EuropameisterschaftenMünchen, 6.-11. August 2002 - Nominierungdiskussion

Ansichten eines subjektiv stark enttäuschten Athletenvaters

Die beiden Tage des Zehnkampfes waren mit Sicherheit das herausragende Ereignis bei der EM in München. Jeder, der dabei war, wird mir darin Recht geben. Das phantastische Münchner Publikum hat eine Welle der Begeisterung entfacht. Von sehr vielen Leuten wurde ich gefragt, warum mein Sohn Florian nicht dabei ist, wenn doch nur zwei deutsche Athleten am Start sind. Dazu einige Erklärungen: Fakt ist, dass Florian nicht die geforderte Norm von 8180 Punkte erreicht hat. Fakt ist, dass diese Norm für die Olympischen Spiele in Sydney sowie für die WM in Edmonton gleich hoch angesetzt wurde wie für die EM im eigenen Land. Diese Norm haben in ganz Europa lediglich fünf Athleten erreicht: die beiden Tschechen Sebrle und Dvorak, der Este Erki Nool, der Russe Lew Lobodin und der Isländer Magnusson. Bei der wichtigsten Qualifikation in Ratingen belegten drei Deutsche mit über 8000 Punkten die Plätze 6-8. Sebastian Knabe hat dort mit 8099 Pkt. die "Perspektivnorm" für Athleten unter 25 Jahren überboten und sich somit für München qualifiziert. Mike Maczey und Florian Schönbeck waren gezwungen 14 Tage später wieder einen Zehnkampf zu absolvieren. Diesmal beim Europacup in Byszgocz (POL). Mike Maczey belegte dort den 1. Platz, der spätere EM-Fünfte Ojaniemi(FIN) knapp vor Stefan Schmid und dieser wieder 3 Punkte vor Florian Schönbeck. Der EM-Siebte und EM-Achte, Laurent Hernu(FRA) und Aleksandr Pogorelov(RUS) wurden dabei deutlich geschlagen. An die Erfüllung der Norm war wegen der miserablen Bedingungen nicht zu denken. So hatte Florian beim 100m-Lauf 3,8m/sec Gegenwind, es regnete bei 12-13 Grad C. Mike Maczey wurde als Sieger nachnominiert. Nach den Meldungen der anderen Nationen stellte sich heraus, dass Florian der einzige 8000-Punkte Zehnkämpfer in Europa ist, der für die EM nicht nominiert wurde. Er ist der einziger Deutsche in der Europäischen Bestenliste unter den ersten 20 (Platz 13), der nicht bei der EM dabei ist (falls die drei möglichen Startplätze nicht schon vergeben waren, wie z.B. im Stabhochsprung Frauen). Und das im eigenen Land, in der Heimatstadt. Das ist nicht nur traurig, das ist empörend! Florian wurde um die einmalige Chance in seinem Sportlerleben gebracht, sich vor heimischen Publikum präsentieren zu können und das Münchner Publikum wurde um einen Lokalmatador gebracht. Es muss gefragt werden, ob die Verantwortlichen bei der Nominierung, Herr Dr. Schubert und Herr Nickel ihre Qualifikation nachweisen konnten. Herr Nickel hat, wie in der Presse zu lesen war, geäußert, dass an dem Nominierungsverfahren nichts geändert wird. Solch ein Fall wie bei Florian kann sich also immer wieder wiederholen. Es gibt also keine bessere Perspektive und somit meine ich, hat Herr Nickel auch die Perspektivnorm nicht erfüllt. Traurig ..... aber es wird sich beim DLV nichts ändern. Dass der Zehnkampf beim DLV keine Lobby hat, ist bekannt. Umsomehr muss ich aber auch der Vorstandschaft des Zehnkampfteams den Vorwurf machen, sich im Vorfeld der Nominierung, spätestens nach Ratingen, nicht dafür eingesetzt zu haben, dass drei Athleten in München dabei sind. Dass Bayern im DLV keine Lobby hat ist ebenfalls bekannt. Die Hoffnung, dass sich dieses nach dem Verbandstag in Wunsiedel letzte Jahr ändert, hat getrogen.

Manfred Schönbeck, BLV Jugendwart