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Wissen und Erfahrungen zu 10-12 Jahren Talent-Ausbildung

– auch für Olympia 2032 in Australien

© Lothar Pöhlitz – Bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokyo wurde deutlich, dass für eine wieder Germany-Konkurrenzfähigkeit in den Laufdisziplinen Lauf-Talente gebraucht werden, die in 10-12 Jahren in Brisbane – Australien leistungsbereit sind. Nachwuchsleistungstraining beginnt mit Eignungserkennungstraining und muss in den BASICS die Grundlagen so aufbauen, dass später, im Jugendalter, eine Vorbereitung auf das Hochleistungstraining möglich wird. Dabei ist wichtig nach der Erkennung des Talents, die Leistungsvoraussetzungen für die zukünftige Spezialdisziplin, in der Sprint-, oder Lauftechnik, in der aeroben Kapazität und in den Kraftfähigkeiten zielgerichtet auszubilden. 

Eine Olympia-Medaille - vielleicht 2032 - ist das Größte,

was Trainer und Sportler gewinnen können

„Erziehen, entwickeln wollen erfordert schon früh zu fördern und fordern zugleich. Jeder ist für irgendeine Disziplin oder Sportart talentiert, es ist Aufgabe der Trainer dies möglichst früh zu erkennen, sie der jeweiligen Disziplin / Sportart ohne persönliche Egoismen zuzuführen und entsprechend auszubilden. Genetisch festgelegt ist, ob die Muskulatur eher schnellkräftig oder verstärkt ausdauernd ist. Letztendlich entscheiden aber die Summe der Einwirkungen, Stunden und des systematisch ansteigenden Trainingsumfangs über die Jahre“. (Lothar Pöhlitz 1986)

„Talent ist umgangssprachlich die Bezeichnung für ein Individuum, das eine entwicklungsfähige, spezifische Begabung besitzt. Ihre große motorische Lernfähigkeit führt zu einer leichteren und schnelleren Beherrschung von Bewegungen. Spezifische physische Voraussetzungen für eine Sportart können gepaart mit psychischen Faktoren und einer über dem Durchschnitt liegender Bereitschaft hohe sportliche Leistungen erbringen zu wollen, zu herausragenden Leistungen führen“ (Röthig - Sportwissenschaftliches Lexikon)

Dabei sollten wir nach den aktuellen Erfahrungen Migranten-Kinder, die in ihrer Vergangenheit oft wenig verwöhnt, schwere Zeiten erlebten, oft auch Talent haben, gezielt in die Suche einbeziehen.  

In der BASICS- Grundlagenvermittlung, in der die Voraussetzungen für mehr geschaffen werden, muss das Nachwuchsleistungstraining zwischen 15-18 Jahren vorbereitet werden. Nur ein wieder anderes Kinder-Training führt über mehr Motivation, Mentalität und Leistungsstreben wieder in die Spitze.

Talente brauchen wieder mehr Training, Fleiß, mentale Stärke

und einen leidenschaftlichen Top-Coach

Alles ist Anpassung - 10000 Übungsstunden benötigen auch Talente, um außergewöhnliche Fähigkeiten auszuprägen. Talente werden geschaffen. Wunderkinder gibt es nicht. (ERICSSON-USA-2008)

„Die Eignung für eine Laufstrecke im Sprint-, Mittel- oder Langstreckenlauf wird durch das individuelle Verhältnis der anaeroben oder aeroben Energiebereitstellung - deren organisches Korrelat der genetisch determinierte Muskelfasertyp ist – bestimmt“ (Dickhut 1990)

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Die Erfahrung lehrt aber das nicht alle Talente über die notwendigen Intelligenzvoraussetzungen verfügen, um die privaten, schulischen und Trainings- und Wettkampfaufgaben erfolgreich miteinander zu verbinden. Aber auch Intelligenz ohne Leistungsbereitschaft und ohne starke Willensqualitäten führt nicht zu Spitzenleistungen. Erfahrung ist auch, dass Sportler im Endeffekt nur können, was sie können wollen. Für die Weltspitze bedarf es außergewöhnlicher Anlagen, sogenannter Goldkörnchen, die in 8-12 Jahren die Fähigkeiten zu Siegen gegen die Weltspitze erwerben.                                        (Lothar Pöhlitz 1987)

Trifft das Wunderkind oder Goldkörnchen nicht auf einen erfahrenen, starken Trainer, der nicht nur Trainingseinheiten vorgibt, sondern auch in der Lage ist sie durchzusetzen, dem jungen Talent die Freude, den Spaß an der notwendigen Belastung und den Willen zum Siegen vermitteln kann, von ihm vielleicht sogar „geliebt wird“, wird das Wunder nicht wahr.

Wie für das Problem der Talenterkennung und Ausbildung für Kids- und Nachwuchstrainer ein Talent-Gipfel-Serie sinnvoll wäre, sollte die künftige Ausbildung für den Spitzenbereich wieder „Trainer für Leistungssport“ zum Ziel haben. 

Je härter man trainiert – sei es in der Musik, im Sport oder in der Wissenschaft, um so besser wird das Ergebnis. Amerikaner, Afrikaner, Japaner oder Chinesen arbeiten meist härter als Europäer.       (Lang Lang im FOCUS 15/2009)

Die Ausbildung von Begabten setzt organisierte Zeit zum täglichen Üben voraus, dies gilt für Sänger, Pianisten, Artisten, Schwimmer und auch für Läufer, die eines Tages vor einem großen Publikum erfolgreich auftreten wollen. Junge Sportler, die früh beginnen und seit frühester Kindheit mit Spaß üben, haben einen Übungsvorsprung der kaum aufzuholen ist. Es ist aber auch Erfahrung, dass noch deutliche Fortschritte durch intensives Üben bis ins späte Hochleistungsalter möglich sind.

„Konstitutionell – anatomisch günstige Voraussetzungen stellen nur einen Teilbereich der sportlichen Leistungsfähigkeit dar. Analysen zeigen, dass bis zu 60% Sportverletzungen oder Sportschäden und ein daraus resultierender frühzeitiger Karriereabbruch auf ungünstige Voraussetzungen zurückzuführen sind.“   (Lohrer 1990)

Belastbarkeit und siegen wollen sind d i e Voraussetzungen für mehr

Deshalb muss das Prinzip „wir trainieren für Wettkämpfe“ den Kleinen schon früh vermittelt werden

Eine vorrangige Aufgabe im frühen Kindertraining ist die Füße und das Zentrum zu stärken, d.h. auch öfter raus aus den Schuhen und die Füße mit Rasen-Barfußlaufen oder im Winter auf Matten auf das schnellere Vorfußlaufen vorzubereiten, eine der grundlegenden Stärken der Läufer und Läuferinnen aus dem afrikanischen Rift Valley.

       „Erfolgreiche Entwicklungsverläufe von jungen Nachwuchsathleten im Leistungssport sind wesentlich von ihrer „Belastbarkeit“ abhängig. Sie ist durch genetische Anlagen, sowie durch exogene und endogene Einflüsse bestimmt. Die Belastbarkeit entscheidet maßgeblich über die mögliche Kontinuität des individuellen, langfristigen Trainings- und Leistungsaufbaus“       (Fröhner 2008)

       „Belastbarkeit ist nicht angeboren, sondern das Ergebnis möglichst früh beginnender allgemeiner- und spezieller vielseitiger Einwirkungen auf den kindlichen Organismus durch systematisch zunehmende Anforderungen, auch mit Übungen zur Ganzkörperkonditionierung und Schwachstellenbeseitigung“      (Lothar Pöhlitz 1979)

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Sprint- und aerob-anaerobes Qualitätstraining in Jahrgangs- oder Talentgruppen muss einen systematischen Aufbau in den Jahren für den individuellen Eignungs-Leistungsbereich sichern. Ausdauerspiele, schnelle Kraftübungen oder kurze bis mittellange Geländeläufe sind dafür besonders geeignete Mittel.

Das Ziel eines effektiven Trainings ist die Stoffwechselprozesse so zu ökonomisieren, dass immer höhere Geschwindigkeiten auf kurzen, mittleren und immer längeren Strecken möglich werden.

Das bedeutet, dass die nachfolgenden Herzfrequenzen durch verschiedene Trainingsformen (Spielen / Laufen) angesprochen, trainiert werden müssen

-> HF individuell 130 - 150 - 165 – 175 - 180-185

       „Talent und Training sind untrennbar miteinander verbunden. Talente erkennt man nur, wenn sie sich auch betätigen. Entwicklungen bis hin zur Weltspitze sind selbst für hoch veranlagte Athleten nur durch kluge, jahrelange harte Arbeit möglich. 

       Talente zeichnen sich durch überragende genetische Voraussetzungen aus und lernen schnell. Beim Laufen müssen von der physischen Seite her Herz und Lunge, die Sauerstoffaufnahme, der anschließende Transport und die Verwertung in der Muskelzelle zur Energiegewinnung durch Training immer besser funktionieren. Die Menge der Enzyme und Mitochondrien – deren Produktion und Leistungsfähigkeit sind von enormer Bedeutung –, die Hormonproduktion, Eiweiß-Synthesen und vieles mehr. Psychische- und Charaktereigenschaften sind nichtminder bedeutend“        (Dieter Hogen - race-news-service.com)

       „Talent, hohe und höchste Leistungsmotivation, Unterstützung durch Eltern, Schule und Umfeld, eine frühzeitige, nicht nur koordinative, sondern auch konditionelle Vorbereitung im Kindes- und Jugendalter, langfristige und gesunde Steigerung der Belastung, permanente Kontrolle des Belastungszustandes und der Belastbarkeit, hochkompetente Trainer, optimale wissenschaftliche Unterstützung für Mensch und Material, finanzielle Absicherung während des Leistungssports mit Vorbereitung auf eine berufliche Karriere danach und schließlich Zeit für den Leistungssport“        (M.Reinsch / Mester 2009)

       „Talent und Gene, das Umfeld (Trainer etc.) und eine gute Balance zwischen Training und Erholung bilden die Grundlage. Wichtig ist aber die gezielte Arbeit von klein auf. Je früher man mit dem Training startet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit an die Spitze zu kommen. Neben der täglichen, auch harten Arbeit spielt die Qualität dieser Arbeit eine große Rolle“      (Anders Ericsson – USA)

       „In einer Generation, die den Abend für Freizeitaktivitäten erst ab 23 Uhr definiert, für die die Nacht Bestandteil des Tages geworden ist, die ein nahezu rastloses Verlangen hat, an allem teilzuhaben, die sich als Sportler teilweise als Außenseiter abgestempelt sieht, ist es schwer, aber unumgänglich einen sporttauglichen Lebenswandel zu fordern. Viele Athleten machen mit ihrem selbstgeschaffenen Tagesregime, mit der Unfähigkeit zu Prioritäten, mit der mangelnden Bereitschaft oder Einsicht Verzicht zu leisten, ihr Talent und alle Trainingswirkungen zunichte“.        (H.von Papen 2008 – Leichtathletiktraining)

Es sind aber nicht die Gene allein, die für Spitzenleistungen entscheidend sind 

Nur wenn man Begabten die notwendigen Bedingungen zur Verfügung stellt, die Eltern „sie fahren“ und sie mit ihren Trainern gemeinsam in die Spitze wollen, zu regelmäßigen Training erzogen werden, können wir verkürzen. Es gibt keine trainingsmethodischen Geheimnisse in der gegenwärtigen Überlegenheit afrikanischer Läufer die unter primitivsten Bedingungen – von unseren eigenen Läufern immer wieder beobachtet – viel härter trainieren, schon früh viele Kilometer in 2400 m Höhe laufen, als wir. Deshalb müssen wir wieder die Ansprüche erhöhen und die Landesverbände bitten nun das Kinder-BASICS-Training neu zu organisieren und dafür Kids-Coaches zu engagieren.

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*Lothar Pöhlitz – Dipl.- Sportlehrer für Leistungssport / Sportwissenschaftler / 1971 – 1979 Leiter des Wissenschaftlichen Zentrums für Lauf -Trainings-methodik im DVfL / 1979-1985 Sprinttrainer beim TSV Bayer 04 / 1980 – 1998 DLV-Bundestrainer Mittelstrecke – Langstrecke – Marathon / zuletzt Teamleiter Marathon / Straßenlauf / 3x Olympia-Trainer für Deutschland / Langjähriger Dozent an der DOSB-Trainerakademie und DLV-Trainerschule