Deutsche Mehrkampfmeisterschaften Berlin, 30. August bis 1. September 2002 - Vorschau

Domspitzmilch-Mehrkämpfer auf Medaillenjagd bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Berlin

2002-08-30_dm-mk_vorschau Regensburg, 26. August 2002 (orv) - Vielleicht wäre Domspitzmilch-Ass Florian Schönbeck bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Berlin gar nicht mehr dabei gewesen, wenn ihn der DLV für die Europameisterschaften nominiert hätte. Weil er aber um diese einmalige Chance gebracht wurde, wird der Regensburger alles dran setzen, bei den nationalen Titelkämpfen im Zehnkampf möglichst weit vorne zu landen, wenn möglich sogar ganz oben. In der Nennliste ist er der einzige 8000-Punkte-Zehnkämpfer, der diese Schallmauer in diesem Jahr, eben exakt zum Zeitpunkt der WM-Qualifikation Mitte Juni in Ratingen, mit 8023 Zählern überwunden hat. Seine ärgsten Gegner Stefan Schmid (LG Karlstadt - 8307), Stefan Drews (MobilCom Zehnkampf Welle - 8049) und André Niklaus (LG Nike Berlin - 8042) gehören zwar auch zu diesem erlesenen Club, sammelten jedoch jene außergewöhnlichen Punktzahlen bereits im Vorjahr. Mit Peter Hargasser (LG Domspitzmilch) wird ein weiterer Regensburger im Vorderfeld erwartet Immerhin ist er der Bronzemedaillengewinner des letzten Jahres. Zusammen mit den beiden Junioren Andreas Udvari und Andreas Lindenmeier (beide LG Domspitzmilch/ProAthletics Markt Schwaben) und Wolfgang Hübl gehört die LG Domspitzmilch auch in der Mannschaftswertung zum Favoritenkreis. Es ist viel gesprochen und geschrieben worden über den EM-Härtefall Florian Schönbeck. Die Folgen der Nichtnominierung waren auch nicht ganz ohne. Immerhin hat BLV-Jugendwart und Athleten-Vater Manfred Schönbeck auf Grund der Vorfälle sein Amt zur Verfügung gestellt, weil er den "athletenfeindlichen" Verbänden einfach nicht mehr zuarbeiten mag. Auch für Trainer Wolfgang Frenzl spielte die menschliche Enttäuschung eine große Rolle, um in Berlin ein letztes Mal zu coachen. "Sechzehn Jahre Sportplatz am Wochenende sind genug, immer nur für andere da zu sein, um dann doch keine Lobby zu haben, macht einfach müde", begründete er seinen überraschenden Rücktritt. In Berlin aber werden sie noch einmal alle am Kunststoffoval stehen, der Vater, der schon Tage vorher mit dem Wohnmobil anreist und auch der Erfolgstrainer. Beide, und nicht nur sie, wünschen sich nur eines: Florian Schönbeck auf dem Treppchen zu sehen, möglichst ganz oben, möglichst über seiner Bestleistung von 8128 Punkten, mit denen er vor zwei Jahren Deutscher Meister geworden ist. Aufwiegen kann es den emotionalen Verlust für Athlet und Umfeld nicht. Zehnmal hätten zig-Tausende im Olympiastadion frenetisch gebrüllt, wenn der Bayer an der Reihe gewesen wäre, und erst recht dann, wenn er als stärkster anzunehmender 1500 m-Läufer dann auch als Erster im Ziel gewesen wäre. Wenn's denn wirklich eine höhere Gerechtigkeit gibt, müssten Glück und Können einfach am Wochenende auf Seiten des Domspitzmilch-Recken stehen. Genugtuung würde es am Ende dann doch wenigstens sein. Für Teamkollege Peter Hargasser heißt es, seine diesjährigen Fortschritte in punkto Mehrkampf auch beim Saisonhöhepunkt umzusetzen. Coach Wolfgang Frenzl traut ihm, wenn alles gut läuft, annähernd 7800 Punkte zu, 7629 hat der Regensburger bisher auf dem Konto stehen. In der Mannschaftswertung müssen die Domspitzmilch-Mannen auf 7000-Punkte-Athlet Ulf Böhrnsen verzichten, weil sich dieser beim Stabhochsprungtraining einen dummen Haarriss im Fersenbein zugezogen hat. Wolfgang Hübl, ansonsten etatmäßiger dritter Mann, kann heuer auch nicht das bieten, was er sonst drauf hatte. Das BWL-Examen forderte andere Prioritäten. So wird er im Bereich der 6800 Zähler mit den beiden Junioren Andreas Udvari und Andreas Lindenmeier um den restlichen Mannschaftsplatz kämpfen. Gelingt dieses Punktmaß wirklich in etwa allen dreien, wird das Team, gleich in welcher Besetzung, ganz sicher um die Medaillen mitkämpfen, vielleicht sogar um Gold. Die Chancen der beiden Youngster in der Nachwuchs-Einzelwertung sollten sich dann von Platz fünf bis acht bewegen.