Schwieriger Qualifikationsmodus für erste Deutsche U16-Meisterschaften

Schien1 BLV-Cross14 Kiefner-FotoRegensburg, 29. April 2014 (orv) –  Eva Schien ist ein nettes 15-jähriges Mädel aus Kelheim. Sportlich engagiert von jeher. Zuerst im einheimischen Triathletikclub run&bike Kelheim, dann bei der Läuferhochburg der LG Telis Finanz im nahen Regensburg. Fleißig hat sie in diesem Winter an ihrer Form gebastelt, viele Kilometer in der Umgebung der Donaustadt zurückgelegt, bei zahlreichen Athletik-Einheiten sich ihren Muskelkater abgeholt und die hohe Schule der Laufkoordination zu erlernen versucht. In ihrer Freizeit wedelt sie im Winter auch noch gekonnt die Skihänge hinab.
Allein mit der Schnelligkeit hapert es bei der fleißigen Gymnasiastin noch gehörig. Sie ist eben von Natur aus keine Pfeilschnelle, eben ausdauernd und zäh. Das hat ihr im Frühjahr den Titel bei den Bayerischen Crosslaufmeisterschaften der U16 eingebracht. Mit einem mutigen Temporennen hat sie alle anderen einfach stehen gelassen. „Endlich hat sich die Lauferei gelohnt“, stellte sie leise, aber sehr zufrieden, kaum hinter der Ziellinie angekommen, fest. Nun ist ihr bei der 3000m Challenge in Regensburg ein weiteres Kunststück gelungen. Mit einer 10:47,29 hat sie auf Anhieb die DM Norm für die ersten Deutschen U16-Meisterschaften gekackt. Die Zeit ist so gut, dass sie sogar für die Teilnahme in der nächsthöheren Klasse, der U18, schon gereicht hätte.

Teilnehmen bei der U16-DM, die am 16./17. August in Köln stattfindet, wird der kleine Wirbelwind aller Wahrscheinlichkeit nicht. Der Qualifikationsmodus des Deutschen Leichtathletik-Verbandes für diese Meisterschaften lässt das nicht zu. Der Verband hat mit einer Zusatznorm in einem anderen leichtathletischen Disziplinblock eine fiese Fußangel ausgelegt. Eva Schien radelt, schwimmt und läuft, wedelt im Winter die Hänge hinab, für den Verband ist damit aber die sportliche Vielseitigkeit nicht gewährt. Eva Schein müsste die Kugel stoßen, über die Hürden flitzen oder in die Weitsprunggrube fliegen. Dafür ist sie aber nicht kräftig genug und nicht schnell genug.

Ganze Gremien haben sich im letzten Jahr den Kopf zerbrochen über etwas ganz Einfaches, das man wieder einmal schrecklich kompliziert gemacht hat. Vielseitig sollen deutsche Talente eben sein und das können sie nach Ansicht der Funktionäre wohl am besten mit ganz speziellen Zusatzfähigkeiten über die Hürden oder im Weitsprung, wahlweise für die Wurftalente wohl auch im sportlichen Gehen, nachweisen. Vielseitige sportliche Betätigung ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen aber etwas anderes. Zudem hat man die Meisterschaften glänzend platziert. Haben bereits ausgewachsene Topathleten Probleme, ihre Form bis Mitte August zu halten, wird das Youngstern mit langen Sommerferien davor, die eigentlich der körperlichen und geistigen Regeneration dienen sollten, noch viel weniger gelingen.

Über die Brisanz des derzeit auf drei Jahre angesetzten Meisterschaften-Versuchs ist man sich im DLV durchaus bewusst. Man will das Experiment wissenschaftlich begleiten. Doch was hilft das Eva Schien. Sie möchte Anfang August mit ihren Eltern in den Sommer-Urlaub fahren, vielleicht an einem italienischen Strand chillen, oder vielleicht in den Alpen herumkraxeln. Der Verein hätte sie mit einer Teilnahme bei den Deutschen Jugendmeisterschaften U18 belohnt. Dafür hat sie die Norm bekanntlich schon. Das geht aber heuer auch nicht mehr. Mit Einführung der U16-Meisterschaften lässt der DLV nun die Teilnahme von 15-jährigen Athleten/Innen bei den 16- und 17-Jährigen nicht mehr zu wie in all den Jahren vorher. Es ist eben dumm gelaufen für Eva Schien. Doch was schert das die Verantwortlichen in jenen weisen Gremien des Verbandes. Viele Teilnehmer wünscht sich der zur Premiere. Ob dann die Olympiateilnehmer 2020 oder 2024 schon darunter sind, bleibt dahingestellt.