Über die deutsche Ignoranz gegenüber einem Laufjuwel

Aehling Danner Weiss1 BMCross KiefnerRegensburg, 4. März 2015 (orv) –  „In Frankreich wird der Crosslauf zelebriert. Letztes Jahr, bei den französischen Crosslaufmeisterschaften wurden 12.000 Zuschauertickets zu 10,00€ verkauft. Bei den „Semifinals“ in der Nähe von Belfort wurde bereits alles topp moderiert, 300 Starter liefen allein auf der Männer Mittelstrecke, Party pur und vieles anderes mehr war angesagt“, schreibt uns Peter Jenniches auf Facebook. Andreas Menz schildert dazu das deutsche Kontrastprogramm: „Das Jahr nach Löningen. Wieder zwei Schritte zurück für den Crosslauf in Deutschland. Die Verbände scheint es nicht zu interessieren.“ Fest steht  nicht erst seit gestern: Der Crosslauf steckt in Deutschland in Schwierigkeiten.

 

 2001 holten die DM-Ausrichter in Regensburg die Meisterschaften erstmals spektakulär ins übersichtliche Stadiongelände und wurden gleich mal mit 4000 Zuschauern belohnt. Seitdem heißt es zumindest nicht mehr „ja wo laufen sie denn …“ So etwas wie Regensburg war und ist aber nicht das Verdienst der veranstaltenden Verbände, sondern einzig und allein von leidenschaftlich kämpfenden Mitarbeiter an der Basis. So gelingen eben die Meisterschaften von Jahr zu Jahr einmal besser und einmal schlechter. Von britischen, französischen, belgischen oder amerikanischen Standards ist Cross-Deutschland aber noch weit entfernt.

 

„Das gibt’s doch nicht. Das kann doch nicht sein. Eine Teilnehmerliste von Startnummer 1-1074 sortiert kann doch keine Informationsgrundlage für die wenigen Journalisten sein, die überhaupt noch über diese Meisterschaften schreiben wollen“, sagt Helmut Schaake, einer der Macher von LaufReport. Kurt Ring, Regensburger Lauf-Tausendsassa auf vielen Ebenen vermutet nicht zu Unrecht: „Der Teufel liegt im Detail. Allein das Zusammenspielen der Meldungen aus 16 Landesverbände birgt auf Grund der verschiedenartigen Erfassungssysteme Probleme und wenn dann vom örtlichen Ausrichter ein nicht bei Meisterschaften bewährtes Auswertungsprogramm verwendet wird, entstehen Teilnehmerlisten, wie jene von Markt Indersdorf. Letztendlich sind das alles Kleinigkeiten. Aneinandergereiht reicht’s dann oft doch zum GAU.“

 

Die bei Landesmeisterschaften bewährte Strecke wurde von anwesenden Experten schon bei einer Begehung im Herbst als unbrauchbar für nationale Titelkämpfe eingestuft. Die daraufhin getätigten Änderungen erforderten einen radikalen Einschnitt in die Bodenbeschaffenheit des bestehenden Geländes mittels schweren Geräts. Der Zeitpunkt für diese Arbeiten war allerdings zu spät angesetzt. Die Folge: Der Boden verdichtete sich nicht mehr und die Gefahr eines Einsinkens bis zu den Knien konnte nicht ausgeschlossen werden. Eine Woche vor den Titelkämpfen schrillten dann die Alarmglocken. Jetzt scheint man in letzter Minute einen Kompromiss zum Kompromiss gefunden zu haben. Ob’s dann wirklich funktioniert, wird man am Samstag sehen.

 

Das alles wäre vermeidbar, ausgehend von der Vergabe der Meisterschaften bis hin zur eigentlichen Durchführung am Tag X, wenn es endlich einen zielführenden Plan zum Besseren geben würde. „Manchmal kommt es mir vor, man fährt einen Porsche targa zur Motorenüberprüfung zum nächsten Klempner“, sagt dazu Kurt Ring, „denn mit Verlaub gesagt, ist der Crosslauf veranstaltungstechnisch ein „Porsche targa“, den andere Nationen schon längst zum Laufen gebracht haben. In Deutschland suchen die veranstaltenden Verbände bisweilen noch den Schlüssel dafür.“