drum und Dran. Der Landesverband Bayern verfügt über zirka zwei Handvoll olympiatauglicher Leichtathleten, von denen vielleicht die Hälfte nach Rio fährt und nicht mal so viele die Halle effektiv benutzen. Ein Teil dieser Spitzenathleten/Innen gehört der Regensburger Läufergruppe an. Bis auf eine lebt oder trainiert keine in München.

Warum auch. Das Wichtigste, dass sie für ihren Erfolg brauchen, ihr ganz persönliches Umfeld, haben sie ganz wo anders. Sehr individuell, Jahre lang erprobt und nicht einfach austauschbar, weil ein Plan das plötzlich will. Dazu gehört auch die Physiotherapie. Einige Jahre wurde die vom DOSB klaglos am Ort des jeweiligen Geschehens bezahlt. Dann ging’s nicht mehr, weil ein Planansatz das partout nicht mehr vorsah. Die Athleten sollten einzeln für 30 Minuten Behandlung bis zu drei Mal pro Woche nach München kommen. Sie haben es nicht getan und sind trotzdem noch erfolgreich. Gespart wurde dabei nichts, weil der OSP-Physio auch ohne Regensburger Athleten im Dienst ist. Im Grunde hat es nur mehr Kosten für das Gesamtsystem erzeugt. Davon gibt es wahrscheinlich tausende ähnliche Beispiele in Deutschland.

Hochleistungssport ist letztendlich eine Entscheidung der Gesamtgesellschaft. Will der Staat diese Form der Darstellung seines Volkes fördern, muss er dafür Grundlagen schaffen und nicht welche zerstören, wie in den letzten Jahren geschehen. Der Leistungssport muss in den wichtigsten Lebensbereichen wie Ausbildung, Schule, Studium oder beruflicher Anfänge verknüpfbar sein. Das ist keine leichte Aufgabe. Im Gegensatz zu den konkurrierenden Nationen hat der Hochleistungssport in der Bundesrepublik diese Synapsen verloren. Peu à peu, langsam aber stetig. Um dies umzukehren braucht es ein gesellschaftliches Umdenken. Vernünftig angestoßen wird es dafür wieder viel Zeit brauchen.

Schulen jeglicher Art wären ein brauchbares Experimentierfeld für die Kehrtwende vom Laissez-faire-Funsport hin wieder zu Höher-Weiter-Schneller. Zumindest ein bisschen und zumindest mit ein bisschen Anerkennung für jene wenigen, die überhaupt noch danach streben. Ob sich unserer Bundesinnenminister jemals darüber angesichts 16 verwirrender Schulsysteme im eigenen Staat ernsthafte Gedanken gemacht hat, bleibt dahingestellt. Langfristig erfolgreich im Sinne einer stetigen Steigerung der bisherigen Erfolgsbilanz wird er erst sein, wenn er diese zähen, Legislaturperioden überdauernden Prozesse in Gang bringt. Das ist aber nicht kurzfristig PR-trächtig und schon gleich kein Bringer von Wählerstimmen. Das wäre im Sinne des Leistungssports substantielle politische Arbeit. Bloß, will Thomas de Maizière das überhaupt?