Deutsche Mehrkampfmeisterschaften Wesel, 2./3.9.2000 - Bericht

Domspitzmilch-Mehrkämpfer explodiert mit 8109 Punkten förmlich/ Mannschaft gewinnt Silber

Kiefner-Foto Florian Schönbeck Florian Schönbeck (LG Domspitzmilch Regensburg/Jahn) nutzte bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Wesel die ihm gebotene Siegchance auf eindrucksvolle Weise. Mit phänomenalen 8127 Punkten und fast fünfhundert Punkten Vorsprung wurde der LGR-ler überlegener neuer Deutscher Zehnkampfmeister vor Mark Schumacher (LT DSHS Köln), dessen Team die Mannschaftswertung gewann, und dem Leverkusener Philipp Ibe. Trotz eines doppelten "Salto-nullos" von Wolfgang Hübl und Gregor Neumann (beide LG/Jahn) reichte es für das Domspitzmilchteam in der Besetzung Florian Schönbeck, Bernhard Floder und Wolfgang Hübl doch noch zum überraschenden Mannschaftssilber.

Durchwachsen, eher schlecht wie das Wetter startete Florian Schönbeck in die DM. 11,34 zeigten die Uhren nach dem 100 m-Lauf, der Weitsprung ließ mit einer 6,70er-Weite bis zum zweiten Versuch auch nichts Überragendes erwarten. Doch dann erwachte der Domspitzmilch-Mann mit hervorragenden 7,28 im letzten Anlauf. Mit 14,13 im Kugelstoßen und 1,91 im Hochsprung hatte er sich dann bereits eine 8000er-Basis erarbeitet, an dem bisher führenden Philipp Ibe konnte er aber erst nach persönlicher Bestzeit von 49,07 über 400 m vorbeiziehen. Mit 3984 Halbzeitzählern hatte sich der Regensburger zwar knapp, aber eben mit 14 Punkten mehr die Pole-Position für den zweiten, entscheidenden Tag erkämpft.

Seine drei Teamkollegen Wolfgang Hübl (11,45 6,63 13,22 1,91 51,15), Bernhard Floder (11,65 6,58 12,44 1,85 52,41) und Gregor Neumann (11,87 6,54 11,95 1,76 54,17) lagen hier durchaus ebenso im Soll und auf einem nicht erwarteten Silberkurs.

So wie Florian Schönbeck den ersten Tag beendet hatte, so begann er den zweiten: 14,54 über die Hürden waren neuer Hausrekord. Trotz ordentlicher 42,22 mit dem Diskus musste er aber die Führung noch einmal an Philipp Ibe abgeben. Die Entscheidung, darüber waren sich alle Experten einig, sollte nun im Stabhochsprung fallen. Ibe war dann schnell mit 4,30 am Ende seines Lateins, Florian Schönbeck bei 4,90 allein im Wettbewerb, mit übersprungenen 5,10 nahm Operation "Gold" überdeutliche Konturen an, mit den im dritten Versuch nach ewig wackelnder Latte erfolgreich überquerten 5,20 schien der Traum von den 8000 in greifbarer Nähe. Seine Kollegen hingegen patzten hier überdimensional: Sowohl Gregor Neumann und der sich leicht verletzende Wolfgang Hübl machten einen "salto nullo", was in der Fachsprache o.g.V., sprich ohne gültigen Versuch, und natürlich auch null Punkte bedeutete. Aus der Traum mit Silber oder doch nicht? Die beiden machten mit dem Speer jedenfalls weiter.

Mit jenem warf Florian Schönbeck dann nur einmal. Sein Gerät flog und flog und landete im ersten Versuch bei grandiosen 64,70, über fünf Meter weiter als jemals zuvor. Ab diesem Zeitpunkt sprach keiner mehr von 8000 Zählern. 4:34 war die magische Zeit im abschließenden 1500 m-Lauf für sage und schreibe 8100 Punkten. Mit 4:29,74 war der Regensburger zwar hier 18 Hundertstel langsamer als anno 1999 in Prag, wo ihm ein lumpiges Hundertstel zu den ersehnten 8000 Punkten fehlte. Dank seiner guten Vorleistung standen nun 8127 Punkte auf der Schlussabrechnung. Selbstredend wurde damit Florian Schönbeck mit über 500 Punkten Vorsprung Deutscher Meister, nach Hermann Magerls 72er-Erfolg im Hochsprung der zweite nationale Einzeltitel der Regensburger bzw. LG-Geschichte nach dem Kriege.

Das Mannschaftsdrama nahm letztendlich auch noch ein gutes Ende. Die 20634 Zähler hätten durchaus zwölfhundert mehr sein können, die Silbermedaille konnten sich Florian Schönbeck, Bernhard Floder und Wolfgang Hübl trotzdem noch umhängen lassen. Der Vorsprung auf die Dritten vom TV Norden mit 22 Punkten denkbar knapp. Bernhard Floder (2. Tag: 14,95 32,86 4,20 44,80 4:56,38) wurde mit 6590 Punkten 16. und die beiden "Neunkämpfer" Wolfgang Hübl (2. Tag: 15,69 33,38 o.g.V. 44,79 5:20,04) und Gregor Neumann (2. Tag: 15,96 39,18 o.g.V. 50,03 5:28,18 ) 22. und 23. mit 5917 und 5595 Zählern.