Leserbrief zum Artikel von Gustav Schwenk über Kirsten Münchow in der Zeitschrift "Leichtathletik" Nr. 35 vom 29. August 2000, Seite 17 "Kontrolleure gesucht"

Von der Sorgfalt zur Ohnmacht in eigentlich wichtigen Fragen

Nicht erst der in Regensburg am 7. Juli 2000 bei 68,95 m einschlagende Hammer von Kirsten Münchow hat die Organisatoren der Domspitzmilch-Gala auf die Notwendigkeit einer Doping-Kontrolle gebracht. Schon lange im Vorfeld liefen Gespräche mit dem bayerischen Landesverband in Person von Frau Pratsch zwecks Dopingkontrolleure. Nach etlichen Telefonaten stellte sich heraus, dass es in ganz Bayern für dies Aufgabe nur zwei Ärzte gibt, beide aber am Veranstaltungstag nicht zur Verfügung stehen konnten. Nach einem Telefonat, zirka eineinhalb Wochen vor dem Meeting mit dem DLV-Beauftragten Matthias Blatt wurde ich in Tettnang am Bodensee fündig. Dr. Schwarz erklärte sich bereit, im Falle eines Rekordes die Kontrolle durchzuführen, war aber nur bereit, nach Eintreten des Bedarfsfalles kurzfristig anzureisen. Man einigte sich auf München (Fahrzeit Regensburg-München ca 1 Stunde). Der Kontakt zum Arzt war bereits zehn Minuten nach dem Rekordwurf, also gegen 17.30 Uhr, über Handy geknüpft, das Auto des Veranstalters nebst Fahrerin stand bereit. Frau Münchow entschied sich schließlich für eine Kontrolle in Dortmund, weil sie aus privaten Gründen sowieso dorthin reisen wollte. So weit die richtige Geschichte zur Dopingkontrolle am 7. Juli 2000.

Unterm Strich bleibt jedoch das ungute Gefühl, dass von offizieller Seite viel über Doping bzw. Dopingkontrollen geredet wird, das nötige Instrumentarium zur sinnvollen Umsetzung aber zu fehlen scheint. Fakt ist, dass die Anzahl von Dopingkontrolleuren im süddeutschen Raum mehr als dürftig ist, deren Ausrüstung auch nicht immer den Erfordernissen entspricht. Dr. Schwarz war gerade einmal noch im Besitz eines einzigen Kontrollsatzes. Nicht auszudenken, Steffi Nerius hätte im Speerwerfen am gleichen Tag am selben Ort ähnliche Rekordgelüste verspürt.

Wir von der LG Domspitzmilch Regensburg möchten uns für die Zukunft nicht noch einmal in solche, von uns unverschuldeten Schwierigkeiten begeben. Nach persönlicher Anfrage haben sich bereits drei junge Ärzt/innen aus dem Umfeld von Regensburg bereit erklärt, sich vom DLV als Doping-Kontrollarzt/in anweisen zu lassen, sofern dieser das will. Namen weiterer williger Mediziner werden wir noch in den nächsten Wochen dem Landesverband mitteilen. Wie gesagt, gewollt hätten wir schon, wenn man uns nur gelassen hätte.

gez. Kurt Ring

sportlicher Leiter der LG Domspitzmilch Regensburg und Meeting-Organisator