Titelgewinne werden oft sehr kontrovers diskutiert

Regensburg, 10. März 2015 (Ring) – Wer in meiner Jugendzeit etwas über seine Nachbarn oder die anderen im Dorf etwas wissen wollte, brauchte nur in den Dorf-Kramerladen oder zum Metzger beziehungsweise Bäcker zu gehen. Dort trieben die Ratschkat’ln ihr Unwesen, Frauen, die in der Regel wenig zu tun hatten und daher viel die anderen ausrichten konnten. Heutzutage geschieht das quasi intermediär via Facebook, entweder ganz offen oder hinter vorgehaltener Hand, verschlüsselt und nur für die sogenannten „Freundinnen oder Freunde“ lesbar. Die Triebfeder für solches Handeln ist dazu eigentlich sowohl früher wie heute die gleiche.

 

Gern werden dann mit echter Neidkultur die Erfolge diskutiert und heruntergeredet und die Misserfolge haarklein analysiert - mindestens hundert Bundestrainer also auf der medialen Tribüne. Eine der Fragen aller Fragen ist bei Meisterschaften dann gerne, wie einfach der oder die Meister/in zu seinem/ihrem Titel gekommen ist. „Da waren ja einige nicht da“ ist ein gern verwendetes Argument, wenn man den/diejenige Meister/In eben nicht so gerne mag. Ein Argument, das einfach unbrauchbar ist, weil sich jeder bei den ausgeschriebenen Meisterschaften anmelden kann, sofern er die Qualifikationsleistung erfüllt.

 

Von den 27 Einzeltiteln in der Frauen- und Männerklasse, die das Regensburger Team seit 2000 gewonnen hat, war sicher der eine oder der andere dabei, der „leicht“ gewonnen wurde, weil „sie“, die vermeintlich Besseren, wieder mal nicht da waren. Das mag schon sein, aber auch im Regensburger Team befinden sich einige Topps, die durchaus zu den „Besseren“ zu zählen sind und bisweilen nicht am Start waren. Das gleicht sich also aus.

 

Da wird dann gerne nachher gestichelt und verunsichert. So geschehen auch bei den Erfolgen von Maren Kock 2015 über 1500m  in der Halle und vierzehn Tage später von Corinna Harrer im Cross. Anscheinend haben die lieben Leute vergessen, dass die eine im Sommer vorher alle angetretenen Stars im Spurt schon einmal auf der gleichen Distanz hat stehen lassen und die andere wieder ein paar Monate früher „Mocki nationale“ unter Erfüllung der EM-Norm über 10.000m geschlagen hatte.

 

Beide auf Grund ihrer jüngsten Erfolge in die Kategorie „ja wenn die anderen nicht da sind, kann man leicht gewinnen“, ist ein Vergleich wie Äpfel mit Birnen. Am Maß von Laufexperten muss man zweifeln, die eine 36-fache Deutsche Meisterin, inzwischen mit 7 deutschen Einzeltiteln in der Frauenklasse geschmückt, mit einer Juniorin, die am Ende in ihrer Klassenwertung nur Fünfte wird, bei einigermaßen normalen Rennverläufen für beide, auf die gleiche Höhe stellen. Die eine war schon bei Olympia und ist mit internationalen Medaillen dekoriert, die andere kennt dies nur aus der Zeitung.

 

Ähnliches gilt für Maren Kock, der inzwischen fünffachen deutschen Frauen-Einzelmeisterin und Teilnehmerin an drei Europameisterschaften im Freien und in der Halle. Auch wenn ihre EM-Einsätze nicht unbedingt von Erfolg gekrönt waren, eine 15:22 über 5000m und eine 4:10 über 1500m konnte im neuen Jahrtausend in deutschen Landen nur eine Irina Mikitenko laufen und die war immerhin Olympiafünfte. Die Moral von der G’schicht: Vieles, was früher im Kramerladen und heute im Facebook preisgegeben wird, entspricht nicht immer den eigentlichen Wertschätzungen. Abgesehen davon, dass noch keiner vom Weitergeben solcher News besser geworden ist.