Offener Disput zwischen DLV-Präsident und Lauf-Bundestrainer

Regensburg, 29. August 2013 (orv) –  DLV-Präsident Clemens Prokop wird selten zornig. Die Eintracht und „Friede, Freude, Eierkuchen“ ist ihm wichtiger als jegliche Zwietracht in seinem Verband. So ist auch seine Verbandspolitik zu verstehen. Locker und leicht soll es gehen, mit einem steten Lächeln auf den Lippen, absolut dopingfrei, gepaart mit einer sauberen schulischen und universitären Ausbildung, „dual“ eben auf dem athletischen Karriereweg. Bundestrainer Wolfgang Heinig ist ein streitbarer Mensch, zielorientiert und erfolgsfixiert, obwohl er als Heimtrainer einiger Athleten auch bei der LG „Eintracht“ Frankfurt tätig ist. Auf seinem Gebiet, der Langstrecke, läuft es international nicht so, wie das derzeit die übrige deutsche Leichtathletik kann.
„Was Herr Heinig da gesagt hat, ist dummes Geschwätz. Er vertritt eine Einzelmeinung, die mit der Verbandsposition überhaupt nichts zu tun hat. Wir werden das nach der WM thematisieren. Jeder Trainer muss sich überlegen, ob er in der Lage ist, mit der Verbandslinie mitzugehen. Wenn nicht, sollte er persönliche Konsequenzen ziehen“ kanzelt Clemens Prokop seinen Bundestrainer öffentlich in einem Interview der Berliner Zeitung vom 16. August ab. Hingegen waren Heinigs Forderungen für den absoluten Spitzensport eher moderat und aus seiner Sicht verständlich. Gefragt zur afrikanischen Dominanz meinte er im Interview beim Bonner Generalanzeiger nur: „Wir geben nicht auf. Leider zeigen wir nicht die Konsequenz der Afrikaner - genauso wenig ist es uns bisher gelungen, eine Konzentration in Trainingsgruppen wie beispielsweise bei den Amerikanern zu erreichen. Wir stürzen uns voller Begeisterung in die Duale Karriere, und dabei wird das Training zweitrangig behandelt. Von vielen Athleten wünsche ich mir ein wenig mehr Mut zum Risiko.“

 

Wenn er als Verantwortlicher für den maladen Laufbereich in nächster Zeit wirklich Erfolg haben will, braucht Wolfgang Heinig eben die hundertprozentige Konzentration seiner Athleten/Innen, zumal sein Klientel überschaubar ist, weil die Zuarbeit von unten, heißt schnelleren Mittelstrecke, in Deutschland bisher gar nicht funktionieren will. Man kann ihn bei genauerem Nachdenken sehr wohl verstehen, zumal die Langstrecke in trainingstechnischer Sicht eine äußerst zeitintensive Beschäftigung ist. Wer ihn persönlich kennen gelernt hat, weiß, dass er sehr spontan und emotionell reagieren kann und auch frei weg sagt, was ihm nicht passt. Im „Friede, Freude, Eierkuchen-Verband“ hat also einer einmal tatsächlich eine andere Meinung als alle anderen. Das soll bisweilen gar nicht so verkehrt sein, speziell dann, wenn die Dinge dort seit Jahren nicht so laufen wie sie laufen sollten.

Die harsche Kritik des Präsidenten war in einem freiheitlich denkenden Staats- und hoffentlich auch Verbandssystem doch ein wenig zu harsch. Basta-Politik eben. Zumal der Präsident seinen Schäflein immer noch vorenthält, wie das System „Duale Karriere“ in der deutschen Hochleistungsleichtathletik systematisiert werden soll. Heillos einem britischen und französischem Schulsystem, einem amerikanischen Collegesystem oder dem japanischen Modell der Wirtschaft-Sport-Kooperationen unterlegen, sind funktionierende „duale Systeme“ hierzulande individuelle Lösung, geschaffen vom unmittelbaren Athletenumfeld, was wiederum nichts mit dem Verband zu tun hat. Im Geflecht der Verbandsorganisationen verursachen selbst kleine Probleme oft Ratlosigkeit und Hilflosigkeit. Das Regensburger „Physioproblem“ ist allen Verantwortlichen nun fast ein halbes Jahr hinlänglich bekannt. Eine Lösung scheint noch immer nicht in Sicht, zumindest haben die Regensburger noch keine mitgeteilt bekommen.