Bayerische Straßenlaufmeisterschaften 2002 über 10 kmEbershausen, 14. April 2002 - Nachbetrachtung

Kritische Betrachtung der Bayerischen Straßenlaufmeisterschaften aus der Sicht eines Beteiligten

Ebershausen, 14. April 2002, Bayerische Straßenlaufmeisterschaften 2002 über 10 km. Nach zweieinhalbstündiger Fahrt Eintreffen auf holprigem Feldweg, rechts eine Herde Angus-Rinder, dahinter das Festzelt. Wo gibt's die Startunterlagen, wo ist der Start, wo kann man sich umziehen? - zwei Fußballerkabinen für über zwei hundert Läufer/Innen - eigentlich wie immer, man weiß, man ist richtig. Eine Stunde später, so um Elf herum Start der Männer- und Seniorenklasse, am Ende werden 163 das Ziel erreichen, der letzte, fast achtzigjährig, gerade noch rechtzeitig, um die 63 Frauen genau zur Mittagszeit auf die Reise zu schicken. Jedes Mal Geschiebe am gerade einmal straßenbreiten Start. Irgendwann gelingt der dann doch. Nach wenigen Sekunden sind die Läufer weg. Einmal huschen sie noch nach fünf Kilometer vorbei, dazu einige nichtssagende Kommentare des schlecht informierten Sprechers, die eh keiner versteht, weil die Beschallung hinten und vorne nicht ausreicht. Zweimal für wenige Sekunden Spannung, die Sieger/Innen kommen. Und bayerische Sieger/Innen sind nicht die schlechtesten, gehören hier an diesem Tag zumindest im Vorderfeld zur nationalen Spitze mit Bestzeiten weit unter dreißig Minuten bei den Männern. Heute handeln sie eher nach der Devise "der Sieger hat immer recht" und bleiben fast geschlossen meist über eine Minute über ihren Bestmarken. Ebershausen ist eben nicht Düsseldorf, Würzburg oder Berlin. Nach der Einsamkeit des schwäbischen Provinzstraßennetzes weder Stimmung noch Siegerinterviews. Der Kampf der über zwei hundert verschwitzten Leiber beiderlei Geschlechts um die acht Duschköpfe, zwei davon eiskalt, sechs siedend heiß, beginnt. Wer hier falsche Scham zeigt, hat von vornherein verloren. Die Einnahme der Frauen-Duschen durch das männliche Geschlecht kann auch durch besondere Raffinesse nicht verhindert werden. An Siegerehrungen, eine Stunde nach dem jeweiligen Lauf, glaubt bei solchen Anlässen so wie so keiner mehr. Ebershausen hält sich daran. Besonders Aufmerksame bemerken fünf Minuten vor dem Männerstart die hektische Suche der Offiziellen nach einem Einlaufgericht. Zwei Individuen, des Lesens und Schreibens einigermaßen mächtig, wären notwendig gewesen für die richtige Reihenfolge der Ankommenden. Knapp zweihundertdreißig Nummern in zwei Läufen, gut gestückelt für's Aufschreiben, ein Klacks für jeden Dorflaufveranstalter. Die zwei hatte man aber vorher nach Hause geschickt. Das unvermeidliche nimmt nun wieder seinen Lauf. Die Lautsprecheranlage im Bierzelt wartet drei Stunden auf ihre Benützung. Es muss ja nicht gleich eine Siegerehrung sein. Ein Lokalreporter der Süddeutschen Zeitung, einer der wenigen verbliebenen Presseleute, die noch von Läufen wie in Ebershausen berichten, hat Angst seine 80 Zeilen nicht füllen zu können. Dann plötzlich Unruhe vor dem Zelt. Aushang der Männerliste mit dem offiziellen Hinweis "man möge doch bitte so nett sein, gleich Protest einzulegen, damit man die Liste bereinigen könne". Doch noch etwas Neues heuer. Inzwischen hat das Gros der Wettkämpfer ohne Urkunden, Medaillen und Ergebnisprokoll Ebershausen in Richtung Heimat verlassen. Wenigsten dem örtlichen Veranstaltungsleiter ist dies peinlich: "Alles sch.... gelaufen!" Keiner nimmt mehr Notiz davon. Man ist froh, wieder einmal bayerische Meisterschaften im Straßenlauf hinter sich gebracht zu haben. Auf der Suche nach den Ergebnissen im Internet findet man auch den ersten Eintrag im Forum des BLV, genau um 19:43 Uhr gepostet. Der endet mit dem Satz: "Liebe Veranstalter - sorry, aber euer Lauf war Sch...." Herwig Leiter, BLV Breitensportwart, in dessen Ressort diese Meisterschaften fallen, bemüht sich tags darauf im Gästebuch um Schadensbegrenzung. Schnell ist mit Allgäu-timing der Schuldige ausgemacht. Eigentlich hätte dies alles schon im Vorfeld seinem Team mit Laufwart Lippert an der Spitze auffallen müssen, auch das mit den zwei Fußballkabinen. Schwamm drüber - jeder kann einmal Fehler machen, im Falle von offiziellen Meisterschaften der BLV-AG Breitensport sogar immer wieder. Die Dummen sind dabei die örtlichen Ausrichter, die meist Herzblut geben und fast nie wissen, auf was sie sich einlassen.

Randnotiz: Entgegen der Regelungen des DLV werden im bayerischen Landesverband die Meisterschaften außerhalb des Stadions nicht vom Wettkampfwesen, sondern von der AG Breitensport unter Führung ihres Laufwarts organisiert und durchgeführt. Dies gilt ab nächstem Jahr allerdings nicht mehr für die Landescrossmeisterschaften.