Saisonverlauf mit vielen Unpässlichkeiten

Steininger1 DMU23 2013 KiefnerfotoRegensburg, 19. Oktober 2013 (orv) –  „Nomen est omen“ heißt ein lateinisches Sprichwort und bei keinem passt es besser als bei Telis-Langstreckler Moritz Steininger, der in diesem Jahr einen steini(n)gen Saisonverlauf hinter sich bringen musste. Im Grunde waren es richtige Felsen, die sich ihm in den Weg stellten, immer dann, wenn er sie überhaupt nicht brauchen konnte. Dabei begann sein erstes Trainingsjahr in der Regensburger Erfolgstruppe richtig gut. Es lief im Herbst wie geschmiert. Die abermalige Qualifikation für die Cross-Europameisterschaften in Budapest war problemlos und Moritz hatte sich einiges vorgenommen. Doch dann passierte in Ungarn etwas, was selten vorkommt, aber eben immer wieder einmal. Nach einer von sechs Runden trat ihm ein Konkurrent einen seiner Spikes herunter.


Auf dem schwierigen Schneegeläuf, von vielen Läuferbeinen in den Rennen vorher schon holprig und eisglatt getreten, war das besonders fatal. Der Junge war aber nicht aufzuhalten. Er lief mit einem Rennschuh rechts und einem Socken links bekleidet einfach weiter. „Der kann sich die ganze Saison damit zerstören“, stöhnte der Bundestrainer. Doch alle Versuche, an Moritz Steininger auf der hermetisch nach außen abgesperrten Strecke heranzukommen, scheiterten. Sein Vater Hubert, selbst Physiotherapeut, und die gesamte Medizinabteilung des DLV gab sich größte Mühe, den jungen Athleten, sichtlich vom Erlebten traumatisiert, nach dem Rennen wieder „zusammenzusetzen“. Was in den nächsten Tagen noch wie harmlose Muskelverspannungen aussah, war bald eine handfeste Verletzung am Fettkörper eines Knies. Zwei Monate Laufpause waren die Folge.

Steininger Regensburg-1500m volkefotoFür Moritz Steininger war dies ein schlimmer Einschnitt für seine ehrgeizigen Saisonziele. Deutsche Crossmeisterschaften weg, der erste Versuch über die Halbmarathondistanz weg! Als es dann wieder ein wenig ging, war bei den nationalen Titelkämpfen über 10.000m Anfang Mai an die Erfüllung der Norm für die im Juli stattfindenden U23 Europameisterschaften nicht zu denken. Er war dabei mit seinen 30:58 Minuten, aber damit weit weg von einer Zeit unter dreißig Minuten, die notwendig gewesen wäre. Wäre Moritz nun nicht ausgerechnet 10.000m Aspirant gewesen, hätte man dies sicher in der verlaufenden Saison bis zum Nominierungsschluss Mitte Juni ausbügeln können. 10.000m Rennen auf hohem Standard in Europa ab Mai dann zu finden ist aber ein Kunststück, das in diesem Jahr eben nicht mehr zu bewältigen war.

Mit viel Fleiß und noch größerer Disziplin arbeitete sich der junge Regensburger im späten Frühjahr wieder nach oben. Eine 3:56 auf der Unterdistanz 1500m und tolle 14:22,42min über 5000m bei der heimischen Sparkassen Gala waren Ausdruck dessen, was möglich gewesen wäre. Trotzdem blieb für ihn bei den 2013 außergewöhnlich stark besetzten nationalen U23-Titelkämpfen über 5000m wieder nur „Blech“ mit Platz vier übrig. Das kleine Trostpflästerchen Ende Juni mit seinem ersten Unter-dreißig-Minuten-Lauf bei den Schweizer Meisterschaften über 10.000m war nur ein schwacher Trost.

Der Herbst sollte ihn nun entschädigen. Über 10km auf der Straße wollte er um den U23-DM-Titel oder zumindest um eine Medaille, die er schon im Vorjahr als Jugendlicher gewonnen hatte, mitlaufen. Der erste Teamtitel mit der Telis-Mannschaft sollte es werden. Er war blendend in Form, es schien alles angerichtet. Dann kam Stunden vor dem Rennen der Anruf: „Ich habe Brechdurchfall und kann nicht laufen“. Es war sogar so schlimm, dass er an dem Tag, wo seine Laufkumpel in Bobingen alles abräumten, was so zu holen war, er selbst ins Krankenhaus musste. Der drei Wochen später angepeilte Halbmarathon in Köln war damit auch schon Geschichte, bevor er überhaupt stattgefunden hatte. So steht den einer der hoffnungsvollsten U23-Junioren der LG Telis Finanz 2013 fast mit leeren Händen da.

Inzwischen trainiert Moritz Steininger wieder fleißig und dort, wo die Seuchensaison im letzten Jahr begann, soll sie nun erfolgreich enden. Natürlich muss der Junge erneut durch die Qualifikationsmühle für die Cross-Europameisterschaften. Und wie soll’s auch anders sein: Gerade heuer ist der deutsche U23-Nachwuchs besonders stark. Nichts darf mehr dazwischen kommen. So drücken denn alle Blauen ihrem Moritz alle verfügbaren Daumen, dass am Ende eines fatalen Jahres endlich alles gut geht. Keiner hätte es heuer mehr verdient.