Telis-Träume beginnen bereits im Herbst

Foto1Cervia, 27. September 2013 (orv) - Es ist noch ruhig im Hotelfoyer. Draußen hat die Nacht gerade ihren Abschied genommen, die Sonne lugt am Horizont hervor. Drinnen gehen einige Hotelangestellte ihren alltäglichen Pflichten nach. Die meisten Gäste schlafen noch. Das dolce vita in einem italienischen Badeort hinterlässt eben seine Spuren. Frühstück gibt es bis elf Uhr. Langsam füllt sich die Hotelhalle mit sieben müden Gesichtern. Für sie beginnt ein weiterer harter Arbeitstag. 

 

 

Es sind sieben Top-Athleten der deutschen Läuferhochburg Regensburg. Wieder einmal ist die Saison noch nicht einmal ganz zu Ende und schon hat sie wieder begonnen. Wintertraining nennen sie das in Fachjargon. Wintertraining bei 27 Grad im Schatten. Wer im nächsten Jahr erfolgreich sein will, braucht einen langen Anlauf. Wer gut beginnt, hat zu Hause weniger Probleme mit den bis zu zwölf Trainingseinheiten pro Woche. Woche für Woche und bis Weihnachten fast ohne Wettkampf. Ihr Coach ist mal auf die Idee gekommen, die harte Jahresarbeit in einem Herbsttrainingslager zu beginnen. Es überzeugte. Nirgendwo geht der Rhythmus "Trainieren - Essen - Schlafen" in der mehrmaligen täglichen Abfolge besser zu erledigen, losgelöst von den alltäglichen Sorgen und Nöten. 

 

So einfach ist das Ganze im Herbst aber dann doch nicht. Drei Wochen Vorlauf zu Hause sind kein echter Schutz gegen Muskelkater, den einen oder anderen Formeinbruch an einem der zehn angesetzten Tage. Für den Trainer ergeben sich wichtige Aspekte, wo er in den nächsten Wochen ansetzen muss, für die Athleten ist so manche Einheit (noch) eine wahre Herausforderung mit bisweilen erniedrigendem Ergebnis. Fit ist etwas anderes. Die Wunschform des nächsten Sommers noch weit weg.

 

Jeder kleine eigene Sieg ist eine Niederlage für die Anderen. "Warum kann der das schon und ich noch nicht?" Es ist eine verlängerte Woche mit tausend Nadelstichen, nichts für Weicheier. Sofort aufhören sollen sie laut Trainer, wenn etwas weh tut. Leicht gesagt und schwer zu befolgen, wenn am dritten Tag bei jeweils drei Tagen eben alles am Körper weh tut. Dabei sind die Umstände gerade zu grenzenlos gut. Essen, Strand, Wetter - alles bestens. So manche Vorstellung von der neuen, kommenden Saison relativiert sich in jeder dritten Einheit jeden Tages, weil man sich dann nicht vorstellen kann, dass der Körper sich an die Belastungen auf Dauer gewöhnen kann. Wäre da nicht das Vertrauen ins eigene System, jedes Jahr wieder. Die Erfolge der letzten Zeit sprechen Bände. Es klappt nicht bei Jedem jedes Jahr, aber bei den Meisten immer besser. Zweifeln geht nicht, Zweifler siegen eben nicht. 

 

Cervia Herbst13 LaufstreckeHeute war Longjog angesagt. Für die Meisten zum ersten Mal seit langem mörderische dreißig Kilometer, die hinten raus immer schneller werden. Ein Gutes hat der lange Tag dennoch. Die Nachmittagseinheit fällt aus. Tretbootfahren ist angesagt. Ein bisschen Posen, ein bisschen dolce vita muss dann doch sein. Einer war so kaputt, dass er glatt verschlafen hat, volle drei Stunden am Nachmittag "müde, tot, erledigt", sein Statement zum Gemeinschaftserlebnis. Morgens um sieben, am nächsten Tag, wird er wieder auf der Matte stehen. Die Tretmühle beginnt erneut, zehn lange Tage lang...