LEICHTATHLETIK, 4. September 2001 G 4492 Nr. 36

Versandhaus kürzt finanzielle Mittel / Verein und "Live" - Meeting vor dem Aus? Sommerschlussverkauf bei Quelle

Ich bin nach wie vor sprachlos", sagte Ludwig Franz am gestrigen Montag. Die missliche Finanzsituation um das LAG Quelle Fürth/München und das Meeting "LIVE, die am 25. August in einem mit "Totenglöcklein für die Leichtathletik" überschriebenen Artikel in den Nürnberger Nachrichten publik wurde, kann einem wahrlich die Sprache verschlagen. Anfang August wurde den Verantwortlichen von Seiten des Quelle-Vorstandes eröffnet, dass die jährlichen finanziellen Zuwendungen für Verein und Meeting schrittweise bis zum Jahr 2003 auf 500.000 Mark reduziert werden. Im vergangenen Jahr war noch drei Mal so viel Geld geflossen. Allein die Unterhaltskosten für die Trainingshalle am Finkenschlag belaufen sich auf rund 200.000 Mark pro Jahr. Damit bleibt nicht mehr viel übrig für einen kostspieligen Hochleistungsbetrieb

Der Hintergrund der Mittelkürzungen liegt auf der Hand und steht auch in einem Schreiben an die Athleten: "Das Ziel dieser Einsparungen ist es, dies ist die klare Vorgabe des Quelle-Vorstandes, Arbeitsplätze bei Quelle zu sichern." Die Geld Quelle versiegt und damit dürften in Fürth in Sachen Top Leichtathletik langsam aber sicher die Lichter ausgehen

Die meisten der rund 750 Mitglieder des traditionsreichen und erfolgreichen Leichtathletik-Vereins wurden in einem Schreiben des Vereins vom 21. August über die einschneidenden und für manche existenzbedrohenden Maßnahmen informiert. "Ziel des künftigen Sportsponsorings von Quelle", heißt es darin, "wird es sein, verstärkt die Jugendarbeit und den Breitensport zu fördern und zu unterstützen." Damit beerdigt das in der Vergangenheit äußerst spendable Mutterhaus die Profi-Leichtathletik beim LAG Quelle Fürth/München. An ein weiteres hochklassiges "LIVE"-Meeting ist gar überhaupt nicht zu denken, da sich im Zuge des Quelle-Rückzuges ("Die Mittel für LIVE werden ganz gestrichen", heißt es in dem Schreiben) mit der Deutschen Post AG ein weiterer Hauptsponsor abmeldete. "Es geht in erster Linie um den Verein", sagt Ludwig Franz, derseit 30 Jahren Mitglied im Club ist und sich als ehemaliger Athlet, Trainer und Cheftrainer bis zum hauptamtlichen Geschäftsführer der LA-OIA Sportvermarktungs GMbH, die zum 31. Dezember2001 aufgelöst werden soll, hochgearbeitet hat. Franz betreibt dieser Tage eine Art Krisenmanagement und versucht noch zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten ist. Der 48-Jährige klammert sich noch an "ein, zwei Gespräche mit potenziellen Sponsoren" und hat Verständnis für die Top-Athleten im LAG, die sich bereits nach neuen Vereinen umhören und umsehen. So liebäugelt beispielsweise Tim Lobinger mit einerRückkehr zum ASV Köln "Wenn ich zum ASV zurückkehren könnte, käme ich wieder nach Hause", meinte derStabhochspringeretwas pathetisch. Und in Gesprächen erfährt man, dass beispielsweise einige Läufer bereits dem TV Wattenscheid angeboten worden sind. Während einerseits alles den Bach runter geht, ist andererseits vieles im Fluss - Sommerschlussverkauf bei Quelle. Am 18. September findet eine außerordentliche Jahreshauptversammlung statt Es bleibt zu hoffen, dass dasnicht der Beerdigungsterminist.. Joél Kruse