Der DOSB stößt bei seinem neuen Leistungssportkonzept auf Widerstände bei seinen Fachverbänden

Regensburg, 1. Juli 2016 (Ring) – „Der organisierte Sport steht hierzulande vor einer Zerreißprobe“ schreibt Anno Hecker in einem Artikel vom 29. Juni in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und meint damit den heftigen Widerstand einiger Fachverbände gegen das Entwicklungskonzept nach den diesjährigen Olympischen Spielen vom DOSB unter Mitarbeit des Bundesinnenministeriums für den Spitzensport. DOSB-Chef Hörmann stellt deshalb in der FAZ fest: „Insofern müssen wir ... selbstkritisch die Frage beantworten, ob die Zeit für eine strategische Weiterentwicklung überhaupt reif ist bzw. ob der Sport in dieser Konstellation in der Lage ist, die Führungsrolle in der Steuerungsfrage verantwortungsbewusst umzusetzen.“ Hörmann kündigt an, Bundesinnenminister Thomas de Maizière über die „nur noch bedingt stabile Aufstellung im Sport“ zu unterrichten.

„Wer zahlt, schafft auch an“, kann aus der Initiative des BMI mit „General“ de Maizière vereinfacht herausgelesen werden. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Staatssport hatte von je her einen etwas faulen Beigeschmack und jene vermeintlich ökonomisch wirkende Zentralisierung des Spitzensports in wenigen, aber schlagkräftigen Olympiastützpunkten ist nicht immer das Gelbe vom Ei. Wir leben in einer der wunderbarsten freiheitlich demokratischen Grundordnungen dieser Welt und so soll es auch bleiben. Solche Grundordnungen brauchen zu allererst keinen einsamen Basta-Dirigismus von „oben“. Sie organisieren sich auf den entsprechenden Ebenen selbst, in den Vereinen, den Kreisen und Bezirken, den Landesverbänden und letztendlich in den Bundesfachverbänden. Dort sind die Spezialisten für die in der heutigen Zeit nicht immer leichten Fragen des Sports zu suchen, also hauptsächlich bei den Fachleuten aus der Praxis. Wer geht denn schon zum Schuster, wenn er Brötchen kaufen will.

Je höher Funktionäre aber steigen, desto mehr entfremden sie sich anscheinend ihrer eigentlichen Aufgabe  der Förderung und Unterstützung ihrer Schutzbefohlenen an der Basis des Sports. Die Zuwendung zur  Sicherung ihrer immer besser entlohnten Posten nimmt an Bedeutung proportional zur Höhe ihrer Stellung zu. So ist es denn auch nicht verwunderlich, wenn sie sich hauptsächlich ihrem Brötchengeber verantwortlich fühlen, auch dann, wenn es auf Kosten ihrer Aufgabe, dem Schutz, der Förderung und der Pflege ihres Sportsystems geht.

Anstatt mehr Medaillen zu fordern, den Fachverbänden – allein der Zusatz „Fach“ weist sie als Spezialisten aus – ins Handwerk zu pfuschen, sollte sich das BMI mit ihrem nassforschen Anführer de Maizière darauf konzentrieren, in Deutschland Strukturen zu legen, sozusagen ein Fundament für einen zukünftig besseren Leistungssport in dieser Republik. Dazu muss dieser wieder ins Bildungssystem mit eingebaut werden. Passiert in den Schulen nichts, wird auch die Decke der Hochbegabten langsam, aber stetig dünner werden.

Dazu nötig ist eine grundlegende Änderung der Sportpädagogenausbildung mit einer Verlagerung vom Funsport zum ergebnisorientierten Sport, eine Verzahnung des Schulsports mit dem Vereinssport bei gleichzeitiger sozialer Absicherung und Verankerung im Leistungssport derjenigen Sportpädagogen, die erfolgreiche Basisarbeit im Leistungssport zeigen, die flächendeckende Bereitstellung von Sportanlagen, die Leistungssport möglich machen und die Schaffung eines breiten Basis-Wettbewerbssystems, das Anreize zu mehr schafft. Nur dann können die bereits installierten Bereiche, wie die Eliteschulen des Sports oder auch die Olympiazentren, sofern sie denn überhaupt an den Bedürfnissen der Talente ausgerichtet sind, erfolgreiche Arbeit fortführen.

Das alles könnte wahrscheinlich Jahrzehnte dauern, bis durchschlagender Erfolg überhaupt zu sehen ist. Nachhaltigkeit braucht eben einen langen Atem. Das aber gefällt Politikern partout nicht, die am liebsten immer nur von Legislaturperiode zu Legislaturperiode denken wollen. So mag man dem Bundesinnenminister entgegen rufen: „Wer selbst im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“ Der deutsche Sport wartet inzwischen seit Jahren auf die zündenden Ideen der verschiedenen Regierungen, wie sie denn in ihren verworrenen Bildungssystemen die Jugend dieser Republik wieder fit bekommen wollen. Daraus würden sich à la longue leichter mehr Medaillen generieren lassen.