Reformen für die LeichtathletikRegensburg, 24. August 2001

Regeländerungen sollen die olympische Kernsportart attraktiver machen

Braucht die Leichtathletik Reformen? Angesichts der oft vor halb leeren Stadien dahindümpelnden Grand-Prix-Meetings und recht erst auf Grund der zäh ablaufenden Veranstaltungen auf unteren Ebenen ist die Antwort im ersten Moment ein deutliches Ja.Neben den Regelvorschlägen des internationalen Leichtathletik Verbandes mit der neuen Fehlstartregelung und der Verkürzung der Versuche in den technischen Wettbewerben, hat sich nun auch der nationale Verband befleißigt, Konstruktives beizutragen. In den längeren Läufen könnte man zum Beispiel den letzten jeder Runde einfach aus dem Rennen nehmen, oder den ersten jeder Runde jeweils mit Geldprämien locken, in den technischen Disziplinen wäre durchaus ein K.O.-System vorstellbar, wobei man hier auch über die Addition aller Versuche den Sieger ermitteln könnte.

So neu ist einiges davon aber gar nicht. Die Schwimmer wenden die vorgeschlagene neue Fehlstartregelung seit Jahren an ohne darin Sensationelles oder Revolutionäres zu sehen. Die Radfahrer kennen die Rundenjagden von ihren Kriterien und beim Skispringen werden von je her die Bestleistungen der beiden Versuche addiert. Es mag schon sein, dass die eine oder andere Regelveränderung kurzfristig neuen Pep bringen würde, des Pudels Kern wird dabei aber nicht getroffen.

Insbesondere der Deutsche Leichtathletik Verband übersieht, dass nicht die Sportart "Leichtathletik" verkrustet ist, sondern vielmehr die Strukturen derjenigen, die sie so recht und schlecht bis zur untersten Ebene machen. Eine Fun-Gesellschaft, die immer mehr den ultimativen Kick durch extravagante Events sucht kann nicht durch brav verwaltete Veranstaltungen mit ehrenamtlich tätigen Kameraden befriedigt werden. Damit tut sich eine Sportart, deren Leistungen stets am Weltrekord gemessen werden, sowieso sehr schwer. Zu glauben, dass sie eine Trendsportart wie einst Windsurfen und jetzt Rollerbladen werden könnte, ist wahrscheinlich ein Irrglaube. Die olympische Sportartart Nummer eins hat immer schon von gut informierten Insidern gelebt, die weniger Probleme mit den Regeln als mit der immer schlechter werdenden Präsentation ihrer Sportart zu kämpfen haben uns so vermehrt den Stadien fern bleiben.

Der Verband ist daher dringend aufzufordern, über ein modernes Veranstaltungsmanagement nicht nur auf Kreisebene, sondern bis hin zu den diversen Deutschen Meisterschaften nachzudenken. Dass sogar ehrenamtliche Amateure eine jener angesprochenen Veranstaltungen managen können, haben die nationalen Crossmeisterschaften 2001 in Regensburg gezeigt. Durch einfache Änderungen in der Präsentation und der Durchführung gelang ein Quantensprung in der Qualität.Spätestens dann, wenn man in Führungskreisen Hoheitsdenken für eine auf Serviceleistung ausgerichtete Kooperation opfert, wird neuer Wind auch ohne Regeländerungen die alte Dame Leichtathletik beflügeln.Sie ist nämlich in der Grundsubstanz auch nicht langweiliger als so manche sechsstündigeTour-Etappe der Radler, die sich im flachen Gelände meist locker auf eine Zielspurtankunft dezimieren ließe, aber eben von ihren Heroes wie Jan Ulrich und co. lebt und in der Präsentation einer altbackenen Leichtathletik-Veranstaltung um Längen voraus ist.gez. Kurt Ring

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