Und was der DLV mit dieser Forderung macht

Regensburg, 9. Juli 2021 (Ring) - „Die Covid-Regeln müssen weg“ hieß die Headline auf der Titelseite der Mittelbayerischen Zeitung vom Mittwoch, 7. Juli, wobei die Zitatwiedergabe nicht ganz richtig ist. Vor der allgemeinen Kernforderung dieser Tage steht der Name Maas. Maas für Heiko Maas, dem amtierenden Außenminister der Bundesrepublik Deutschland. Der spricht aus, was viele Spitzenpolitiker angesichts der Tatsache denken, dass ein Großteil der Staatsbürger im August geimpft sein werden und Ende Juli jeder Impfwillige in diesem Lande ein Angebot für den Picks erhalten haben wird. Maas ist Politiker, der wie die anderen seiner Zunft wieder gewählt werden will und daher ein feines Gespür hat, was „Volk“ mehrheitlich von seinen Vertretern in Sachen abflauender Pandemie erwartet.

 

Am gleichen Mittwoch ist das EM-Fußballspiel Dänemark-England ab 21 Uhr im ZDF zu sehen. Es findet im Mekka des Sports mit der runden Kugel, dem Londoner Wembleystadion, statt. Wohlgemerkt vor 65.000 Zuschauern auf den Rängen, dicht gedrängt, singend und Schlachtrufe skandierend. In einem Land, das viel schlimmer als Deutschland von der Corona Pandemie gebeutelt wurde, derzeit Ausgangsgebiet für die Delta-Variante ist – ohne Mund- und Nasenschutz und ohne Abstandsregeln der zigtausend Protagonisten. Wie keine andere Sportart ist der Profifußball Sklave aber auch Nutznießer des Kommerzes. Dessen Vertreter wussten schon sehr schnell, was die Vertreter des Fußballs so schnell wie möglich und koste es, was es wolle, zu vollziehen hatten: „The show must go on!“ uns so rollte der Spielbetrieb so schnell wieder wie nirgend anders und auch in Fragen von Lockerungen der Covid-Regeln war dieses Klientel absolut spitze. Siehe Wembleystadion am Mittwochabend. Ob sinnvoll oder nicht, bleibt dahingestellt. Als Lobbyisten des Geldes standen die Manager des Fußballgeschäfts einfach hundertprozentig hinter der Sache, die sie zu vertreten hatten.

Die Leichtathletik, wenn es nicht gerade jene der Olympischen Spiele ist, zeigt sich dagegen wie ein Krämerladen im Tante-Emma-Style. Deren Vertreter machten in Zeiten wie diesen zunächst mal wenig, wenn nicht sogar gar nichts. Ihre Hygienerichtlinien, mit denen sie vor den zuständigen Ordnungsämtern punkten wollten, umfassten zwar viele Papierseiten, stammen aber auch jetzt noch alle aus der Hochzeit der Pandemie von  Ende April, Anfang Mai. Die panische Angst Funktionäre der olympischen Kernsportart Nummer eins, etwas falsch zu machen in puncto Corona Maßnahmen ist bei allen bisherigen nationalen Titelkämpfen deutlich spürbar. So gleicht denn der Besuch von Deutschen Meisterschaften eher einem Gang in einen Hochsicherheitstrakt, nur wenigen zugänglich und mit vielen Unverständlichkeiten gepflastert.

Ende Juli, einem Zeitraum, von dem die stets vorsichtige Bundeskanzlerin davon spricht, dass hier die Covid-Regeln weitgehend weg sein werden und die einzelnen Bürger*innen die noch restliche Pandemie in Selbstverantwortung verwalten könnten, finden in Rostock die Deutschen Jugendmeisterschaften statt. Weltbewegende Änderung in Sachen Covid-Einschränkungen zu den im Juni abgelaufenen nationalen Meisterschaften gibt es praktisch keine. Allein bei den Betreuerplätzen tut sich ein bisschen was. Jede/r Athlet*in darf jetzt zu seiner, nur dem eigenen Wettbewerb vorbehaltenen Anwesenheitszeit im Stadion seine/n Betreuer*in mitnehmen. Weiterhin aber dürfen keine Zuschauer ins Stadion, wobei die Anzahl derer in Rostock sicherlich nur im dreistelligen Bereich anzusiedeln gewesen wäre. Weiterhin herrscht nach wie vor Testpflicht beim Betreten des Stadions, weiterhin können nicht mal die beteiligten Athleten*innen bei ihren Trainingskumpeln in anderen Wettbewerben zuschauen. Die Schwierigkeiten, die die beteiligten Sportler und Vereine haben, sind mitnichten kleiner geworden. Rostock liegt für viele Teilnehmer*innen der DJM nicht gleich um die Ecke, die Meisterschaften sind für die Vereine oft nur im Verbund mit den Eltern der jungen Athleten zu stemmen. Was bleibt: Es wird einen Livestream geben. Den können sich dann mitgereiste Eltern und nicht am Wettbewerb beteiligte Athleten*innen auf dem Hotelzimmer anschauen. Toll!!