Bayerische Hallenmeisterschaften - Männer/Frauen und Jugend BFürth, 19./20. Januar 2002 - Nachbetrachtung

Kleine Analyse zu den Bayerischen Hallenmeisterschaften 2002

Hemau, 23.1.2002 (orv) - Theo Kiefner, freier Mitarbeiter für die Fachzeitschrift "Leichtathletik" und den Bayernsport bezeichnete bei "leichtathletik.de" die diesjährigen Bayerischen Hallenmeisterschaften als eine der schwächsten, die je stattgefunden haben. Tatsächlich muss ernüchternd festgestellt werden, dass zwei Drittel der Siegerleistungen unter denen des Vorjahres lagen und 2001 auch nicht unbedingt das weißblaue Glanzjahr unterm Hallendach war. Ist diese für die bayerische Leichtathletik doch recht ernüchternde Aussage gerechtfertigt, wo liegen die Gründe dafür?

Fehlende Topathleten

Bayern hat derzeit wenige Topathleten/Innen, die den Anspruch der internationalen Klasse für sich verbuchen könnten Von den Ertl's, Schmid's und co. war lediglich der Regensburger Florian Schönbeck am Start. Der ist aber Mehrkämpfer und suchte in der Fürther Trainingshalle keineswegs sein Winterhighlight. Freilich ist er ein gutes Beispiel für die derzeit recht "ungünstige" Athletenstruktur Bayerns in Hinblick auf eine starke Hallenleichtathletik. Die, die hierzulande antreten, internationale Meriten einzuholen, tun dies in Disziplinen, die für indoor-events eher ungeeignet sind. Solche, die durchaus hochwertig zuschlagen könnten, wie der Fürther Jan Schindzielorz, zogen Trainingslager im warmen Süden dem ersten Leistungsvergleich vor.

Die tragende Mittelklasse fehlt

So weit, so gut, Bayern ist aber nicht Bremen oder das Saarland, das südlichste Bundesland ist immerhin der zweitgrößte Verband im DLV und sollte hinter seiner Spitze doch zumindest klasse Masse anbieten können. Betrachtet man die rund zwei hundert Endkampfteilnehmer/Innen der diesjährigen Landeshallenmeisterschaften, erfüllen in etwa nur ein Zehntel die Normen für die Mitte Februar im Sindelfinger Glaspalast stattfindenden Deutschen Meisterschaften. Von diesen haben wiederum fast keine echte Chancen auf Edelmetall. Von den fehlenden Hallenkapazitäten wird in Bayern viel gesprochen. Als Begründung kann dies aber nur am Rande gelten, weil oben betrachtete Athleten/Innen nationale Qualität im letzten Jahr auch im Freien nicht geschafft haben und dies wohl heuer wieder nicht tun werden. Im Klartext heißt dies, dass der Löwenanteil bayerischer Endkampfteilnehmer eben nicht einmal dem nationalen Normalmaß entspricht.

Hoffnungsschimmer Nachwuchs

Von den 26 Einzelmeister/Innen sind bereits acht dreißig Jahre oder älter, weitere drei nähern sich der nationalen Altersklasse, sieben gehören der eigentlichen Aktivenklasse an, drei sind Junioren, aber immerhin fünf sind 1984 geboren, also vom ersten A-Jugendjahrgang. Das ist auf jeden Fall mehr als erfreulich. Mit dem 400 m-Meister Stephan Wittl, der Sprint-Doppelmeisterin Annika Hohneiser und der Stabhochsprungsiegerin Simone Langhirt haben drei davon sogar schon über eine U18-WM-Teilnahme internationale Erfahrungen gesammelt. Deren Siegerleistungen lagen bis auf die 1,72 von Hochsprungsiegerin Kerstin Falk, bereits im Bereich der nationalen DM-Norm oder sogar deutlich drüber.

Die Aussichten

Gelänge es, das Nachwuchspotential auch in den nächsten Jahren zielorientiert weiterzuführen, die Richtung bei den meisten vielleicht nicht am internationalem Einsatz als vielmehr am nationalen Endkampfplatz Anfang der zweiten Lebensdekade festzunageln, müsste einem um die Zukunft der bayerischen Leichtathletik im Allgemeinen und jener unterm Dach im Speziellen überhaupt nicht bange sein. Unterstrichen wird diese Tatsache, dass sich bei den gleichzeitig stattfindenden Nachwuchsmeisterschaften der B-Jugend im Jahrgang 85 mit René Bauschinger, Joachim Welz, Andrea Cordella, Regina Schnurrenberger und Verena Sailer weitere Hochkaräter tummelten, die schon im nächsten Jahr drei Klassen höher zuschlagen könnten. Die Euphoriebremse kann aber gleich mitgeliefert werden. Solche Talente hatte Bayern in schöner Regelmäßigkeit schon mehr als zehn Jahre lang, wobei nur wenige auch nur annähernd die hochgesteckten Ziele erreichten. Der eigene Nachwuchs ist indessen derzeit die einzige Möglichkeit das Leistungsniveau im Aktivenbereich auf die Dauer nach oben zu treiben. Die andere Option, Talente aus den anderen Landesverbänden im Hochleistungsalter in den Freistaat zu locken, wird nach den Fürther Umstrukturierungsmassnahmen nicht mehr in dem Maße funktionieren, wie sie das im letzten Jahrzehnt erfolgreich tat. Da ist die Gefahr eines "Ausverkaufs" bayerischer Himmelsstürmer ganz plötzlich weit größer geworden.