Familie Dibaba geht wohl bald wieder auf Weltrekordjagd

Regensburg, 22. April 2016 –  1.500-Meter-Weltrekordlerin Genzebe Dibaba bestreitet am Samstag ihr 10.000-Meter-Debüt. Beim President‘s Cup in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) trifft sie unter anderen auf ihre äthiopischen Landsfrauen Senbere Teferi, Gotytom Gebreslase und die ehemalige WM-Dritte Belaynesh Oljira. Man darf gespannt sein, wie dicht Dibaba (5.000-Meter-Bestzeit: 14,15,41 min) an die 30-Minuten-Marke heranlaufen kann. Nun kommen sie also wieder herunter vom ostafrikanischen Läufer-Wunderland und keiner zweifelt daran, dass es bald wieder um Fabelweltrekorde geht. Auf vorderster Front die Dibaba-Schwestern, die wohl in diesem Jahr wieder zu Dritt für Furore sorgen wollen, weil die Älteste aus einer Babypause zurückkehrt ins Wettkampfgeschehen.

Wie von einem anderen Stern werden sie wieder die gesamte Konkurrenz in Grund und Boden laufen, geschützt vom eigenen Land, von der WADA und von der IAAF. Warum? Weil Äthiopien seit Jahrzehnten keine Doping-Trainingskontrollen durchführt, weil das Damoklesschwert einer Nichtzulassung zu den Olympischen Spielen nichts anderes sein wird, wie ein nie durchgezogene Drohgebärde nach dem Motto „nun seid doch mal ein bisschen anständig“ und weil der zwielichtige Manager Jos Hermens sein undurchschaubares Handwerk versteht wie kein anderer. The show must go on. Was wäre Rio ohne die leicht und locker dahinfliegenden Äthiopierinnen.

Genauso sind 2012 in London die beiden Türkinnen Asli Alptekin Cakir und Gamze Bulut geflogen und Jahre zuvor zwei Handvoll Russinnen. Alles Schwindel, wie sich nachträglich herausstellte. Aber was macht das schon. Das Stadion wird erneut beben, die Reporter sich in Lobeshymnen übertreffen, die Mär vom unschlagbaren Hochland weiterleben und die Dibabas oder andere Protagonisten wieder einige Milliönchen reicher sein. Natürlich wird das IOC, die IAAF und Jos Hermens kräftig mitverdienen, weil jene Strahlefrauen die besten Werbeikonen überhaupt sind.

Zu diesem wahrlichen Saustall – und als solchen darf man die derzeitige Hochleistungsleichtathletik nach den Vorfällen der jüngsten Zeit wahrlich bezeichnen – passt auch jene immerwährende Geschichte der Caster Semenya, die unter Verdacht steht, eine Hermaphrodite zu sein. IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss teilte damals 2009 der Presse beim Aufkommen des Dilemmas mit: „Es ist klar, dass sie eine Frau ist, aber vielleicht nicht zu 100 Prozent.“ Jetzt wird sie in Rio wieder auftauchen.

Wer denkt, der neue IAAF Chef Sebastian Coe würde „seiner“ Leichtathletik einer großen Reinigung unterziehen, wird sich in Rio die Augen reiben. Sie werden alle wieder da sein, die Russen, die Kenianer, die Äthiopier, die Marokkaner und so viele mehr, die ihre Hausaufgaben in Sachen Dopingkontrollsystemen nicht ordentlich gemacht haben. Der Rausch wird weitergehen, auch wenn es nur ein unlauterer war und manche sind davon so besoffen, dass sie sogar ihr Leben dafür geben würden. Muss das sein?