Nachträgliche Erfolge, deren Glanz im Dunkeln bleibt

Harrer1 ostrava-U23-EM henselfotoRegensburg, 1. Mai 2013 (orv) –  Wir schreiben den 30. April 2013. Fast zwei Jahre ist es nun her, als Corinna Harrer am 17. Juli 2011 bei den U23-Europameisterschaften im tschechischen Ostrawa auf‘s Siegerpodest sprang. Jetzt erreicht sie folgende Meldung der Nachrichtenagentur Reuters: „Yelena Arzhakova droht der Verlust ihrer Goldmedaille über 800 Meter bei den Europameisterschaften. Bei der 23-Jährigen wurden "anormale Werte" in ihrem biologischen Pass festgestellt. Die Olympia-Sechste wird ab dem 29. Januar 2013 für zwei Jahre gesperrt. Ihre Ergebnisse werden jedoch schon ab dem 12. Juli 2011 annulliert.“


Damit würde sie auch ihre Goldmedaille über 1500 Meter bei den U23-Europameisterschaften 2011 verlieren. Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg) würde damit auf den Silberplatz rutschen. Nachdem auch jene Leistungen, der in Ostrawa vor Harrer ins Ziel sprintenden Türkin Tugba Karakaya bereits im Dunstkreis wilder Dopingspekulationen angekommen ist und sich solche Gerüchte leider einige Zeit später oft als traurige Wahrheit herausstellen, könnte es gut sein, dass der Regensburgerin nach Jahren die Ehre einer kontinentalen Titelträgerin nachträglich widerfährt.

Was in Insider-Kreisen schon längst vermutet wurde, scheint nun über das Fahndungsmittel „Blutprofil“ zur Tatsache zu werden. Immer wieder rieb man sich anfangs der Saison verwundert die Augen, wenn russische Läuferinnen bei den früh stattfindenden russischen Meisterschaften Weltklasseleistungen in Rudelstärke ablieferten, um Richtung Jahreshöhepunkt im Verlauf der weiteren internationalen Saison immer mehr einzubrechen. War ihnen womöglich der „Stoff“ für schnelle Zeiten allmählich ausgegangen? Ebenso wunderlich waren die phänomenalen Leistungssprünge türkischer Läuferinnen, eher aus einem läuferischen Entwicklungsland kommend, bis hin zum Olympiasieg bei einer hohen Häufung von Dopingfällen jenseits des Bosporus.

Gerade in Hinblick dieser beiden Nationen muss man sich die Frage stellen, ob der Einsatz der WADA respektive jener der nationalen Anti-Dopingagenturen ausreichend ist, um die sauberen Athleten auf diesem Kontinent zu schützen, oder ob die EAA auch hier mal in Richtung der betroffenen Mitgliedsverbände Tacheles bis hin zur Ausschluss-Drohung reden sollte. Oder traut man sich vielleicht nicht, den russischen Riesen zu kritisieren und mit Sanktionen zu belegen?

Der Wert jener nachgereichten Medaillen für die „Sauberen“ ist meist ein geringer, der Rummel um die jeweiligen Dopingfälle ein großer. Zum Medaillentriumpf gehört eben auch der Moment der Siegerehrung im Stadion, vielleicht die erste Hymne im Leben eines Athleten. Was übrig bleibt sind ein paar anerkennende Worte in den Fachmedien und ein ganz fahler Nachgeschmack.

Ein echtes Bemühen, jenen emotionellen Verlust, entstanden durch Dopingbetrug, bei den geschädigten Athleten, wenigstens ein bisschen wett zu machen, lassen die Verbände ebenso vermissen. In Regensburg wartet ein betroffener Verein noch immer auf die Korrektur der Medaillenvergabe bei den Deutschen 10.000m-Meisterschaften 2012. Der Fall „Restle“ hatte den DLV damals erschüttert. Ganz aufgearbeitet wurde er in Darmstadt immer noch nicht. Die Bestenlisten wurden zwar inzwischen umgeschrieben, die beiden nun auf dem Silber- und Bronzeplatz stehenden Regensburger Athletinnen Maren Kock und Jana Soethout haben ihre Medaillen aber immer noch nicht erhalten. Nachlässigkeit kann auch eine Form von geringer Wertschätzung gedeutet werden.