DLV Ausschreibung für Langstaffelmeisterschaften fragwürdig

Regensburg, 22. Juli 2013 (orv) –  Die Irrungen und Wirrungen der DLV-AG Wettkampfwesen nehmen nicht nur in diesem Jahr kein Ende. Nach den unnötigen Turbulenzen der A-und B-Zulassung für Deutsche Meisterschaften folgte die nicht den Regeln entsprechende Aufnahme eines individuellen Tempomachers bei den Halbmarathonmeisterschaften. Nun gibt es Probleme bei den Meldungen für die Langstaffelmeisterschaften in Rostock. Die zweiten Männer-Staffeln der LG Braunschweig, des TSV Höchstadt/Aisch und der LG Telis Finanz Regensburg wurden trotz Erfüllung der Meldekriterien zunächst abgelehnt. Begründung: Sie hätten die Meldekriterien nicht im selben Jahr erfüllt.


Dazu noch einmal der genaue Wortlaut aus der zutreffenden Ausschreibung (Punkt 8/Wettbewerbe/Mindestleistungen): „Nachfolgende Mindestleistungen müssen in der Freiluftsaison 2013 bis zum Meldeschlusstermin erbracht sein (Ausnahme: Für die 3x800m-/3x1000m-Staffeln der Männer und Frauen kann entweder die Freiluftsaison 2012 oder die Freiluftsaison 2013 als Qualifikationszeitraum herangezogen werden).“ Dies beherzigten die drei Vereine wortgenau, achteten peinlich drauf, dass bei den jeweils gemeldeten Staffelzeiten keine gleichen Läufer vorkommen und verzichteten bei den diesjährigen Landesstaffelmeisterschaften aus diesem Grund sogar auf stärker besetzte Staffeln und somit auf durchaus berechtigte Titelchancen.

Gut eineinhalb Wochen nach Meldeschluss und nach genauer Prüfung durch die Landesverbände teilte ihnen der DLV mit, dass ihre Meldungen nicht ausschreibungsgerecht und somit für die zweiten Staffeln nicht statthaft seien. Bei der Absage für die LG Telis Finanz war dies im besonderen Maße falsch, weil beide Männerstaffeln in  verschiedener Besetzung beim gleichen Event (DM Langstaffelmeisterschaften 2012) die Meldeleistungen deutlich unterboten hatten, das DLV online-Meldeverfahren jedoch nicht in der Lage ist, diese verschiedenen Zeiten auch in der Meldung anzugeben, sondern immer nur die beste Leistung für beide Staffeln auswirft. Warum dann die AG Wettkampfwesen bei der Prüfung die dritte Qualifikationszeit einer Juniorenstaffel aus 2013 heranzog, wissen die Götter.

Wie uns Klaus Hartz, einer der führenden Köpfe aus der AG Wettkampfwesen, inzwischen bestätigte, ist die Ausschreibung fehlerhaft und so nicht haltbar. Alle Betroffenen, sowohl die meldenden Vereine als auch die Prüfstellen bei den Landesverbänden, haben sie anders ausgelegt, als die AG Wettkampfwesen es wollte, aber nicht eindeutig geschrieben hat. Über den Sinn ihres hintergründigen Ansinnens braucht man sich dabei keinerlei Gedanken machen. Selbst bei größtem Wohlwollen für das, was in den Köpfen dieser Funktionäre vorgeht, wird man keinen leichtathletischen Sinn mehr erkennen.

Den Kopf nun wieder elegant aus der Schlinge zu ziehen und den schwarzen Peter den „dummen“ Vereinen zuzuschieben, ist hier leider eine gewohnte Form einer DLV-Problembewältigung, die nicht mehr tragbar ist. „Die geschädigten Vereine sollten doch um ein Sonderstartrecht bitten“, meinte Klaus Hartz am Rande der Bayerischen Juniorenmeisterschaften in Ingolstadt, „man könne dann sicher mit einer wohlwollenden Startzusage rechnen.“

In solchen Fällen hat der Chef des Ganzen normalerweise den Verursacher des wiederholten Malheurs vor die Tür zu setzen und wenn er selbst davon wusste, anständigerweise zurück zu treten. Beim DLV reagiert man aber in solchen Fällen stets mit Ignoranz, Drohgebärden, präsidialen Interventionen und Gnadenangeboten. Wie abgehoben muss man eigentlich sein, um sich so ein Verhalten immer wieder zu eigen zu machen. Braucht man die Athleten, ihre Vereine und Trainer überhaupt noch, außer zum Medaillen Zählen? Eine fette Entschuldigung auf „leichtathletik.de“ und rigorose Aufnahme aller gemeldeten Staffeln wäre das Geringste, was passieren müsste, spontan und unmittelbar, der Rücktritt einer holprig agierenden AG-Wettkampfwesen-Führung eine Erlösung für alle. Damit würde man Größe und Einsicht zeigen, die man beim DLV allerdings nicht zu haben scheint.

Wir selbst von der LG Telis Finanz können jene „Handlungsunfähigkeit“ des Verbandes in dieser Sache ruhig betrachten. Aus personellen Gründen wird sowieso nur eine Frauen und eine Männerstaffel anreisen.

 

Kurt Ring