Die Weltklasse läuft den deutschen Langstrecklern weiter davon

Afrikaner-Training poehlitzfoto5. September 2013 (Jürg Wirz in CONDITION 9/2013 - gekürzt von Lothar Pöhlitz mit Erlaubnis der Zeitschrift) - In einem Beitrag aus der Distanz, aus der Sicht der Afrikaner beschäftigt sich Jürg Wirz in Condition 9/2013 mit der Frage warum die Weltklasse in den Langstrecken-disziplinen den Deutschen immer weiter davonläuft.  Die Leistungen stagnieren nicht nur, sie sind ganz klar rückläufig. „Der Langstreckenlauf in Deutschland befindet sich in einer tiefen Krise – die Stärkeverhältnisse haben sich in den letzten 30 Jahren ganz klar zugunsten der Afrikaner verschoben“. Entwicklungshilfe leisteten seit den 80iger Jahren, vor allem europäische Coachs und Manager, erkannten das Potential und halfen aus der Armut. Die Ostafrikanischen Asse werden immer jünger, das Durchschnittsalter der 10 schnellsten Marathonläufer des Jahres 2012 betrug 26,3 Jahre, das Geld treibt sie voran.
Besonders interessant für deutsche Läufer und ihre Trainer ist sicher wie Jürg Wirz die deutsche Situation einschätzt und welche Wege aus der Krise er als Außenstehender, aus der Sicht des Ostafrika-Kenners sieht. Dabei sorgt er sich offensichtlich „ob die Afrikaner schuld am Niedergang der deutschen Langstreckenszene sind und den Einheimischen die Motivation gegen die übermächtige schwarze Armada fehlt“?

Die Gründe für die  deutschen Probleme sind vielfältig, kann man lesen:

    * Die Leichtathletik spielt in der Schule nicht mehr eine zentrale Rolle

    * In den Medien haben Schausportarten Priorität

    * Computer, Fernsehen und enge Lebensräume machen Kinder in der
                der Wohlstandwelt je länger je mehr zu Bewegungsmuffeln

    * Es gibt attraktivere und weniger aufwendige Sportarten wie Fußball,
       Inlineskating, Mountainbike oder Snowboard.    

    * Die Sportart Leichtathletik hat sich zu lange gegen Neuerungen gewehrt

    * Auch der nationale Verband ist an der Entwicklung nicht unschuldig, jahrelang
       wurde eine systematische Nachwuchspolitik und eine konsequente
       Unterstützung der Vereinstrainer vernachlässigt

Wirz schlussfolgert: Es wird wohl eine spezielle Konstellation gebraucht die mehr mit Glück und Zufall zu tun hat. Es braucht einen (oder mehrere) talentierte, verletzungsresistente Burschen (sicher meint er auch Mädels) die in einem Umfeld aufwachsen wo körperliche Leistung gefördert wird und die das Verlangen haben im Laufen ein Großer zu werden, allen Widerständen zum Trotz.