Deutsche Meisterschaften über 10.000 mDessau, 11. Mai 2002 - Hintergrundbericht

Der Domspitzmilch-Langstreckler handelt sich zum zweiten Mal schuldlos eine Disqualifikation ein

2002-05-24_pyka_disqu Regensburg, 24. Mai 2002 (orv) - Eigentlich ist Dennis Pyka ein netter Kerl. Als der in München in der Reisebranche tätige Feierabend-Langstreckler im letzten Jahr zur LG Domspitzmilch kam, wusste er noch nicht, dass er bald darauf zu einem der Geächteten der Leichtathletik-Verbände werden würde. Dabei will der gebürtige Aachener in seiner knapp bemessenen Freizeit nur laufen, und das möglichst stressfrei. Trotzdem hat's den Neu-Regensburger nun beinahe mit einer zweiten Disqualifikation erwischt. Nachdem er 2001 im Vorfeld der Regensburger Crossmeisterschaften sogar fünf Tage lang vom europäischen Verband (EAA) gesperrt worden war, handelte er sich diesmal im Anschluss an seinen sechsten Platz bei den Deutschen Meisterschaften über 10.000 m auf der Bahn eine unverschuldete Disqualifikation ein, die aber bereits wieder zurückgenommen wurde. Irgendwie ist der sympathische Rheinländer anscheinend immer dann zur Stelle, wenn es Knatsch mit Funktionären gibt, obwohl er das im Grunde gar nicht will. So auch bei den Dortmunder Hallenmeisterschaften im Februar 2001, als er sowieso schon viel zu spät in die Halle kam und nicht mitbekam, dass im Dunstkreis des Falles Baumann Böses im Schwange war. Die vom Verband etwas ungeschickt ausgelegten Handzettel über drohende Sperren bei einem Start mit Dieter Baumann hatte der Langstreckler übersehen. Seine Freude über den unerwarteten achten Platz wechselte am nächsten Tag in bloßes Unverständnis. Er, der Feierabend-Profi, hatte sich eine Sperre eingehandelt. Gott sei Dank hatte sich das Ganze dann doch noch zu Guten gedreht. Drei Stunden vor seinem ersten Auftritt in Regensburg anlässlich der Deutschen Crossmeisterschaften wurde die Sperre von der EAA wieder ausgesetzt. Er konnte starten. 2002 fehlte dem wackeren Sportsmann im Frühjahr noch die Norm für die Deutschen Meisterschaften im Stadion und zwar über die 5000 m. Jene über die doppelt so lange Distanz hatte er bereits, weil seine 29:34 vom letzten Jahr auf Grund des vorgezogenen Meisterschaftstermin über die 10.000 m eben auch in der neuen Saison reichten. Für die bei den richtigen Meisterschaften stattfindenden 5000 m hatte er zwar die Richtzeit von 14:15 im alten Jahr unterboten, den dazu nötigen fünfzehnten Platz in der deutschen Bestenliste aber um zwei Sekunden und zwei Plätze verfehlt. Als einer, der schrecklich gerne beim Fest der Leichtathleten dabei ist, sah er Schwieriges auf sich zukommen. Da war der 11. Mai mit der 10er-DM - da war aber auch Koblenz, die einzige reelle Möglichkeit, die Norm zu laufen, schon 12 Tage später. Ein fast unmögliches Unternehmen für die Beine eines "Fast-Freizeitsportlers". Also beantragte der Athlet via seines Vereins bei DLV-Cheftrainer Dr. Schubert brav eine Sondergenehmigung. Schließlich wollte er ehrlich sein und bei Angabe des Normwertes nicht betrügen. Man ist letztendlich doch immer fairer Sportsmann. Die Sondergenehmigung wurde abgeleht, so was stünde eben nur Kaderathleten im nationalen Interesse zu. So weit so gut. Also lief der brave Sportsmann Dennis, ordentlich und richtig gemeldet, bei den Deutschen Meisterschaften über 10.000 m im Dessauer Stadion auch brav seine 25 Runden und wurde mit Platz sechs belohnt. Die Woche drauf erfuhr DLV-Wettkampfwart Volker Wollschläger zwischen Tür und Angel von der abgelehnten Sondergenehmigung über 5000 m. Dieser, ein Funkionär der in Stresssituationen schon gern mal etwas durcheinander bringt, fackelte nicht lange, setzte sich an den Schreibtisch und disqualifizierte den armen Domspitzmilch-Läufer völlig ungerechtfertigt nachträglich für die 10.000 m, ohne Nachforschungen bei Verein oder Landesverband, aber auch ohne den müßigen Griff zur deutschen Bestenliste. Peinlich wurde das Ganze dann erst noch, als Dennis Pyka besagten Herrn auf Folgendes aufmerksam machen musste. Nicht er, der Läufer im Regensburger Trikot hatte gefehlt, sondern einige andere, die bei Normangabe geschummelt hatten, nicht einmal raffiniert aber eben doch, unter ihnen auch Vizemeister Oliver Dietz. Natürlich will der Domspitzmilch-Läufer jetzt keine Disqualifikation des Zweiten, der sich diesen Erfolg mit einer Bombenzeit von 28:46 redlich verdient hat. Der DLV, der sich im übrigen bei Dennis Pyka und der LG Domspitzmilch sofort entschuldigte und die Disqualifikation zurücknahm, hat aber nun durchaus ein Problem am Hals, wenn er seine realitätsfremden, athletenunfreundlichen Beschlüsse ordnungsgemäß ausgeführt haben will. Da hilft eigentlich gar nichts - entweder den Schummlern in Zukunft einen Freibrief ausstellen oder eben seinen Vizemeister nachträglich zu disqualifizieren. Eigentlich ist beides unmöglich.