Telis-Langstreckler laufen in Berlin zwei deutsche Rekorde und vier bayerische dazu - Miriam Dattke steigert sich um 23 Sekunden auf die neue Rekordmarke von 32:20 Min - Simon Boch bestätigt mit 28:37min als Zweiter und bester Deutscher seinen Toplauf aus dem Frühjahr - Männerteam versenkt endlich Uralt-Rekord des TV Wattenscheid aus dem Jahr 2001 - Frauenteam setzt seine Rekordmarke aus dem letzten Jahr um eine Minuten und fünfzig Sekunden höher

Boch1 Berlin10K 2020 Wilhelmifoto

 

Berlin, 26. September 2020 (orv) – Die erfolgsverwöhnten Langstreckerinnen und Langstreckler der LG Telis Finanz sind derzeit ein wenig „ziellos“. Die Corona-Krise machte fünfzehn Verteidigungen nationaler Titel zunichte, die Europameisterschaften in Paris fielen aus und auch die Europameisterschaften im Crosslauf, die am 13. Dezember in Dublin hätten stattfinden sollen, wurden bereits ersatzlos gestrichen. Was im Frühjahr sein wird oder eben auch nicht, steht in den Sternen. Ob es 2021 wirklich Olympische Spiele geben wird, weiß keiner. Da kommen dann Angebote wie der „Berlin 10K Invitational II“, ein international besetzter 10km Straßenlauf, auf einer einsamen Waldallee des Berliner Vorstadtviertels Rauchfangswerder gerade recht, um wieder einmal den Trainingsalltag ein wenig aufzulockern. So schrieb denn auch Teamchef Kurt Ring quasi als Motivationsschub folgenden Satz in das obligatorische Organisationspapier, drei Tage vor dem Berliner Event: „Die LG Telis Finanz möchte mit euch beide deutschen Teamrekorde angreifen. Es wäre riesig, wenn wir zumindest einen davon schaffen!!“ Rekordfieber war also angesagt. Und seine Schützlinge setzten um. Sowohl sein Männerteam als auch die Frauenmannschaft knackten die bestehenden deutschen Bestleistungen, Frontfrau Miriam Dattke garnierte das Ganze noch mit einem überragenden Frauen-Landesrekord in formidablen 32:20min, zugleich Bestleistung in der Altersklasse U23.

Dattke1 Berlin10K 2020 Wilhelmifoto

Taktik war an diesem Vormittag im noch nicht verregneten Berlin kein Thema. Man wusste, die beiden Weltklasseleute,  Daniel Ebenyo und Helen Tola, beide aus Ostafrika eingeflogen, waren auf Grund ihrer später auch abgelieferten Weltklasseleistungen von 27:18  und 30:59 Minuten kein echter Maßstab und auch keine Hilfe auf der Jagd nach Bestzeiten. So stürmten denn auch Miriam Dattke im Lauf der Frauen und Simon Boch im Toprennen bei den Männern ohne Rücksicht auf Verluste los wie die Feuerwehr, dabei einen Rattenschwanz der fast gesamt versammelten nationalen Elite im Schlepptau. Während es Boch am Ende seines Parforcerittes gelang, alle Deutschen mit der erneuten Klassezeit von 28:37 Minuten abzuschütteln, hängte sich bei den Frauen Dauerkonkurrentin Katharina Steinruck (LG Eintracht Frankfurt) zäh an die Fersen von Miri Dattke. Der Spurtsieg der Frankfurterin in 32:16 zu 32:20min war dann die logische Konsequenz. „Das geht schon in Ordnung, ich gönne Katha die gelungene Revanche für die Halbmarathon-Niederlage vor vierzehn Tagen“, zeigte sich die junge Regensburgerin keineswegs enttäuscht, „ nach ein paar Wochen Grundlagentraining ist das ein deutlicher Fingerzeig, dass ich nach meiner Sommerverletzung wieder voll zurück bin.“ Auch Teamkollegin Anja Scherl zeigte, dass sie mit ihren 33:12min in ihrer Marathonvorbereitung für Valencia, Anfang Dezember, voll im Plan liegt. „Meni Mayer ließ mit ihren 33:40 nach nur zwei Wochen Training aufblitzen, dass sie vieles an Grundvermögen aus der letzten Saison in die neue Jahresvorbereitung mitnehmen konnte“, attestierte Kurt Ring seiner Frontfrau des Sommers, Domenika Mayer beste Noten. Das gilt wohl auch für Svenja Ojstersek, die sich mit 34:24min immer mehr der ersehnten 33-er Zeit nähert. Das Gesamtergebnis der Frauen war überragend: Neuer deutscher Teamrekord in 1:39:12 Stunden, eine Minute und fünfzig Sekunden schneller als in der gleichen Besetzung vor einem Jahr in Siegburg.

Boch2 Berlin10K 2020 Wilhelmifoto

Wie im Februar zeigt Simon Boch nun auch im Herbst, dass er in einer anderen Liga angekommen ist. „Da wäre noch mehr gegangen, wenn ich nicht völlig allein für die Pace hätte sorgen müssen. Jetzt freue ich mich auf die Halbmarathon-WM in drei Wochen in Polen“, sagte der total zufriedene Regensburger unmittelbar nach dem Zieleinlauf. Der Kampf um den deutschen Team-Rekord war wie schon einige Male vorher bei knapp gescheiterten Versuchen ein Spiel mit den Sekunden. Am Ende gelang es diesmal, ganze vier Sekunden schneller zu sein. Die Besetzung war unerwartet: Florian Orth mit neuer persönlicher Bestzeit von 28:53min und Kevin Key, ebenso mit Straßen-Hausrekord von 29:47 Minuten lieferten zusammen mit Boch 1:27:17 Stunden ab. Der alte Rekord des TV Wattenscheid aus dem Jahr 2001 war endlich Geschichte. Auch mit Regensburgs Nummer vier, Erik Hille, der bei 29:49 Minuten überschwänglich seine erste Zeit unter 30 Minuten feierte, hätte es noch zum Rekord gereicht. Tim Ramdane Cherif überzog in der ersten Hälfte des Rennens leider das Tempo und blieb bei 29:57min hängen. Am Ende war er schier untröstlich. „So ein Fehler darf mir einfach nicht passieren. Ich bin doch kein Anfänger mehr.“