Regensburg, 6. Januar 2002

Rückblick und Ausblick für LG Domspitzmilch von der besseren Sorte

Leichtathletikteam steigt in Bayern zur feinen Adresse auf / absolutesVeranstaltungshighlight mit der Cross-DM auf dem Uni-Gelände

"Es war wieder einmal ein gutes Jahr". Mitdiesem Urteil untertreibt Sportchef Kurt Ring sogar ein wenig dieSaisonbilanz der LG Domspitzmilch Regensburg, die im Jahre eins des neuenJahrtausends endgültig zu einer der feinsten Adressen Bayerns aufgestiegenist. Mit dem erneuten Gewinn des Mannschaftstitels der Marathondamen bei dennationalen Titelkämpfen Ende Oktober in Frankfurt rundeten die Regensburgerein Jahr ab, dass mit vier weiteren deutschen Titeln, den beidenBayerncupsiegen und wiederum über vierzig Landestiteln abermals im absolutengrünen Bereich ausfiel. Mit ihren Aushängeschildern Ellen Schöner, FlorianSchönbeck und Stephan Wittl konnte sie sich auch international sehen lassen.Als Ausrichter setzte die LG Domspitzmilch mit der Durchführung derDeutschen Crosslaufmeisterschaften Anfang März auf dem Gelände desUni-Sportzentrums neue Maßstäbe.

Das, was die Domspitzmilch-Organisatoren so an Veranstaltungen anpackten,wurde stets makellos abgewickelt, ruhig und gekonnt. Was dem Team um BossNorbert Lieske jedoch Anfang März auf dem Uni-Gelände in Sachen Crosslaufgelang, sorgte in ganz Deutschland für ein positives Echo. Ein wenig Glückmit dem ersten Auftreten von Olympiasieger Nils Schumann nach seinem großenTriumph, ein wenig Durcheinander mit dem Fall Baumann im Vorfeld und einexcellentes Können im Detail brachte die Regensburger Veranstaltung bis insHerzstück der deutschen Sportöffentlichkeit, dem Aktuellen Sportstudio desZDF, dort, wo Regensburger Sport seit den Zeiten eines Walter Röhrlsfaktisch nicht mehr stattgefunden hat. Und die vom "Zweiten" fanden es inRegensburg auch noch so richtig gut, die vom DLV, deren neuer Präsident Dr.Clemens Prokop als Athlet das LG-Trikot trug, fanden es sogar soaußergewöhnlich, dass die Cross-DM im nächsten Jahr gleich wieder inRegensburg stattfindet, vielleicht diesmal mit Dieter Baumann und noch mehrZuschauern.

Weltklasse gab's dann auch noch bei der Domspitzmilch-Gala mit Deutschlandsbesten Hammer- und Speerwerferinnen zu sehen, deren Beste, die WM-VierteSteffi Nerius, in der Domstadt immerhin weiter warf als in Edmonton.Weltklassehöhen sind auch jene 5,61, bei denen am Neupfarrplatz der Siegbeim Domspitzmilch-Stabhochspringen zwischen dem fliegenden HolländerLaurens Looje und dem Tschechen Martin Kysela ausgesprungen wurde.Annähernd solche muss man auch bieten, wenn man aus deutscher Sicht zu denEuropameisterschaften 2002 nach München will. Zwei Kandidaten hat die LGDomspitzmilch in der neuen Saison mit 8100-Punkte-Zehnkämpfer FlorianSchönbeck und 66-Meter-Hammerwerferin Manuela Priemer in ihren Reihen. Beider starken innerdeutschen Konkurrenz müssen da für den Mehrkampfreckenannähernd 8300 Zähler her, für den Hammerwurf-Neuzugang aus Fürth haben sichdie Aussichten dagegen dramatisch verbessert, seitdem bekannt ist, dass mitder deutschen Rekordhalterin Kirsten Münchow wegen Schwangerschaft diehochkarätigste Konkurrentin für eine EM-Qualifikation ausfällt. JungspuntStephan Wittl, kaum dass er vor zwei Jahren die ersten erfolgreichenVersuche auf der Stadionrunde hinter sich gebracht hat, möchte seinen Coupvon diesem Jahr mit der U18-WM-Teilnahme im neuen Jahr bei der U20wiederholen. 47,30 für den Jamaica-Trip sollten da nicht unterschätzt werdenund die erfahrene LG-Betreuer-Crew weiß sehr wohl, dass eineJunioren-WM-Teilnahme nicht immer das Maß aller Dinge sein muss. EM und WM,und zwar solche am Berg, sind für Domspitzmilch-Vorzeigefrau Ellen Schönerin den letzten Jahren zur schönen Gewohnheit geworden. Natürlich möchte sieauch im neuen Jahr wieder zweimal dabei sein im schwarz-rot-goldenem Trikot,doch insgeheim lockt nach dem Vizetitel 01 auch das oberste Treppchen aufnationalem Parkett. Dort möchten auch wieder wie in diesem Jahr dieMarathondamen und vielleicht auch die Zehnkampfherren stehen, die mit einemSchönbeck, einem Peter Hargasser, in diesem Jahr immerhin DM-Dritter undeiner Handvoll gestandener 7000-Punkte-Athleten zumindest einmal davonträumen dürfen. Optionen auf vermehrte Treppchenplätze bei nationalenMeisterschaften werden sich ganz bestimmt auch durch die potenten Neuzugängeergeben.

Mit der Partnerschaft "Proathletics Markt Schwaben" hat dieDomspitzmilch-Führung wieder einmal ein geschicktes Händchen bewiesen. Kaumwar die "Leichtathletikehe" in der Szene durchgesickert, erwies sich diesüdbayerische Kleinzelle gleich als großer Athletenmagnet und dieRegensburger haben damit mehr als einen Fuß direkt in der stetsinteressanten Münchner LA-Landschaft. Der plötzlich in der Presse angedachteWunsch "Claudia Gesell" überraschte dann die Domspitzmilch-Macher dochselbst ein wenig, zumal sie von derlei Konstellationen bis dato im eigenenHause nichts wussten. Warum aber nach "Gospodarek und Jahn 2000" nicht"Gesell und Domspitzmilch 2002"? Vielleicht entdeckt Regensburgs Finanzweltauch einmal den Wert der "Ware" Leichtathletik, und ohne Geldgeber wird einProjekt Gesell, sofern Deutschlands 800 m-Hoffnung überhaupt sportlich vonihrer jetzigen Wahlheimat zu überzeugen wäre, sicher nichts gehen.