„Eigentlich hätten wir die Titelkämpfe gerne Ende Februar/Anfang März im Kalender, dann könnten wir uns gezielter vorbereiten. Jetzt, Anfang Dezember, muss eben eine gute Grundlagenform für den Auftritt meiner Schützlinge reichen. Wir waren in Darmstadt schon erstaunt, wie locker sich unsere Leute trotzdem qualifizieren konnten. Hätte sich Philipp Pflieger nicht während des Quali-Rennens verletzt, hätten wir Vier von uns im deutschen Männer-Team gehabt“, klärt Telis-Teamchef Kurt Ring über den derzeitigen Status seiner Cracks auf. Regensburgs international erfahrenster Crossläufer Florian weiß seinen Einsatz sehr wohl zu schätzen: „Eigentlich ist es besonders schwer, sich für ein Cross-Team zu qualifizieren, weil Mittelstreckler, Langstreckler, Hindernisläufer und Marathonis in einer Ausscheidung aufeinander treffen. In diesem Jahr war es dennoch ein bisschen leichter, weil mit Richard Ringer und Amanal Petros zwei deutsche Spitzenläufer auf eine Cross-Saison verzichten.“

Ohne die beiden wird es für ein deutsches Männerteam allerdings sehr schwer, überhaupt in Medaillennähe zu kommen. Zu stark sind da immer noch die im Crosslauf mit großen Traditionen ausgestatteten Nationen wie Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien. Auch die stets mit afrikanischen „Leihgaben“ gespickten Türken werden sowohl in der Einzel- als auch Mannschaftswertung wieder kräftig mitmischen. Die „Einkaufspolitik“ der Türken missfällt vielen Ländern längst. Nach dem jetzigen Regelwerk des internationalen Verbandes IAAF ist es aber legal. So wären denn Platzierungen zwischen 20 und 40 für Orth, Boch und Wedel in der Einzelwertung schon schöne Ergebnisse. An einem guten Tag wäre zumindest für Olympiastarter Florian Orth vielleicht ein Platz unter den besten Fünfzehn durchaus möglich.

Deutlich anders ist die Situation für Miriam Dattke in der U23. In dieser Klasse hat Deutschland mit gleich vier Läuferinnen auf europäischem Topniveau sogar ein Luxusproblem. In Tilburg kommt es aber nicht zum Tragen, weil Titelverteidigerin Alina Reh und ihre damals schärfste Konkurrentin Konstanze Klosterhalfen in diesem Jahr keinen Cross mehr laufen wollen. So liegt denn die Verantwortung für ein gutes Teamergebnis bei der letztjährigen Sechsten Anna Gehring (ASV Köln), der U20-Bronzemedaillengewinnerin von 2017 Miriam Dattke (LG Telis Finanz Regensburg) und einer Läuferin aus dem restlichen deutschen Trio, bestehend aus Lea Meyer, Svenja Pingpank und Lisa Tertsch. „Miri kann Cross. Sie muss allerdings einen guten Tag wie im letzten Jahr erwischen. Auf Grund ihrer 10.000m Stärke mit einem Niveau unter 33 Minuten kann sie mit breiter Brust ins Rennen gehen“, sagt ihr Coach Kurt Ring zu den Möglichkeiten der erst 20-jährigen Regensburgerin.