Wenn die Peking-WM 2027 spät im September stattfindet
© Lothar Pöhlitz*
2027 - im vorolympischen Jahr 2028 – kommt mit der späten Weltmeisterschaft im September in Peking wieder einmal eine trainingsmethodische Besonderheit auf die Läufer*innen und ihre Coaches zu, d.h. der Jahreshöhepunkt, um die beste sportliche Form zu einer Zeit abrufen zu müssen, wo üblicherweise bereits die Übergangsperiode beginnt. Das beinhaltet gleichermaßen die notwendige Reise- und Vorbereitungszeit vor Ort.
Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften finden vom 11.-19.9.2027 in Peking (China) statt. Die Deutschen Meisterschaften sollen vom 31. Juli bis zum 1. August 2027 stattfinden.
Für die Lauf-Bahndisziplinen „Dreifach – Periodisierung“
Die Periodisierung innerhalb einer Jahres-Trainingsplanung wirkt für jeden Disziplinbereich und jedes Leistungsniveau, zielt in den Mesozyklen darauf, im Jahrestrainingsaufbau immer besser und d.h. auch schneller zu trainieren. 5 bis 7 Wochen-Wettkampfphasen und die Hallensaison ist zur Intensivierung und zum Testen des bisherigen Trainingsaufbaus wichtig. Die Besten streben da schon 95-97% vom Sommerziel auf ihrer Strecke an. Nach einer zweiten Basisphase von April bis Mai auf höherem Niveau, Höhentraining wieder etwa ab Mitte Mai, mit anschließenden Qualitätstraining für den nächsten Schritt in die Sommerwettkampf-Periode.
Die Entwicklung der sportlichen Form folgt einem geschwindigkeitsgeführten Belastungsaufbau, im Jahrestrainingsaufbau in 3 Ausbildungsphasen:
* Vorbereitungsperioden – sind Basisperioden zur Schaffung von Voraussetzungen für eine höhere sportliche Form im Vergleich zum bisherigen Entwicklungsstand, des Vorjahres, auch mit Trainingswettkämpfen
* Wettkampfperioden - in einer Dreifach- oder Doppelperiodisierung mit Hallensaison. Ausprägung bzw. auch Stabilisierung der speziellen Leistungsfähigkeit - Nachweis und Unterstützung der Entwicklung durch Wettkämpfe - höchste sportliche Form bei Jahreshöhepunkten - Sammlung von Wettkampferfahrungen ganzjährig
* Übergangsperiode – Verlust der sportlichen Form durch Belastungsreduzierung und gezielter Erholung in 14-21 Tagen – Erhaltung der aeroben Grundleistung durch Training mit anderen Sportarten, Gesundheits-Tests / Sportärztliche Untersuchungen, Ausheilung von Verletzungen
Die Besonderheit des Jahres-Höhepunktes 2027 im September muss also zu neuen Überlegungen für die Platzierung auch der Höhentrainingsaufenthalte, der Qualifikationswettkämpfe und der möglichen etwa 6-wöchigen UWV vor der WM, führen. Dabei sind natürlich die bisherigen individuellen Erfahrungen mit der Lage der Aufbauwettkämpfe nach der Höhe und geplanten Zeiten für die spezielle Vorbereitung vor Ort, zu berücksichtigen.
Dabei sollten die oft schon frühen „Trainingswettkämpfe“ - oft schon Ende April - der anaeroben Intensivierung im Trainingsprozess dienen, aber immer noch im hohen Umfang, auf Nebenstrecken, nicht mit der Erwartung an p.B. in Wettkämpfen verknüpft werden.
Die Periodisierung verfolgt das Ziel in Ausbildungs-Zyklen und Geschwindigkeits-Aufbau im Jahr nach und nach zum Wettkampfhöhepunkt hin eine individuell optimale „sportliche Form mit p.B.“ – eine bestmögliche Ausprägung der speziellen d.h. wettkampfspezifischen Leistungsfaktoren am Ende des Makrozyklus II und der UWV zu entwickeln. Das bedeutet in den 3 Makrozyklen des Jahres (Herbst/Winter – Frühjahr – Sommer) den Trainingszustand in Mesozyklen aufzubauen, in denen Schwerpunkte wie Ausdauer, Kraftausdauer, Beweglichkeit, Motorik, Regeneration im Mittelpunkt stehen. Dabei steigt, bei noch möglichen Trainingsumfang, die Trainings-Qualität in den 3-4 Schwerpunkt-TE der Wochen.
Im Ergebnis der Vorbereitung auf den Qualifikationszeitraum zwischen Mitte Juni bis zu den Deutsche Meisterschaften 31. Juli / 1. August, mit dem bis dahin höchstem sportlichen Niveau, könnte nachfolgend in der etwa 6wöchigen UWV (Unmittelbare Wettkampf-Vorbereitung) im 3-4wöchigen Höhentraining (3-4 : 2 Wochen), die spezielle Vorbereitung auf die WM erfolgen.
Ein Makrozyklus beinhaltet einen mehrmonatigen Trainingsaufbau…
In 3-4monatigen MAZ (Oktober - Mitte Januar) oder 2½-3 Monate (März-Mai / Juni) mit jeweils 5-6 Mikrozyklen, soll in den Bahndisziplinen durch einen Wettkampfabschnitt, wie z.B. der Hallensaison, das trainierte im Vergleich zum Vorjahr weiterentwickelt werden, sodass im Februar etwa 95-97% des Sommerzieles schon möglich werden.
Wichtig ist, dass innerhalb der Makrozyklen ein systematischer Geschwindigkeitsaufbau zum Leistungsziel hin gesichert wird, auch für Langstreckler das Kraft- und Motoriktraining (Steigerungsläufe, Rasendiagonalen, kurze TW-Sprints) 2-3x wöchentlich Bestandteil des Ganzkörpertrainings sind.

- Mikrozyklen bestehen aus 7-10 Trainingstagen mit den inhaltlichen Schwerpunkten des jeweiligen Mesozyklus. In der Regel wird die Belastungs-Entlastungsrhythmik im Wochenzyklus geplant. In Phasen, in denen die zu realisierenden Aufgaben innerhalb einer Woche nicht unterzubringen sind (Intensivierungsphasen), werden nach 10 Tagen „aerob-anaerober Belastung“ 4 Tage als „aerober Block“ gestaltet. Auch Ruhetage sind für die geistige und körperliche Regeneration wichtig.
Sowohl im Mesozyklus als auch im Wochenverlauf sind so Belastungs-Erholungs-Wochen bzw. –Tage von 5 : 1 - 4 : 1 - 3 : 1 - 2 : 1 - 1 : 1 gängige Praxis.
• 5 Wochen Belastung mit 1 Woche Entlastung sind in Phasen zur Herausbildung allgemeiner Leistungsgrundlagen oder nach längerem Trainingsausfall üblich
• 4 Wochen/Tage ansteigende Belastung und 1 Woche/Tag Entlastung wechseln in aeroben Schwerpunktphasen ab, während
• 1 Woche / 10 Tage Belastung und 1 Woche Entlastung / Regeneration in Wettkampfabschnitten, Wettkampfhöhepunkten bzw. auch bei mehreren Wettkämpfen mit Zwischentrainingsphasen, üblich sind.
Ein planvolles Training verschiedener Schwerpunkte mit der Konzentration auf einzelne Fähigkeiten mit „Nebenaufgaben“, bei Anstieg der Umfänge, Trainingsqualitäten und Laufgeschwindigkeiten in den Mesozyklen, muss zu besseren Resultaten führen. Dabei ist wichtig, dass das reizwirksame Training immer auf den aktuellen Trainingszustand und das Leistungsziel der Läuferin oder des Läufers, trifft.
Wenn die höchste individuelle Leistungsfähigkeit dann zum Jahreshöhepunkt abgerufen werden soll, muss der Ausprägungsgrad aller an der Ziel-Leistung beteiligten Faktoren, einschließlich der mentalen Bereitschaft, im Wettkampf möglich sein. Erst dann ist die bestmögliche sportliche Form erreicht.
Natürlich wünscht man sich durch „Außergewöhnliche“ auch „Ausreißer nach oben“. Wettkampfzeiträume aber bleiben immer auch mit Ausbildungsaufgaben der „Taktik“, der Trainingslehre, der Persönlichkeitsentwicklung, der Regenerationsaufgaben und dem wichtigen Bereich der Sammlung von Wettkampferfahrungen für demnächst verbunden.
Beim Blick über den Zaun - zu den Weltbesten – die in Peking Gegner sein könnten, ist zu beachten, dass es in den Ländern Afrikas unseren Winter nicht gibt, und sie unter ihren Bedingungen beim Cross oder den „hill-workouts“ schneller als „wir trainieren“. Auch innerhalb des amerikanischen College- und Uni-Systems mit Konzentration von Super-Talenten als Trainingsgegner aus allen Ländern ist das Trainingsjahr bekanntlich anders strukturiert, durch die Konkurrenz intensiver, mit früheren Wettkampfserien, als das europäische.
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© Lothar Pöhlitz* - Layout Bettina Diller





