Das etwas andere Training von Maren Kock

Regensburg/Lingen, 24. Februar 2015 (orv) – Die Geschichte, die heute erzählt wird, begann vor vielen Jahren in der Sportschule Saarbrücken in den Jahren vor 2010. Traditionell fanden dort immer die DLV-Saisoneröffnungslehrgänge im Block Lauf statt. Das „who is who“ des Laufens war also da und die erstmals antretenden Frischlinge der neu ernannten C-Kader kamen nicht mehr aus dem Staunen heraus, weil plötzlich „die Mockenhaupt“ oder „die Mikitenko“ neben ihnen stand, leibhaftig und zum Anfassen. Üblicherweise brachten die Neuen auch ihre Heimtrainer mit. Darunter auch einer aus dem hohen Norden, genauer gesagt aus Lingen, und einer aus dem tiefen Süden, aus Regensburg. Dass deren zwei Schützlinge Maren Kock und Corinna Harrer einmal später die deutsche Laufszene mitbestimmen würden, wusste damals noch keiner.

 

Beide schon etwas betagteren Herren galten als recht kritisch und so dauerte es nicht lange, bis sie bei langen Spaziergängen und dem einen oder anderen Kaffee (die dabei verzehrten Sahnetorten verschweigen wir mal) die Köpfe heiß redeten. Man war nicht immer ganz zufrieden, was man da in der Sportschule vorgesetzt bekam, weniger kulinarisch als sportmethodisch. Der Mann aus dem Süden hatte schon längst eine etwas andere Philosophie des Laufens entwickelt, der Mann aus dem Norden fand diese gut, vergaß aber nie, sie ordentlich auf den Prüfstand zu stellen. So bastelten Arno Kosmider und Kurt Ring, wie die beiden mit bürgerlichem Namen heißen, zwei Jahre weiter, bis alles zum gemeinsamen System verschmolz. Von nun an trugen deren Schützlinge Maren Kock und Corinna Harrer das gleiche Trikot, das „Blaue“ der LG Telis Finanz.

 

Das „wer“ trainiert die Athletinnen war den beiden unwichtiger als das „was“ und „wie“. Und so kann auch Gemeinsames über eine Entfernung von beinahe siebenhundert Kilometer funktionieren. Kurt Ring ist im Süden der Architekt der Pläne und Arno Kosmider im Norden der Baumeister, der sie umsetzt und regional im Emsland für Maren Kock die Wege freischaufelt. Dazwischen erfolgt dann in vielen Telefonaten, Gesprächen und Trainingslagern der Feinschliff. Wer daraus eine Rangfolge herauslesen will, ist selber schuld. Die beiden Trainer hatten in Sachen Gleichberechtigung und Hierarchie nie Probleme miteinander. Akzeptiert wird das auch von den Athletinnen, was für beide nicht immer ganz einfach ist. Bisweilen sind sie beinharte Konkurrentinnen und es geht dann immer um den nationalen Titel. Vielleicht ist das aber auch die gemeinsame Triebfeder, immer besser werden zu wollen. Sie wissen, es liegt an ihnen selbst, von der Unterstützung genießen sie die gleiche Qualität.

 

Über den Erfolg der grundlegenden Laufphilosophie brauchen wir eigentlich nicht reden. Maren Kock und Corinna Harrer sind nur zwei Juwelen eines Teams, das sich in den letzten Jahren von der Grundidee sehr einig war. „Miteinander sind wir stärker“ hieß stets die Devise. International ist man bei den „Blauen“ kräftig dabei: Olympische Spiele, Europameisterschaften, lediglich die WM-Teilnahmen fehlen noch. Sie werden kommen und kontinental war auch schon Silber von Coco Harrer dabei. National veranstalten die „Blauen“ bisweilen ganze Medaillenorgien. Der Rekord steht bei sechs Titeln innerhalb eines Meisterschaftstages.