Ein langer Anlauf zur akustischen Besonderheit im Trainerjob

Dattke Cross EM10 siegerehrung Poehlitz FotoRegensburg, 10. Dezember 2018 (Ring) – Die Geschichte fängt bereits vor nun schon gut 13 Jahren an, als meine Nachwuchsathletin Susi Lutz bei den U20-Europameisterschaften in Kaunas überraschend Bronze über 3000m Hindernis holt. Ein Podestplatz für die eigene Athletin bei internationalen Meisterschaften – das hat schon was! Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich das Mädel nach der Siegerehrung emotional aufgerührt in den Arm genommen habe. Für einen Trainer ist es schon ein besonderer Moment, wenn sein Schützling international zum ersten Mal auf dem Treppchen steht, die Fahnen der ersten Drei hochgezogen werden und die Hymne für die Siegerin gespielt wird. Da wird dann meist ein ganz heimlicher Wunsch geboren: Einmal die Hymne hören, nämlich die deutsche für eine oder einen deiner Zöglinge.

Vogelwilde Jahre folgten mit einer alles überragenden Coco Harrer, die vier Mal EM-Einzel-Silber und eine Bronzene dazu in allen Altersklassen von der U20 bis zu den Frauen einsammelte, so manches deutsche Nachwuchs-Crossteam auf’s Treppchen führte und eigentlich bis ins Londoner Olympia-Finale über 1.500m vorstieß. Allein Gold war ihr nie vergönnt. Der Traum von der deutschen Hymne für den eigenen Athleten blieb weiterhin lange Jahre nur ein Wunschtraum. Keine der vielen Reisen, die mich bis nach Rio und Peking führten, werde ich je vergessen, auch wenn das akustische Extra stets fehlte.

„Die Hymne muss her, das haben wir uns immer gewünscht“, beliebte meine Frau in solchen Momenten dann stets zu sagen, teils als Motivation, teils als Forderung an ihren Mann, der kein Unvollendeter bleiben sollte. Es ist schon richtig, jemanden zu Olympia zu führen, das packen nicht viele Coaches, aber da war doch noch etwas, natürlich – die Hymne! Dann kam 2015, die Crosslauf-Europameisterschaften im französischen Hyeres bei Toulon standen vor der Tür. Wieder befand sich ein Mädel von mir im deutschen U20 Team. Die Aussichten auf Team-Gold waren für Franzi Reng zusammen mit den deutschen Supertalenten Konstanze Klosterhalfen und Alina Reh bestens. Franzi hat es dann auch als Erste geschafft – Gold und Hymne waren der verdiente Lohn für ein bravouröses Rennen. Die Sache hatte nur einen Haken: Aus irgendeinem Grund, den ich heute nicht mehr weiß, war ich nicht dabei! Also wieder keine Hymne für meine leidgeprüften Ohren.

Dann kam 2017, eigentlich ein Verschnaufjahr nach einem brutal anstrengenden Olympiajahr 2016 und suboptimalen Europameisterschaften in Amsterdam mit gleich sechs Regensburger Läuferinnen und Läufern am Start. Eigentlich war für uns da nichts zu holen, weil Weltmeisterschaften in London anstanden, zudem Telis-Athleten mit WMs schon von je her auf Kriegsfuß standen – wenn es da nicht eine kleine „Läufermaus“ namens Miriam Dattke gegeben hätte. Die stürmte im Verlauf des Sommers an die europäische U20-Spitze über 5.000m. Am Ende war es dann bei der Junioren-EM doch wieder einmal „nur“ der Silberplatz – also erneut futsch die Hymne! Heute darf sich Miri allerdings ungeniert dafür Europameisterin nennen, weil ihre Bezwingerin Yasmin Lau aus Holland vor dem Rennen den „falschen Tee“ getrunken hatte und deshalb nach der Siegerehrung und erfolgter Dopingkontrolle noch am Wettkampftag disqualifiziert wurde. Die Hymne, die wir dort in Grosseto hörten, war natürlich die niederländische. Warum Miri Dattke ihre Goldmedaille nach mehrmaliger Nachfrage immer noch nicht hat, wissen nur die immer allgegenwärtigen Funktionäre. Irgendwie bekommen die das einfach nicht auf die Reihe.

Dann, 2018, nach einer unglaublich komplizierten Anreise zur Cross-EM nach Tilburg via Amsterdam, an einem recht stürmischen Wochenende über ganz Europa und der Ungewissheit, ob ich mit meiner Frau jemals in der holländischen Cross-Hochburg ankommen würde, war es endlich am Sonntag, um ziemlich genau 13.45 Uhr soweit. Praktisch auf der letzten „Socke“ hatte kurz zuvor unsere Miri als Sechste in der Einzelwertung der U23 das überraschende Team-Gold für Deutschland gesichert, sang nun ergriffen die Nationalhymne mit und wir - meine Frau und ich – hatten ein sportliches Lebensziel erreicht: Einmal die Hymne hören ….

Sportliche Randbemerkung zum Highlight: Obwohl die deutschen Männer mit Platz 11 in der Mannschaftswertung für das vermeintlich schlechteste Ergebnis in der deutschen Erfolgsbilanz sorgten, waren wir alle furchtbar stolz auf dieses Resultat, weil das Team mit drei aus unserem zukünftigen Telis-Laufteam 2019 bestückt war. Unter den 90 Mitstreitern im wohl am besten besetzten EM-Wettbewerb erreichten Flo Orth als 21ster, Simon Boch als 41ster und Konstantin Wedel als 60ster das Ziel. Als verkapptes Vereinsteam dann vor so großen Crosslauf-Nationen wie Frankreich und Portugal zu liegen, ist auch nicht ganz ohne …

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Berlin, 31.-31.12.06
Silvesterlauf Berlin
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