Der Endlauf der Weltmeisterschaften von Peking sprengt alle Dimensionen

Regensburg, 27. August 2015 (orv) - Mit etwas Abstand zum Ereignis ist eine eingehende Analyse des wohl außergewöhnlichsten 1500m Finales der Frauen aller Weltmeisterschaften angebracht. Es war wohl das qualitativ stärkste aller Zeiten, auch wenn die Endzeit der Siegerin Genzebe Dibaba mit 4:08,09min dabei weniger auffällig war. Das absolut Erstaunliche waren die Rundensplits des Rennens. Nach einer verbummelten ersten Runde in 77,05sec von Shannon Rowbury, folgte Runde zwei in 68,60sec. Da hatte aber bereits die spätere Weltmeisterin Genzebe Dibaba das Heft in die Hand genommen, um Runde drei in unvorstellbaren 57,23sec zu absolvieren, immer noch den Großteil des Feldes im Schlepptau. Noch nie zuvor hatte eine Läuferin in einem 1500m Rennen den als besonders schwierig zu betrachtenden Abschnitt zwischen 800m und 1200m unter einer Minute zurückgelegt, nicht einmal Dibaba selbst bei ihrem Weltrekord von 3:50,07min. Auch die Qualität des „verlängerten“ Spurts über die zwei letzten Runden ist bisher einzigartig. Beim Londoner Olympiafinale, das die inzwischen wegen Dopings disqualifizierte Türkin Asli Cakir Alptekin in einer ähnlich langsamen Endzeit von 4:10,23min für sich entschied, wurden die letzten beiden Runden in 2:02,9 Minuten zurückgelegt, was damals schon eine besondere Dimension war. In Peking legte Genzebe Dibaba die letzten beiden Runden in zirka 1:57,4min zurück.

Dabei blieben mit der Zweiten Faith Chepngetich Kipyegon (1:58,0), der Dritten Sifan Hassan (1:57,7), der Vierten Dawit Seyaum (1:59,0) drei weitere Läuferinnen unter den zwei Minuten. Die Fünfte, Laura Muir aus Großbritannien war mit einer 2:00,3 sehr nah dran und auch die weiteren fünf nächstfolgenden Athletinnen blieben im Bereich von 2:01 bis 2:02 Minuten. Damit sprengte das Pekinger Finale alle bisher bekannten 1500m Dimensionen und bestätigte die Ergebnisse, die bereits im Vorfeld in der Diamond league erzielt wurden. Leistungsbezogen ist dies weniger eine dynamische Entwicklung als ein richtiger Quantensprung. Bleibt nur zu hoffen, dass die Lösung des Mirakels nicht erneut wieder so gestaltet ist, wie das Londoner Olympiafinale von 2012. Leichtathletik kann so schön sein, wenn die Ergebnislisten nicht im Nachfeld ständig korrigiert werden müssen.