Neues Anti-Doping-Gesetz nur für privilegierte Spitzensportler?

Regensburg, 12. November 2014 (Kurt Ring) – Anti-Doping-Experte Werner Franke hatte sich in einem Interview mit dem Radiosender hr1 in der Sache zu Wort gemeldet. Die Vorlage sei "nicht nur ein kleiner Wurf, sondern gar kein Wurf", sagte er: "Das ist entweder total dumm oder total hinterhältig." Der Entwurf sehe strafrechtliche Konsequenzen bei Dopingbesitz nur für Spitzenathleten und Profis vor, nicht aber für Amateure und Freizeitsportler. Dabei sind die Übergänge im Dopingmilieu von Amateuren und Profis fließende. Recht hat er und Recht gibt ihm auch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland im Artikel 3. Dort steht unter Absatz 1: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

 

Innenminister De Maizière hält eine praktische Umsetzung von Verfahren bei Breitensportevents mit Tausenden Teilnehmern jedoch für undenkbar, weil unpraktikabel. "Das halte ich nicht für klug", sagte er: "Es würde das Strafrecht als Instrument maßlos überfordern." Das heißt im Klartext: Nur weil staatliche Instrumente nicht in der Lage sind, im vollen Umfang gegen das Übel vorzugehen, sanktioniert man es in Teilen der Bevölkerung. Überspitzt umgesetzt auf Kapitalverbrechen: Amateure dürfen rauben und morden, weil der Staat nicht in der Lage ist, dies zu verhindern. Weiß eigentlich unser Innenminister, was er da ausgesprochen hat? Es ist eine gewisse Form von Ohnmachtserklärung des Staates.

 

Wenn schon ein Anti-Doping-Gesetz, dann muss es für alle gelten. Schließlich erschleicht sich mit der Einnahme von Dopingmitteln nicht nur der Profi einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Konkurrenten. So ist denn nicht die finanzielle Vorteilsnahme via Doping abzustrafen, sondern die allgemeine Wertverletzung in Sachen unerlaubte Vorteilsnahme im Wettbewerb mit anderen. Einfacher ausgedrückt der Betrug.

 

Gesetz ja, damit man gut dasteht. Bitte aber dann mit einfachem Aufwand, damit man keine Arbeit hat. Wie naiv muss man eigentlich sein, um die Schizophrenie des neuen Gesetzentwurfes nicht gleich zu erkennen. Er teilt Sportler in Profis (Spitzensportler) und Amateure (Breitensportler) ein und behandelt sie extrem ungleich. Wenn schon ein Gesetz, dann eins für alle.