Darmstadt, 24. März 2003 - Bericht - auf den Seiten von leichtathletik.de

Marathons bewegen Hunderttausende

2003-03-24_marathon Darmstadt, 24. März 2003 - Die Marathon-Saison hat begonnen. Wie jedes Jahr werden die Veranstaltungen auch diesmal wieder Millionen von Läufern in ihren Bann ziehen. Die Anzahl der Läufe auf der ganzen Welt ist schon lange nicht mehr zu zählen und auch die Anzahl derjenigen, die sie begeistern, wächst von Jahr zu Jahr. Neben den vielen kleineren Läufen gibt es einige Top-Veranstaltungen mit absoluten Spitzenathleten. Leichtathletik.de hat diese Rennen unter die Lupe genommen.

Bereits im April wartet mit London ein absoluter Knaller auf die Marathon-Fans. Im Vorjahr lief der US-Amerikaner Khalid Khannouchi hier zur Weltbestzeit (2:05:38 h). Und auch die 2:05:48 Stunden des zweitplatzierten Paul Tergat waren exquisit, handelt es sich doch um die drittschnellste jemals gelaufene Zeit. Nur Khannouchi ist zweimal schneller gewesen. 2003 kann der Titelverteidiger indes wegen einer Mandelentzündung nicht dabei sein, doch auch ohne ihn wird es sicherlich kein langsames Rennen werden. Denn neben Paul Tergat kämpfen zwölf Athleten mit einer Bestzeit von unter 2:10 Stunden um den Sieg.

2003-03-24_marathon Männliche Tempomacher für Paula Radcliffe? Auch im Rennen der Frauen ist für Spannung gesorgt. Zwar starten Frauen und Männer nach wie vor getrennt, doch sollen männliche Tempomacher versuchen, die Vorjahressiegerin und Inhaberin der Weltbestzeit, Paula Radcliffe, zu einer neuen Bestmarke zu führen. Dieses Vorhaben ist umstritten. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat bereits angekündigt, eine auf diesem Wege erzielte Weltbestleistung nicht zu akzeptieren.

Ebenfalls am 13. April findet in Rotterdam ein weiterer ganz großer und schneller Marathon statt. Mehr als 10.000 Läufer waren hier 2002 am Start. Bereits seit über 20 Jahren besticht die Veranstaltung vor allem durch ihre Atmosphäre und scheute auf Grund ihres guten Rufes auch nicht die Konkurrenz des am gleichen Tag stattfindenden London Marathons.

Boston eine Sache der Ehre Schon eine Woche später steht mit dem B.A.A. Boston Marathon das nächste absolute Highlight an. Er gilt nach dem Marathon von Olympia als der weltweit älteste, jährlich ausgetragene Marathonlauf und genießt ein hohes Prestige. Erstmals gab es ihn 1897. Hier dabei zu sein, ist für viele Läufer das Ziel. Doch es bleibt einer großen Masse verwährt, da die Teilnehmerzahl auf 20.000 beschränkt ist. Das Rennen dann auch noch zu gewinnen, ist ein Höhepunkt im Leben eines jeden Marathonläufers. Im vergangenen Jahr gelang dies mit Cosmas Ndeti und Margaret Okayo zwei Kenianern.

2003-03-24_marathon Wiederum eine Woche später, am 27. April nämlich, ist dann auch Deutschland Schauplatz einer Marathon-Großveranstaltung. Über 20.000 Menschen werden beim Olympus Hamburg Marathon durch die Straßen der Hansestadt laufen. Bei der Besetzung des Feldes der Top-Läufer berücksichtigen die Ausrichter immer wieder auch die deutschen Asse. So gab Dieter Baumann hier im vergangenen Jahr sein Marathondebüt. Er wird aber 2001 genauso wenig dabei sein können wie Sonja Oberem, die Siegerin der vergangenen beiden Jahre. Dafür ist die EM-Zweite Luminita Zaituc mit von der Partie.

2003-03-24_marathon Berlin ist Deutschlands größter Marathon Der mit Abstand größte deutsche Marathon findet am 28. September bereits zum 30. Mal in Berlin statt. Die Hauptstädter haben eine der schnellsten 42,195-Kilometer-Strecken. Beweis ist die Tatsache, dass hier bereits acht Weltbestleistungen aufgestellt wurden. Besonders beeindruckend war die Rekordmarke von Naoko Takahashi, die 2001 als erste Frau unter 2:20 Stunden blieb. Neben hervorragenden sportlichen Leistungen hat Berlin noch mehr zu bieten, führt die Strecke doch vorbei an geschichtsträchtigen Orten wie der Siegessäule, dem Brandenburger Tor oder dem Potsdamer Platz. Über 60 Musikbands und 1 Millionen Zuschauer sorgen für eine einzigartige Stimmung.

Auf die Stimmung setzen auch die Kölner Veranstalter. Ihr Lauf ist im Jahr 2003 am 5. Oktober an der Reihe. Das Publikum in der Domstadt ist ob seiner Stimmungsmache beliebt. Die karnevalserfahrenen Rheinländer stehen alljährlich zu Hunderttausenden entlang der Strecke.

Chicago ein schnelles Pflaster In Chicago stürmte Paula Radcliffe im vergangenen Jahr zur Weltbestleistung (2:17:18 h). Auch in diesem Jahr (12. Oktober) verspricht der Lauf in der Metropole am Lake Michigan eines der schnellsten Marathonrennen des Jahres zu werden. 2002 konnten die Veranstalter damit glänzen, dass ihr Marathon der schnellste der Geschichte war. Erstmals liefen fünf Männer unter 2:07 Stunden und zwei Frauen blieben unter 2:20 Stunden. Außerdem wurden drei nationale Rekorde aufgestellt.

Gebete an den Wettergott werden derzeit bestimmt schon in Frankfurt geschickt. Stürmische Winde verhinderten 2002 schnelle Zeiten. Der Begriff Windschatten erhielt hier eine völlig neue Bedeutung. Trotz alledem konnte beim ältesten deutschen Stadtmarathon eine Rekordbeteiligung von fast 15.000 Läufern verzeichnet werden. Am 26. Oktober 2003 hoffen die Veranstalter auf eine weitere Steigerung.

New York als krönender Abschluss Einer der letzten großen Marathons wird am 2. November in New York stattfinden. Zwar gilt er nicht als einer der schnellsten Läufe, doch wirbt er auf seiner Homepage mit der Begeisterung, die er jedes Jahr wieder hervorruft. 30.000 Läufer, Tausende Freiwillige und Millionen von Zuschauern vor Ort und daheim am Bildschirm sind die beeindruckenden Zahlen aus dem Vorjahr. New York besticht zudem durch seine Strecke, die von Staten Island durch Brooklyn, Queens und die Bronx zum Central Park in Manhatten führt. Und wer hat nicht noch die bewegenden Bilder von vor zwei Jahren im Gedächtnis, als das Rennen nur zwei Monate nach dem Anschlag vom 11. September stattfand. Auch dieses Jahr wird New York wieder eine Reise wert sein, sei es als Läufer oder als Zuschauer.

Anja Herrlitz

Fotos: Khalid Khannouchi (Foto: Chai), Paula Radcliff (Foto: Chai) und Luminita Zaituc (Foto: Kiefner)