Deutsche StraßenlaufmeisterschaftenBurghaslach, 22. März 2003 - Kommentar

Regensburg, 24. März 2003 (orv) - Im traditionellen Sinn haben die Veranstalter der Deutschen Halbmarathonmeisterschaften sicher alles richtig gemacht. Die rührigen Ausrichter des TSV Burghaslach gaben sich in der fränkischen Provinz alle erdenkliche Mühe, den Vorstellungen der Verbandsoberen voll und ganz gerecht zu werden. Das obligatorische Bierzelt war da, die Auswertung ging flott vonstatten und auch die Siegerehrungen hatten ihren gebührlichen Rahmen, wenn auch deren Präsentation nicht mehr ganz der heutigen Zeit entsprach. Sogar ein ehemaliger Bundestrainer gab sich als Sprecher die Ehre und vermittelte den wenigen anwesenden Zuschauern Fachliches. In epischer Breite von nahezu acht Stunden wurde dann auch dem Läuferfest ausführlichst gehuldigt. Also alles paletti und auf ein Neues 2004! - Mitnichten, wenn man die Titelkämpfe einmal von der zukunftsträchtigen Seite betrachtet, zieht da so manches Gewitterwölkchen auf, dass sich sehr schnell zum deftigen Regenguss entwickeln könnte. Kritik an einer langsamen Strecke, weil windanfällig, hügelig und menschenleer, war überdeutlich zu hören. Das Argument, es gehe doch nur um die Titel und Medaillen kann vielleicht beim Skilanglauf oder Radfahren gelten, beim Langstreckenlauf ist es fehl am Platz, weil Läufer/in peinlichst genau an der/den gelaufenen Zeit(en) taxiert wird. Das ist nun mal so und darum ist eine schnelle Strecke schon von Bedeutung, zumal Felder, wie jene bei den nationalen Titelkämpfen eben nur selten zusammenkommen und die Halbmarathondistanz auch nicht dreimal im Monat gelaufen werden kann. Zum anderen hat man in Burghaslach keine einzige Fersehkamera gesichtet und die schreibenden Presseleute waren an einer Hand abzuzählen, wobei die überregionalen sowieso schon lange bei solchen Events fehlen. Deutsche Straßenlaufmeisterschaften haben in den Sportredaktionen der größeren Blätter überhaupt keine Lobby mehr. Bedauerlich, angesichts der Tatsache, dass gerade der Block Lauf durch seine überschwappende Joggingszene eigentlich ein Millionenpotential hinter sich haben müsste. Modern geführte ehemalige Randsportarten suchen inzwischen erfolgreich den Weg zu den Menschen, siehe Biathlon-Challenge in der Arena auf Schalke. Der DLV macht genau das Gegenteil. Er geht mit seinen Events lieber in die menschenleere Beschaulichkeit auf dem breiten Lande. Natürlich war in Burghaslach das Klagen der Funktionäre zu hören. Keine Ausrichter würden sich mehr finden für so etwas und überhaupt die heutige Zeit, es wird eben alles viel, viel schwieriger. Eigentlich recht verwunderlich angesichts der Tatsache, dass allerorten ein Lauf nach dem anderen aus dem Boden spriest und allein die üppigen Startgebühren Einnahmen an diesem sonnigen Samstag im Fränkischen etwa 25.000 Euro Einnahmen vorab garantierten. Natürlich kostet eine zukunftsträchtige Ausrichtung einer solchen Veranstaltung Geld, sogar viel Geld. Trotzdem muss zunächst investiert werden, auch vom Verband. Irgendwo wäre da ein wenig mehr Veranstaltungsmanagement gefragt. Wenn der zuständige Bundestrainer Wolfgang Heinig die Mängel der Strecke erst unmittelbar vor dem ersten Startschuss bemerkt, ist sicherlich einiges im Vorfeld schief gelaufen. Es müsste doch mit dem Teufel zu gehen, wenn man nicht Strecken mit einer DM-würdigen Infrastruktur finden sollte. Natürlich muss man rechtzeitig mit der gezielten Suche beginnen und auch einmal auf erfahrene und erfolgreiche Ausrichter zugehen, um gemeinsam mit ihnen wieder richtige Läuferfeste zu zelebrieren.