Kleines Meeting hat mehr drauf als man ihm zutraut

Kommentatoren sparkassengala13 volkefotoRegensburg, 14. Juni 2013 (orv) –  Die Sparkassen Gala 2013 gehört der Vergangenheit an. Meeting-Direktor Kurt Ring weiß, dass er Glück gehabt hat: Mit dem Wetter, das explizit an diesem Galasamstag im tristen Einerlei der Tiefs einmal Pause machte und den hungrigen Leichtathleten Wärme und Sonne schenkte, freilich den Sprintern nicht unbedingt den heiß ersehnten Rückenwind. Aber auch mit der Veranstaltung selbst, weil sie fast zum Platzen voll war und alle ausführenden Organe vor eine Zerreißprobe stellte. Glück muss dennoch in der Leichtathletik nicht immer Leistungsfortschritt heißen, schon gar nicht in der deutschen. Dass dies nun ausgerechnet einigen in der Vergangenheit arg gebeutelten Kaderblöcken in der Oberpfälzer Provinz gelang, mag doch verwundern.


Als Kurt Ring das diesjährige weltweite Meeting-Ranking in die Hände bekam, musste er erst einmal nachfragen, was denn bei der Aufstellung von All-athletics.com bitteschön eine Wettkampfpunktzahl und eine Ergebnispunktzahl sei. Nun, das eine ist die Wertigkeit der beim Meeting gemeldeten Athleten nach dem bisher in ihrer Karriere Geleistetem und das andere ihre aktuelle Leistung beim Meeting selbst. Dass man bei Ersterem ziemlich weit hinten sein würde, war schon klar. Mit Mini-Etat ausgestattet kann man sich an der Donau keine Weltstars leisten. Dass man aber bei der Ergebnispunktzahl bei bereits sechs durchgeführten Diamond league Meetings und etlichen der world series so weit vorne stehen würde, genauer gesagt an Position 15 (Stand 14. Juni 2013), erzeugt dann doch eine gewisse Ungläubigkeit.


Geschuldet ist das vor allem jenen viel gescholtenen deutschen Protagonisten der Bahn, die im Uni-Stadion den Turbo einschalteten und wäre da nicht der lästige Gegenwind auf der Zielgerade gewesen, wäre dies noch üppiger ausgefallen. 63mal katapultierten sich bei der Sparkassen Gala Läufer/Innen, Sprinter/Innen mit oder ohne Hürden in die Top-ten der aktuellen deutschen Bestenliste und in einigen Disziplinen schaut es aus, als hätte vor Regensburg in 2013 noch keine Leichtathletik stattgefunden.


Hungerleider wie Deutschlands Viertelmeiler und 800m Läufer ließen ganz plötzlich mit 45er-Zeiten und solchen unter den 1:46 vergessen, dass dies in den letzten Jahren nur unter besonderen Bedingungen oder eben nur ganz selten möglich war. Bundestrainer Volker Beck von den Langhürden meint sogar, dass der Wind im Uni-Stadion auf der ganzen Runde von hinten kommt, was aber so zumindest in diesem Jahr überhaupt nicht gestimmt hat. Allein der Glaube scheint hier Berge zu versetzen. Auf der Runde, ganz gleich, ob es die Hürden, die Flachstrecke oder jene Teilchen-Wissenschaft der äußerst empfindlichen Sprintstaffeln sind, wird am Eisbuckel, wie diesen Stadtteil die Regensburger ob der oft extremen Temperaturen nennen, anscheinend immer schnell gelaufen.


Eigentlich hätte die Sparkassen Gala der LG Telis Finanz mehr verdient: mehr Zuschauer, mehr Sponsorengelder, mehr Öffentlichkeit und mehr überregionale Wahrnehmung. Woher nehmen, wenn nicht stehlen, heißt hier die Frage aller Fragen. So wartet man denn dort unten im Süden der Republik noch immer auf die große Hilfe. Von der Stadt, die bisher nur zögerlich aber doch Gott sei Dank immer mehr unterstützt, vom Verband der Angebote von der Meetingleitung zur Sponsoren technischen Zusammenarbeit Richtung DLV-Gala bisher nicht zum Thema machen will, vom bayerischen Fernsehen, das die Sparkassen eher noch als nette Randerscheinung betrachtet und vom großen Zufall, der einen überregionalen Sponsor reinschneit.


Man kann nicht sagen, dass die Regensburger Organisatoren hier untätig oder schlecht inspiriert wären. Als eine der wenigen deutschen Meetings jagen sie einen durchaus sehenswerten Livestream ins Netz, karrten vor ‚Jahren schon eine Videowall vor die Haupttribüne, locken zusätzliche Gala-Zuschauer über die Teilnehmer des üppigen Vorprogramms auf die Tribüne. „Ohne die wär’s im Stadion ganz schön leer“, meint dazu der Meeting-Direktor. Last but noch least halsen sie sich auch noch eine Laufnacht auf und denken über ein zukünftige zweitägige Gala nach. Wünsche vom besten Moderatorenteam, das man derzeit in Deutschland haben kann, werden fast immer erfüllt, wenn auch mit dem Beisatz, dass der Etat sich dann wieder gegen Rot neigt. „Geht nicht, gibt’s nicht“ sagt der Meeting-Direktor in solchen Fällen immer wieder und schwört gleich dabei, sich im nächsten Jahr das Ganze nicht mehr anzutun. Und doch – die nächste Sparkassen Gala ist schon wieder terminiert. Sie wird mit ziemlicher Sicherheit am 6. Und 7. Juni 2014 stattfinden, vielleicht dann mit ein bisschen mehr, was man so jedes Jahr vermisst, denn die Hoffnung stirbt zuletzt.