Ein Kommentar von Lothar Pöhlitz

Kürten, 1.Oktober 2012 - Erst kürzlich hat der FC Bayern München seine Arbeits- und Leistungs-philosophie ins große Medien-Schaufester gestellt und nicht nur mit Konsequenzen gedroht sondern erstaunlich schnell und inzwischen auch erfolgreich gehandelt. Das wird der Bundesliga im Sinne ihrer internationalen Konkurrenzfähigkeit gut tun. Es könnte auch dem deutschen Spitzensport Vorbild sein und gut tun wenn weniger geredet dafür gehandelt und den Anforderungen und Zielen gerecht schnell modernisiert würde. Wir haben in zu vielen Sportarten international den Anschluss verpasst obwohl wir über bessere „Instrumente“ verfügen als viele andere. Die bisherigen Diskussionen sollten deshalb nicht beim Geld für die Sportler enden sondern werfen vor allem auch die Frage nach der Verantwortung, dem geeigneten Personal für die schon für 2012 zu viel geplanten Medaillen auf.

In die längst überfällige und hoffentlich gerade erst begonnene offene Debatte um Reformen, den Anspruch an den Deutschen O l y m p i s c h e n Sportbund für die nächsten Olympischen Spiele in Rio und danach und der damit eng verbundenen Zukunft der Förderung deutscher Spitzenathleten mischen sich erfreulicherweise viele ein, melden sich auch Politiker zu Wort um aber – so hat man den Eindruck – mehr von den Hauptproblemen des Hochleistungssports innerhalb einer vor allem vom Ausland hoch gelobten deutschen Leistungsgesellschaft abzulenken. Nachdem Prof. Helmut Digel, langjähriger Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und inzwischen Vize-Präsident der IAAF, sozusagen als Insider, richtig konkret wurde und dem DOSB vorgeworfen hat, dass es zu viel Bürokratie und zu wenig Sachkompetenz im Hause gäbe, erklärte Dagmar Freitag (SPD) als Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag und Vizepräsidentin des DLV in der "Welt": "Ich meine, der DOSB täte gut daran, auch externen Sachverstand einzubeziehen". Das stützt Digels Statement. Aber man könnte es auch anders sehen - reden kostet kein Geld. Leider wieder keine konkreten Vorschlägen, keine beigefügten Erfahrungen aus der Arbeit im DLV oder Hilfen zur Verbesserung der umfangreichen Probleme des Hochleistungssports, sondern typisch Politiker, vertagen um vielleicht mit weiteren Diskussionen von echten zentralen Problemen abzulenken? Dem Geldbedarf für die Positionierung Deutschlands Spitzensport im Weltsport z.B. bei Olympischen Spielen, der Trainerproblematik des DOSB die dringend nach mehr Quantität und Qualität schreit, der notwendigen Bedingungen für erfolgreichen Nachwuchsleistungssport in den Landesverbänden, dem Aufbau von Leistungszentren, der Erhöhung der Wirksamkeit der OSP und der Eliteschulen des Sports.......... oder beispielsweise auch der tiefen Krise im deutschen Schulsport, auch wenn der DOSB für die Gesundheit und Fitness unserer Kinder nicht federführend zuständig ist. Es wäre doch beschämend wenn sich Deutschland zukünftig der internationalen Konkurrenz verweigern muss, weil wir nicht in der Lage sind das alles zu organisieren!

Vielen scheint das Hauptproblem deutscher Sportler – von denen Medaillen oder wenigstens ein Platz in den Finals bei EM, WM oder OS – einfach so erwartet werden, nicht präsent zu sein. Sie denken zu wenig darüber nach, dass Hochbegabte, Talente zuallererst Z e i t für ihren Vollzeitjob, beispielsweise Langstreckler oder Marathonläufer wöchentlich mindestens 30 Stunden Training + 6-10 Stunden sportmedizinisch-physiotherapeutisch–psychologische Begleitung + Regeneration, brauchen! Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit seinem Generaldirektor Michael Vesper an der Spitze nimmt leider nicht die ihm zustehende führende Rolle im Rahmen der zur Verfügung zu stellenden Bedingungen ein, sondern blockt, wie schon in der Diskussion kurz nach London 2012 so: "Ich begrüße zunächst jeden konstruktiven Vorschlag. Allerdings sind wir ein System das demokratischen Regeln unterliegt. Deshalb sollten Vorschläge in die Gremien einfließen, bevor sie in der Zeitung erscheinen", sagte Michael Vesper am Rande des Sportausschusses des Deutschen Bundestages. Hier kommen seine langjährigen Erfahrungen als ehemals Grünen-Politiker durch, vertagen, aussitzen, reden, die Verantwortung anderen zuschieben oder die Probleme neu auf die Tagesordnung setzen wie schon kürzlich im Zusammenhang mit der wieder einmal geforderten Traineroffensive des DOSB, die bereits vor etwa 7 Jahre beschlossen, aber nie spürbar realisiert wurde. Auf all diese Probleme zielt wohl auch Prof. Dr. Helmut Digels Kritik an der Sachkompetenz im Hause des DOSB.

Für einen Gedankentransfer – das zeigt die derzeit in Gang gekommene Diskussion - gilt dass es für Visionen, außerordentliche Ziele, Aufgaben und Erwartungen in den Sportarten viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede gibt. Der DLV hat beispielsweise die Probleme des Tischtennisverbandes, der für sich mehr Breitensport möchte, weniger. Veränderungen setzen also fähige und vor allem handelnde Personen, jeder an seinem Platz, voraus. Das gilt nicht nur für Trainer. Man möchte sich wünschen dass zukünftig Funktionäre landesweit genauso um die Verbesserung der Bedingungen kämpfen wie sie es von den Athleten bei den Olympics im Kampf um Medaillen erwarten. Im Fußball werden Trainer oder Manager einfach entlassen wenn die Siege ausbleiben und es dauert nur Stunden bis in den Medien die Sondermeldung platziert ist.

In einem Kommentar vom 25.9.2012 wird dem ganzen noch eine weitere Problematik angefügt. In Sueddeutsche.de heißt es: „Zwangsläufig verbinden sich die Überlegungen zur nahen Zukunft des Sports mit der Frage nach dem Format auch des künftigen Präsidenten. Bemessen an den Problemen, die im Raume stehen ist kaum vorstellbar dass sich die benötigte Persönlichkeit innerhalb des Sports finden lässt. Bemessen am "Weiter so" des DOSB ist es eigentlich wurscht, wer's macht“.

Die Riesenprobleme – gemessen auch an Deutschlands Leistungsanspruch - kann wohl nur ein Typ wie Uli Hoeneß einer Lösung zuführen, aber der wird´s wohl nicht machen wollen. Wichtig wäre vor allem jetzt weiter über die vielfältigen Probleme des Sports offen zu reden. Wichtig wäre aber auch dass der DOSB entsprechend der Erwartungen von der Regierung unterstützt würde. Es gilt der landläufig bekannte Spruch „ohne Moos nichts los“ auch für den Sport!

„Ich kann nicht heißt - ich will nicht. Jeder kann mehr als er glaubt. Es geht im Profisport (Hochleistungssport) auch um den Willen mehr können zu wollen“ (Felix Magath in BILD v. 15.7.2012)