Langsam erwacht die noch junge LA-Saison aus dem Pandemie-Schlaf

Hafner1 BLV Halle Sued21 HabermannfotoMünchen, 14. Februar 2021 (rk) Die Kaderwettkämpfe Süd in der Münchner Werner-von-Linde-Halle brachten zum einen wieder einen Hauch von Normalität in eine der beiden bayerischen Indoor-Locations, in denen es normalerweise um diese Jahreszeit vor Sport treibenden jungen Menschen nur so wimmelt. Aber seit Beginn des Lockdowns Anfang November dürfen dort bekanntlich nur Bundes-, Landes- und Stützpunktkader – also diejenigen, die unter dem Oberbegriff „Leistungssportler“ firmieren – ihrer täglichen Trainingsarbeit nachgehen. Nun gab es also auch wieder Wettkämpfe, allerdings von der Teilnehmerzahl arg limitiert, eben nur für diesen Personenkreis zugelassen, unter strengen Hygieneauflagen und in München ausschließlich für die Bereiche Sprint und Lauf. Dass beim Hallenstelldichein in der Landeshauptstadt eine Menge Sportlerinnen und Sportler mit dem blau-weißen Trikot der LG Telis Finanz Regensburg im Sprint antraten, war neu und ein zugebenermaßen ungewohntes Bild. Es offenbarte aber auch die veränderte Perspektive des Regensburger Großvereins, der sich weg vom Image des reinen Laufclubs bewegen möchte.

In welche Richtung die Bemühungen gehen könnten, wurde bereits bei den Kadertestwettkämpfen deutlich. Vom SWC Regensburg hatte sich Mehrkämpferin Isabel Mayer zusammen mit ihrem Trainer Stefan Wimmer den Blauen angeschlossen. In München unterstrich sie aber auch ihre Ausnahmestellung als Hürdensprinterin. Mit gleich zwei Verbesserungen ihrer Bestleistung über 60 Meter Hürden (8,50 und 8,49 Sekunden), die sie aktuell auf Platz fünf der deutschen Bestenliste katapultieren, aber auch mit ihren neuen Hausrekorden über 60 Meter flach (7,84 und 7,72 Sekunden) zeigte sich „Isi“ für die Deutschen Hallenmeisterschaften am kommenden Wochenende in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle in bestechender Form.

Allerdings werden die nationalen Titelkämpfe ohne zwei der stärksten Telis-Sprintasse stattfinden. 400-Meter-Spezialistin Mona Mayer – im Vorjahr in Leipzig in der Halle noch Vierte – erklärte am Montag ihren Verzicht auf einen Start in Dortmund, nachdem sie in München bei ihrem letzten Leistungstest und einer durchaus ansprechenden Zeit (24,54 Sekunden) über 200 Meter wieder Schmerzen in der Ferse verspürt hatte. Nun will die 19-Jährige nach einer kurzen Pause Anfang März den Fokus komplett auf die Sommersaison legen. Auch für Katrin Fehm, die nach ihrer schweren Verletzung vom vergangenen Sommer in München ihren ersten Wettkampf bestritt, kommt die Hallen-DM noch zu früh. Ihre Zeiten von 7,68 und 7,72 Sekunden über 60 Meter sowie 24,77 Sekunden über 200 Meter muss man deshalb vor allem unter der Überschrift „endlich wieder dabei“ sehen.

MayerIsabel BLV Halle Sued21 HabermannfotoEine Reihe anderer talentierter Telis-Neuzugänge machte stattdessen in der Werner-von-Linde-Halle auf sich aufmerksam. Sprint-„Rohdiamant“ Sabrina Hafner bewies, dass sie bei den internationalen Nominierungen auf ihrer Spezialstrecke 200 Meter im Sommer auf jeden Fall mit ihr zu rechnen sein wird. Mit 24,78 Sekunden platzierte sich die in Kürze 18 Jahre alte Allgäuerin auf Anhieb auf Rang drei der deutschen U 20-Bestenliste. Über 60 Meter gelangen ihr trotz eines durchaus verbesserungswürdigen Starts mit 7,83 und 7,81 Sekunden ebenfalls neue Bestleistungen. Über 60 Meter Hürden bewies Sophie Ochmann mit zwei punktgenauen 9,27 Sekunden-Läufen und Rang zwei hinter ihrer Vereinskameradin Isabel Mayer ungeahnte neue Qualitäten. Auch über 400 Meter knackte sie mit 59,96 Sekunden endlich wieder die 60-Sekunden-Marke. Die frischgebackene U 18-Jugendliche Celia Spieß (SWC Regensburg) kam nach guten 9,29 beziehungsweise nach 9,34 Sekunden ins Ziel. Über 60 Meter flach benötigte sie 8,36 Sekunden.

Die Überraschung in der Trainingsgruppe von Ruth Mayer und Reinhard Köchl war an diesem Tag jedoch die 16-jährige Hanna Ackermann, die in einem fulminanten Rennen ihren Hausrekord über 400 Meter fast um zwei Sekunden nach oben schraubte und nach 58,17 Sekunden die Ziellinie überquerte. Damit schaffte sie sogar die zweitbeste Zeit einer U 18-Athletin in der deutschen Hallenbestenliste 2021. Nicht ganz zufrieden mit ihrem 400-Meter-Resultat (61,23 Sekunden) war dagegen mit Ilva Seitz ein weiterer Neuzugang. Dafür konnte die vorjährige Dritte der Bayerischen U 18-Meisterschaften aus Aichach über 60 Meter gefallen (8,08 Sekunden). Ein strammes Programm absolvierte der vorjährige Bayerischen U 20-400-Meter-Meister René Zapel (LG Telis Finanz Regensburg) aus Aschaffenburg. Doch die Mühen sollten sich lohnen: Insgesamt gab es für den DM-Fünften (U 18) von 2019 drei neue persönliche Hallenbestleistungen,  und zwar über 60 (7,30 Sekunden), 200 (22,65 Sekunden) und über 400 Meter (50,51 Sekunden).