Aktuelles zur VeranstaltungssituationRegensburg, 8. September 2001

Viel zu viele events blockieren den Terminkalender

Waren das noch Zeiten, als anno 1958 ein Ludwig Müller beim Länderkampf Deutschland gegen die damalige Sowjetunion ein prall gefülltes Augsburger Rosenau-Stadion zu Begeisterungsstürmen hinriss. Nun, es sind inzwischen über vierzig Jahre vergangen und der Länderkampf alten Musters ist zumindest auf höherer Ebene verschwunden. Als Vergleichskampf tituliert hat er sich aber vor allem im Nachwuchbereich tapfer gehalten und wird auch auf den verschiedenen Ebenen als Schülervergleichskampf der Bezirke, Juniorenvergleichskampf der süddeutschen Landesverbände, den Arge-Alp-Treffen, dem Crossvergleichskampf und dem erst kürzlich installierten Jugend- und Juniorenländerkampf in Bayern vortrefflich gepflegt. In Zeiten der ausufernden Meetingstruktur verbunden mit erheblichen Terminplanproblemen muss die Frage gestellt werden: Macht der Vergleichskampf noch Sinn?

Die kürzlich gefasste Absicht des Landesverbandes, den Terminplan zu entrümpeln, wurde im Freistaat freudig aufgenommen. Dem "freien Markt" der Meetingveranstalter hat man den Dämpfer aber gleich wieder mitgeliefert. Zwei Termine wurden sofort mit der Jugend Gala und dem Österreich-Länderkampf zugepflastert. Die Gala, im Ansatz wohl richtig, weil sie eine Startmöglichkeit für alle darstellt, wird sich hoffentlich gut entwickeln, der Länderkampf jedoch blockt in weit höherem Maße als die in früheren Jahren ausgelagerten Teilmeisterschaften einen attraktiven Termin durch seinen privilegierten Einladungscharakter. Terminnöte haben bereits den Crossvergleichskampf archiviert, der der süddeutschen Junioren sucht jetzt einen neuen Anlauf unmittelbar nach den Sommerferien, wo schon ein bayerischer Bezirksvergleich der Schüler trainingsmethodisch unmöglich platziert ist.

Der starre Charakter, mit jeweils einem oder zwei Teilnehmern den gesamten Disziplinkatalog besetzen zu müssen bringt jene, die die Mannschaften aufstellen müssen, jedes Mal gewaltig ins Schwitzen, wenn man partout wieder keien adäquaten Dreispringer hat, dafür aber fünf herausragende Stabhochspringer. So manche Disziplin bleibt dann schon mal unbesetzt, die Länderkampfwertung wird zur Farce, weil zu viele "Nullen" das Ergebnis ins schiefe Licht bringen.

Die Zeiten sind vorbei, als ein Verband nur das Wort "Länderkampf" in den Mund nehmen musste, und die Ausrichter in großen Scharen vor der Türe standen. Jeder, der in der heutigen Zeit Meetings veranstaltet weiß, dass ein Vergleichskampf eben auch eine Kostenfrage ist. Bar jeglicher Einnahmen muss vom Ausrichter die Infrastruktur und ein möglichst "angepasster ehrenvoller Rahmen" zur Verfügung gestellt werden, der veranstaltende Verband steht für die Reisekosten der Athleten, Trainer und Funktionäre, sowie deren Unterbringung gerade, Ausgaben, die sehr schnell fünfstellig werden. Freie Meetings tragen sich, sofern sie eine gewisse Größe erreicht haben, selbst.

Natürlich ist das eigeladene Klientel meist begeistert ob der guten Startgelegenheit mit garantierter Konkurrenz und einem hohen Anerkennungsfaktor, zumindest durch die anwesende Verbandsprominenz, keineswegs begeistert sind jedoch alle die "Ausgesperrten", die eben an solchen Wochenenden ebenfalls eine qualifizierte Startmöglichkeit bräuchten. Da die olympische Sportart Nummer eins längst nicht mehr die riesigen Maßen an Leistungssportlern auswirft wie früher, fehlen jene, die gerade bei einem Länderkampf beschäftigt sind, denjenigen, die die verarmte weiß-blaue Meetinglandschaft wieder auf die Beine bringen sollen. Dabei liegt die Lösung doch so nahe: siehe einige Zeilen weiter oben, Stichwort "Jugend Gala". Alleine Meetings, bei denen es gelingt, zumindest zunächst einmal die geballte bayerische LA-Power zu binden, sind in der Lage, durch ihre dann hohe Teilnehmerzahl den wirtschaftlichen Faktor zu verbessern und die Attraktivität für die so notwendige "nachbarliche Zuwanderung" aus den umliegenden Ländern zu steigern. gez. Kurt Ring

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