Ramdane1 DM2016 10000m KiefnerfotoCoach Kurt Ring hatte seine Zöglinge schon vor den Rennen wegen der fiesen Witterungsverhältnisse gewarnt. „Schaut nicht auf die Zeit, sucht den Kampf mit den Gegnern und lauft defensiv an“, hieß die Stallorder. Dass das abschließende Rennen bei den Männern und Junioren so verzinkt werden würde, hatte selbst er nicht vorausgesehen. Die Allianz aus gut einer Handvoll afrikanischen Asylbewerbern und erst kürzlich eingedeutschten Äthiopiern und Eritreern machte zunächst das Rennen höllisch schnell, um dann nach drei, vier Kilometern einzubremsen, weil sich jeder den Sieg nun im langgezogenen Spurt ausrechnete. Dadurch entstanden auch dahinter Grüppchen, die nicht so recht zusammen passen wollten und sich mehr behinderten als förderten in Richtung neuen persönlichen Bestleistungen.

Reng2 DM2016 10000m SchaakefotoAm Ende stand die Titelverteidigung des Fürther Äthiopiers Mitku Seboka in mäßigen 29:23,57min, der gescheiterte EM-Normangriff von Amanal Petros (SV Brackwede – 29:35,47min), der neben Männer-Silber auch noch U23-Gold mit nach Hause nahm, der ehrenwerte dritte Platz des USA-Studenten Dominik Notz (LAV Stadtwerke Tübingen – 29:42,04min) vor dem Eritreer Eyob Solomun (SG Wenden – 29:49,45min) und dem Äthiopier Solomon Merne Eshete (TV Wasserlos – 29:49,97min) zu Buche. Mittendrin Tim Ramdane Cherif (LG Telis Finanz) der aber ein echter Berliner Junge im blauen Trikot der Regensburger ist, hier geboren und hier aufgewachsen. So schaut die Langstrecken Wirklichkeit 2016 in deutschen Landen derzeit aus, was vielen Vereinen, Athleten und Trainern an der Basis mehr als gallig aufstößt. Man fordert eine internationale Wertung für alle, die keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen.

Beim Lauf der Frauen und Juniorinnen ging es weit weniger international zu. Franzi Reng wollte am Anfang die ziemlich forsche Fahrt von Mockenhaupt, Hottenrott und einer außer Konkurrenz mitlaufenden Schweizer EM-Aspirantin nicht aufnehmen und ging das Ding eher ruhig an, um am Ende die zweite Hälfte schneller zu laufen als die Baunatalerin und die Laufkollegin aus dem Nachbarland. Der Erfolg sollte ihr schließlich recht geben, auch wenn die Zeit (noch) nicht so ausfiel, wie sie sich das vorgestellt hatte.