Ist der DLV bei der eigenen Kadernominierung ein zahnloser Tiger?

Regensburg, 27. November 2017 (Ring) – In der Satzung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes steht unter §2 Aufgaben des Verbandes im Unterpunkt 2.3 unter anderem als Aufgabe: „Deutsche Leichtathleten für die von der IAAF und der EAA ausgeschriebenen Veranstaltungen auszuwählen, auf diese vorzubereiten und sie während dieser Veranstaltungen zu betreuen. Darüber hinaus Länderkämpfe abzuschließen und durchzuführen. Dazu gehört auch, die Athleten für diese Länderkämpfe auszuwählen, sie darauf vorzubereiten und zu betreuen.“ 2018 finden in Berlin Europameisterschaften statt. Die engere Auswahl an Athleten/Innen für diese Heim-EM hat der DLV nun in die verschiedenen Kader berufen. Ob das dann wirklich diese Athleten/Innen sind, die in Berlin für Deutschland an den Start gehen werden zweifeln viele Kenner der Szene erheblich an. Es fehlen nämlich in den Listen einige Athleten/Innen, denen man dies zutrauen kann.

Bundestrainerin Kathrin Dörre-Heinig hatte deswegen am Wochenende einen Anruf zu tätigen, der ihr nach eigenen Worten sehr schwer gefallen ist. Sie musste einem ihren besten Läufer, Philipp Pflieger, der noch 2016 einer von zwei deutschen Marathonläufern bei den Olympischen Spielen in Rio gewesen war, dann aber seinen Herbstmarathon verpatzte, mitteilen, dass er nun nicht mehr im Kader sei. Die Begründung dafür, bestätigt von anderer kompetenter Stelle des DLV: Man hätte sich sehr bemüht, aber der DOSB hätte den Nominierungsvorschlag gestrichen.

Das erinnert Philipp Pflieger doch sehr an den Winter 2015/16 als er nach Erfüllung der internationalen Norm mit noch drei weiteren Marathonis die Olympia-Teilnahme einklagen wollte und die Verbände erst im letzten Moment einlenkten. Schon damals schoben sich DLV und DOSB ständig den schwarzen Peter zu und am Ende stellte sich heraus, dass der Dachverband bezüglich international angepasster Olympianormen den Handlungsbedarf immer beim Fachverband gesehen hatte, dies ihm auch mitgeteilt hatte. Ein wenig blamiert über den Ausgang der Geschichte war dann der DLV schon. Sollte das nun ein weiteres Ränkespiel zwischen DLV und DOSB sein?

Philipp Pflieger ist dies eigentlich beinahe egal: „Ich laufe deshalb keine Sekunde schneller oder langsamer, habe in Regensburg alles, was ich brauche und sehe gar nicht ein, dass ich mich in ein Bundesleistungszentrum verändern oder bei der Bundestrainerin trainieren müsste.“ Er glaubt den Aussagen seiner Bundestrainerin, fragt sich aber, ob der DLV nun gänzlich seine Kompetenz in einem Kerngeschäft, der Auswahl seiner Bundeskaderathleten verloren hat. Hinterfragt man das Ganze, kommt Interessantes zu Tage. Der DLV lässt sich wohl seinen Hauptaufgabenbereich mit den Bundeskadern fast gänzlich aus DOSB-Mitteln bezahlen. Wen wundert’s, dass sich dann dieser bei der Zusammensetzung der Kader entscheidend einmischt. Fazit des Vorfalls: Auf diesem Hauptaufgabengebiet ist der DLV nichts anderes als ein zahnloser Tiger.

Hat er keine eigenen Mittel, um den Platz eines Wunschathleten – und als solcher sollte Philipp Pflieger nach Aussage der Bundestrainerin und des Teamleiters Lauf im DLV, Thomas Dreißigacker – wohl durchaus zu sehen, oder will er dafür kein eigenes Geld ausgeben? Angesichts der wohl guten Sponsorenverträge, nicht zuletzt mit dem Sportartikelriesen NIKE, hier bereits abgeschlossen bis ins Jahr 2028, wäre das eigentlich nicht die Quadratur des Kreises. Natürlich ahnt man, dass die Sponsorengelder aus steuerrechtlichen Gründen zur Deutschen Leichtathletik Marketing Gesellschaft, einer hundertprozentigen Tochter des DLV, fließen. Warum man dort nicht das wenige Geld für Athleten wie Philipp Pflieger aufbringen kann, ist schwer zu verstehen. Zu den eigenen Geschäftsfeldern der DLM gehört explizit ein Engagement im Lauf-Bereich.

Dabei geht es Philipp Pflieger sogar noch gut. Unabhängig davon, ob dies nun eine Retourkutsche für seine angedrohte Klage im Olympiawinter 2016 ist, wurde er zumindest von seiner Bundestrainerin telefonisch vom Vorgang verständigt, ehe die neuen Kaderaufstellungen im Netz erschienen. Die für den Bereich Langstrecke der Männer sind schon seit Oktober veröffentlicht. Dort fehlt der Name Florian Orth, Laufkumpel und Vereinskollege von Philipp Pflieger. Dieser war 2016, einer von zwei deutschen 5.000m Läufern, die in Rio antraten, 2017 aber wegen einer Erkrankung nicht ganz so erfolgreich wie in den zurückliegenden Jahren. Ach ja, im Winter dieses Jahres hat auch er sich anlässlich der Nominierungsbestimmungen für die Hallen-EM mit dem Verband angelegt. Auf den Anruf seines Bundestrainers wartet Florian Orth immer noch.

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