Chronistin Franzi Reng berichtet aus dem "Weltenburger" vom Bischofshof-Bockanstich

Bockbierrunde LGR RengfotoRegensburg, 20. Februar 2016 (Reng) - Am Samstagabend gab es vor dem Regensburger Dom ein ungewöhnliches Schauspiel zu beobachten: Eine neuköpfige Delegation der LG Telis Finanz hatte sich vor der Gaststätte „Weltenburger am Dom“ versammelt. Die kleine Gruppe machte geradezu Anstalten, sich unter die Menge zu mischen, die zum traditionellen Bockbieranstich in die altehrwürdigen Gemäuer des Herzogssaals strömte. Waren die sonst für ihre eiserne Disziplin bekannten Athleten von allen guten Geistern verlassen? In der Vorbereitungsphase auf die anstehenden Wettkämpfe gibt es für einen Läufer doch nichts anderes zu trinken als Wasser! Vielleicht ausnahmsweise mal Apfelschorle. Aber Bier?

Unbeirrt hatte die kleine Sportlerschar schon bald ihre Mäntel an der Garderobe abgelegt und nun war sofort zweifelsfrei zu erkennen: Man hatte sich regelrecht schick gemacht für den Abend! Eine Trachtengarnitur wäre natürlich die Krönung gewesen, aber die Bereitschaft eines Läufers, weder in Tights noch in Jogginghosen aufzukreuzen, verdient ja schon hohe Anerkennung.  Beim Empfang gab es  trotz alldem eine kurze Schrecksekunde: Statt den neun Anwesenden, hatte man lediglich mit acht Personen gerechnet. Doch Norbert Lieske wäre wohl nicht LG-Präsident, wenn er hier nicht in gewohnt charmanter Art und Weise dafür gesorgt hätte, dass sich dieses „Problem“ in Wohlgefallen auflöst. Die physiologische Gestalt eines Läufers ist ohnehin von Natur aus eher platzsparend angelegt, da fällt ein Platz mehr oder weniger kaum ins Gewicht.

Und dennoch kam man nicht um die Tatsache herum, dass der vorgesehene Tisch in ein kleines Nebenzimmer verlegt worden war. Hier bot sich zwar eine sehr intime Atmosphäre, man befand sich allerding ein wenig abseits des Geschehens. Ein Lautsprecher versorgte die „ausgelagerten“ Gäste lediglich mit sporadisch akustischen Eindrücken aus dem benachbarten Herzogssaal. So kam es, dass schon während der bayerischen Brotzeit, die als Vorspeise bereitstand, immer wieder ungeduldig die Frage gestellt wurde: „Ist es so weit? Geht’s schon los?“…

Denn auf eine Sache wartete die gesamte LG-Fraktion besonders gespannt: Kein geringerer als Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, sollte in diesem Jahr das erste Fass des weltbekannten Asam-Bocks anstechen. Da auch bereits hunderte Kehlen sehnsüchtig auf den ersten Schluck warteten, ließ dieses Spektakel tatsächlich nicht lang auf sich warten. Natürlich drängte es dann auch die Leichtathleten aus ihrem Kämmerchen hinüber in den Festsaal. Und sie mussten neidlos gestehen, dass „ihr Präsident“ in der ledernen Schürze eine wahrlich gute Figur abgab und sich mit seinen drei Anzapf-Schlägen nicht nur mit Bier, sondern auch ein bisschen mit Ruhm bekleckern konnte. Insgeheim hatte man ja befürchtet, die mit angereiste Speerwerferin Linda Stahl hätte ihm am Ende unter die Arme greifen müssen. Doch alle Sorgen blieben unbegründet und das Bier floss in Strömen.

Irgendwann schafften es ein paar Krüge sogar bis zu den Athleten ins Hinterzimmer, wo sie recht munter in Empfang genommen wurden. Chefcoach Kurt Ring gab sich trotzdem erst zufrieden, nachdem er seine „Sau“, in Form eines knusprigen Spanferkelbratens, vor sich hatte. Viel Verdauungszeit blieb allerdings nicht mehr, bis die ganze Mannschaft erneut hinausgetrieben wurde. Man erwartete sie nämlich längst auf der Bühne.

Hier sollte ihnen Moderatorin Evi Reiter auf den Zahn fühlen, um ein paar bisher streng gehütete Geheimnisse aus dem Läuferleben ans Tageslicht zu bringen. Und so wurde bereitwillig aus dem Nähkästchen geplaudert: Corinna Harrer berichtete von ihrem Wechsel auf die 10-Kilometer-Distanz, Tim Ramdane-Cherif ließ die bestzeitenreiche Saison Revue passieren, Philipp Pflieger und Franzi Reng blickten stattdessen schon einmal in die Zukunft der kommenden Saison. Das Geständnis von Felix Plinke alias „Plinkelix“, aufgrund des fortgeschrittenen Alters nun seinem großen Vorbild Philipp Pflieger auf die Marathon-Distanz folgen zu wollen, war wohl die überraschendste Neuigkeit.

Cheftrainer Kurt Ring stellte dennoch all seine Schützlinge, die sich allesamt eher bescheiden zeigten, einmal mehr in den Schatten. Sein Statement über die LG-Beteiligung in der Olympiamannschaft für Rio 2016 war so gewagt, dass man ihm wohl übermäßigen Alkoholgenuss diagnostiziert hätte, wäre „Mister Leichtathletik“ seinerseits nicht gerade für derart mutige Aussprüche bekannt. Das Publikum zollte ihm dafür umso mehr Applaus und unter der Begleitung von zünftiger Blasmusik zog sich das Telis-Team wieder zurück.
 
Der letzte, dafür umso essentiellere Tagesordnungspunkt, die Nachspeise in Form von Topfenstrudel an schmackhafter Biersahne, wurde anschließend im informellen Beisammensein eingenommen. Man plauderte mit alten Bekannten, Sportbegeisterten, Fans, Groupies oder den hübschen Kellnerinnen. Natürlich riss sich auch die Presse um die versammelten Top-Athleten. Bereitwillig wurden Interviews gegeben und alle neugierigen Fragen beantwortet, denn: Wann gibt’s sowas denn schon, dass man die Stars der Leichtathletik-Szene beim Bockbieranstich trifft?