Eine kleine Analyse an Hand der Meldezahlen

Regensburg, 6. Juli 2017 (Ring) –  Bayern als Deutschlands zweitgrößtes Bundesland verfügt über eine große sportliche Tradition, auch in der Leichtathletik. Doch die Zeit der Erfolge ist lange vorbei. Obwohl der Freistaat im Nachwuchsbereich immer noch mit einer Fülle von Talenten glänzt, bleibt im Aktivenbereich nur wenig davon übrig. Das bayerische Meldeergebnis für die diesjährigen Meisterschaften am 8./9. Juli im brandneuen Steigerwald-Stadion zu Erfurt bestätigt diesen Trend. 74 Meldungen für die Einzeldisziplinen der Frauen und Männer hört sich oberflächlich betrachtet gut an, auch die Tatsache, dass diese Athleten/Innen aus 22 Teams kommen. Betrachtet man aber die Gesamtteilnehmerzahlen, muss das Ganze relativiert werden. Zumal dann, weil die drei Großclubs LG Stadtwerke München (17), LG Telis Finanz Regensburg (20) und LAC Quelle Fürth (9) mit 46 Nennungen 62 Prozent des weißblauen Meldekontingents stellen und eine Vielzahl bayerischer Vereine gar nicht vertreten ist.

 

„Bayern ist ein Land der Läufer geworden“, sagte im letzten Jahr BLV-Vizepräsident Sport Gerd Neubauer zur damaligen Gemengelage in Kassel. Er kann die Einschätzung für 2017 eins zu eins wiederholen. Teilt man die Meldungen in vier Blöcke (Block Sprint-Hürden/10 Entscheidungen – Block Lauf/8 Entscheidungen – Block Sprung/8 Entscheidungen – Block Wurf 8 Entscheidungen) ergibt sich für die verschiedenen Blöcke ein recht unterschiedliches Bild. Der Block Sprint  kommt auf 17 Meldungen mit etlichen leeren Disziplinen, der Block Wurf auf 9 Meldungen, ebenso mit leeren Disziplinen, der Block Sprung als bayerisches Sorgenkind auf nur 5 Meldungen mit vielen leeren Disziplinen und Krösus Block Lauf schafft immerhin 43 Meldungen. Was noch viel schwerer wiegt: Bei der deutschen Nominierung für die diesjährigen Weltmeisterschaften könnte Bayern mit etwas Pech eine Nullrunde schieben.

Für den hauptamtlichen Landestrainer Andreas Knauer und Vizepräsident Sport folgt daraus eine zwingende Aufgabe. Sie müssen den Landesverband im Hochleistungsbereich betreffend der einzelnen Blöcke wieder komplexer auf Vordermann bringen. Ob der Weg, sich im hauptamtlichen Trainerbereich bevorzugt den hochqualifizierten Kaderathleten zuzuwenden, letztendlich ein zielführender ist, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Es liegt sicherlich nicht an der Tatsache, dass Bayern keine potenten Großvereine hat, die die Talente bis zum Hochleistungssport im Lande halten können, wie der ehemalige Präsident des BLV Karl Rauh einmal formulierte. Das weite Land darbt vor allem an geschulten ehrenamtlichen Trainern. Die wenigen alten Coaches setzen sich immer mehr zur Ruhe, neue junge kommen nur vereinzelt nach.

Alles nach München zu konzentrieren, ist à la longue ein gefährlicher Weg. Das Land ist groß und es werden weitere weiße Flecken auf der weißblauen Leichtathletikkarte entstehen. Die Talente werden irgendwo geboren, meistens sogar in entlegenen ländlichen Gegenden. Wenn da kein Interesse mehr an der Leichtathletik vorhanden ist, wird auch das Talent nicht entdeckt werden. Bei allen Fesseln, dass das Besoldungssystem des DOSB/BLSV dem Landesverband anlegt mit der Zielsetzung der Förderung des Nachwuchses, werden die Verantwortlichen nicht darum herumkommen, wichtige Strukturen im weiten Land zu legen. Das aber wird nur mit den hauptamtlichen Kräften möglich sein.