Deutscher Shootingstar wird in der Halle zu Birmingham 3000m-Siebte

Regensburg, 2. März 2018 (Ring – Kommentar) – „Konstanze Klosterhalfen ist klar an einer Medaille über 3.000m bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Birmingham vorbeigelaufen. Die 21-Jährige aus Leverkusen wurde gestern Abend in 8:51,79 Minuten Siebte und verpasste damit den ersten Podestplatz für eine deutsche Läuferin auf dieser Strecke seit der WM-Premiere im Jahr 1985 um fast sieben Sekunden“, so die der dpa-Text, den man heute im Sportteil der Mittelbayerischen Zeitung lesen konnte. „Desillusioniert“ könnte man die Stimmung in der Öffentlichkeit nennen. Mitnichten trifft das die Realität des Rennens. Die fast gesamt vertretene etablierte Weltklasse spielte einfach in einem typischen Meisterschaftsrennen mit der jungen Deutschen Katz und Maus.

Man wird der Leverkusenerin eher gerecht, wenn man sich einmal die Profile ihrer Gegnerinnen und eben auch das ihrige ansieht. Die ersten Vier der WM mit Genzebe Dibaba, Sifan Hassan, Laura Muir und Hellen Obiri sind eigentlich gelernte Mittelstrecklerinnen, die gerne die kürzeste Langstrecke - eigentlich noch dem Mittelstrecken zuzuordnen - zum Saisonaufbau aufnehmen und als klassische Protagonistinnen dieser Laufspezies gerne im Sommer auch noch die 5.000m mitnehmen. Sowohl auf der Parade-Mittelstrecke 1.500m, in diesem Fall die Unterdistanz, als auch der kürzeren Langstrecke, den 5.000m sind sie alle schneller als Konstanze Klosterhalfen und das bisweilen noch deutlich. Koko, wie das rheinische Naturtalent gerne genannt wird, ist meines Erachtens vom Profil her eher die Langstrecklerin, die ihren Spurtansatz länger gestaltet mit weicheren Tempoübergängen. Der harte Punch eingangs einer letzten Runde, die dann vielleicht sogar unter einer Minute zu gestalten wäre, ist nicht so ihr Ding. Soweit also die sportliche Seite.

Dies macht aber nur einem Bruchteil der jetzigen Realität aus. Lasst uns dazu zunächst ins Jahr 2012 zurückgehen, das erste Superjahr mit Europameisterschaften und Olympischen Spielen in ein und demselben Jahr. Da mischten zwei Türkinnen über 1.500m die Weltspitze auf, dazu jede Menge altgediente Russinnen und ausgewählte Ostafrikanerinnen, die nicht einmal mehr großartig auffielen. Die Sportöffentlichkeit verneigte sich vor diesen Heldinnen, die Läuferinnen dahinter waren nur Auffüllerinnen, die in aller Regel schon in den Halbfinals zwar knapp aber eben doch scheiterten. Wie wir alle inzwischen wissen, ist die Ergebnisliste von London schon längst Makulatur, nicht einmal mehr das Papier wert, auf der sie schwarz auf weiß zu lesen war. Vom „dreckigsten Rennen“ der Leichtathletik-Geschichte war schon wenige Jahre später die Rede. Zurückgeblieben sind „die dahinter“, denen man die Einmaligkeit eines Olympiafinales geklaut hatte, vielleicht sogar ums Podest gebracht hatte. In der Aufarbeitung des damaligen Dopingsumpfes lässt man ihnen die längst fällige Anerkennung posthum als damalige ehrliche Weltklasse nur zögernd zukommen.

Was hat das mit Kokos Lauf in Birmingham zu tun? Sehr viel, wie ich meine. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit sagen mir, dass es durchaus möglich ist, dass die Leverkusenerin vielleicht sogar später eine WM-Medaille nachgereicht bekommt. Dafür zuständig werden dann wahrscheinlich wieder nicht die Kontrollsysteme der Fachverbände beziehungsweise von WADA und den entsprechenden NADAs sein. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es wieder der Sisyphusarbeit des investigativen Journalismus zu verdanken sein, dass Ergebnisse nachträglich wenigsten etwas ehrlicher werden. Jene Ehrlichkeit, die man eigentlich vom organisierten Sport erwarten sollte, kann aus dieser Richtung nicht kommen, weil gigantische Geldsummen, mit bisweilen getunten Weltstars generiert, der Verführung zum Vertuschen des ganzen Schweinestalls jederzeit Vorrang geben. Solange sich der Sport selbst kontrolliert, wird sich das nicht ändern. Solange es auf dieser Welt zudem Staatssystem gibt, die diese Betrugssystematik zur Glorifizierung noch toppen (siehe Russland), wird auch keine „Weltpolizei“ des Sports entstehen, um das ganze Geschehen wenigsten etwas erträglicher zu gestalten. In diesem Zusammenhang ist auch die Forderung des noch geschäftsführenden Bundesinnenministers nach „mehr Medaillen“ im übertragenen Sinne eine indirekte Forderung zum Doping. Man darf sich eben nur nicht erwischen lassen.

Man wird mich jetzt fragen, warum ich immer noch Leistungssportler, auch mit dem olympischen Traum im Kopf, noch betreue. Die Antwort ist ganz einfach. Ich halte den Leistungssport, das Verschieben der eigenen Grenzen eines jeden Athleten, stark charakterbildend, zumal das Ganze meiner Ansicht nach im Teamworking stattfinden sollte. Im engen Gefüge eines „Laufnestes“ hoffe ich, meine Schützlinge zur Ehrlichkeit erziehen zu können, zur Einhaltung von fairen Regeln im Umgang miteinander und zur Besinnung auf ihre Bodenständigkeit beim Erreichen des sportlichen Olymps. Das kann durchaus auch der langersehnte deutsche Meistertitel sein. Selbst den Rausch der Teilnahme bei den inzwischen in meinen Augen immer fragwürdiger werdenden Olympischen Spielen gönne ich Ihnen von Herzen, auch wenn sie dort im ungleichen Kampf nichts reißen werden und unter ferner liefen ankommen. Vielleicht ist das dann sogar die bessere Variante als jene der Corinna Harrer, die wohl ihr Leben nachdenken wird, was wäre den passiert in jenem Olympiafinale, um das sie gnadenlos betrogen wurde.

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