Telis-Talent holt als Vierte der U20 einzigen deutschen Spitzenplatz und führt Team zu Bronze

harrer-dublin09-rinDublin, 13. Dezember 2009 –  Mühsam und steinig ist der Weg der deutschen Crossläufer zurück zu alter Stärke und die Fortschritte sind nur bei genauerem Hinsehen erkennbar. Einer der Garanten, dass es dennoch vorwärts geht war am vergangenen Sonntag Telis-Ass Corinna Harrer, die mit einem völlig überraschenden vierten Platz in der U20-Juniorinnenwertung nicht nur sich selbst überraschte sondern auch alle Querfeldein-Insider. Zudem führte sie mit ihrem Parforceritt auch ihr Team zur überraschenden Bronzemedaille. Um ein Haar hätte es für die zweite Telis-Starterin Christiane Danner ebenfalls Edelmetall in der U23 gegeben. Doch die noch recht crossunerfahrene Regensburgerin überzog in der Startphase, verlor am Ende ihren sicheren Mannschaftsplatz und für das deutsche U-23 blieb bei Punktgleichheit mit Bronzemedaillengewinner Frankreich nur Blech.

„Wir müssen uns auf europäischer Ebene im Cross erst wieder etablieren. Das kann Jahre dauern“, so Bundestrainer Uhlemanns Worte schon vor längerer Zeit. Aus der U23-Bronze vom letzten Jahr ist nun eine U20-Bronze geworden und dazu zwei vierte Plätze, wobei vor allem Corinna Harrers Einzelplatzierung ganz schwer wiegt. In einzigen „all-in-one“-Laufausdauerwettbewerben des Jahres, bei dem alle Athleten/Innen, ob nun zur Mittelstrecken-, Langstrecken- oder auch Hinderniselite zählend, in einem Wettbewerb gegeneinander antreten müssen, ist es besonders für eine Mittelstrecklerin auf der eher den konditionsstärkeren Läuferinnen entgegenkommenden 4,039 km im Schlamm und über Stock und Stein besonders schwierig zum Erfolg zu kommen. „Ich bin eigentlich 400 und 800 m Läuferin,“ entschuldigte sich denn auch Corinna Harrer zunächst einmal bei den Journalisten für den medaillenlosen Einzelplatz, wobei sie die Nähe des Edelmetalls erst weit nach ihrem Zieleinlauf realisiert hatte. „Eigentlich habe ich geglaubt, dass ich nur Neunte geworden bin.“ Bei ihrer „terrific“ Schlussrunde, wie diese auf der News-Seite der EAA-Homepage genannt wurde, hatte sie den Überblick verloren beim ständigen Überholvorgang von Platz 15 bis letztendlich Platz vier.

Was heißt das schon, medaillenlos, wenn man sich in der Teamwertung hinter den geschlossen auftretenden Russinnen und Britinnen dennoch noch eine dieser heiß begehrten Dinger um den Hals hängen darf und im nächsten Jahr in Albufeira/Portugal in der U20 noch einmal angreifen kann. Corinna Harrer ist derzeit wohl eine der komplettesten deutschen Mittelstrecklerinnen, die sich aber durchaus bewusst ist, das selbst ein zweiter deutscher Meistertitel bei den Frauen über 1500 m noch nicht so viel wert ist, weil derzeit die Klasse der deutschen Mittewlstrecklerinnen doch eher zweitklassig ist. Siegerin Karoline Bjerkeli Grovdal ist auch nur ein Jahr älter, hat über die 3000 m Hindernis in Novisad gewonnen und das mit einer Zeit die deutlich unter der WM-Norm für Berlin lag. Und jene Karoline, Bjerkeli Grovdal war eben hier und heute in Dublin 23 Sekunden schneller, zur Zeit noch unerreichbar für die schnelle Regensburgerin mit ihrer „furchterregenden“ zweiten Runde. Es muss also weiter gehen auf dem steinigen Weg in die europäische Spitze. Zumindest einige Wochen hat die Wenzenbacher Abiturientin nun Zeit, ein wenig zu verschnaufen.

danner_dublin09-ringfotoJener unbändige Ehrgeiz, der nur Große auszeichnet, stand wohl auch Christiane Danner bei ihrer Cross-EM-Premiere im Weg. Wie von der Tarantel gestochen stürmte sie in der Startphase auf Platz zwei vor, um dann auf brutal schwerem Terrain Schritt für Schritt bis auf Rang 35 durchgereicht zu werden. Untröstlich war sie dann noch lange nach dem Rennen und auch viele lammfromme Einwände über „Erfahrungen sammeln“ und „das passiert jedem einmal“ ihres anwesenden Trainergespannes fruchteten da wenig. Erst der Hinweis auf nächstes Jahr mit der Zweitchance in der gleichen Altersklasse U23 brachten ein wenig Leuchten in ihre Augen zurück. Insgeheim wusste sie natürlich, dass ihr verpasster Platz unter den besten vier Deutschen, das Pünktchen für die Bronzemedaille gewesen wäre. Sie mag sich dennoch nicht grämen: Wer als Umsteigerin von den 400 m Hürden bei seiner ersten Cross-Feuertaufe (noch) nicht ganz so, wie er sich das vorgestellt hatte, im Ziel ankommt, hat sicher nur peripher was falsch gemacht. Das von ihrem Coach Kurt Ring im Vorfeld angesprochene „Erfahrungen sammeln“ hatte eben seine internationale Newcomerin (vorerst) noch eingeholt.